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Wahlkampf in Amerika : Millionen für den Sozialisten

  • -Aktualisiert am

Bernie Sanders wettert im Wahlkampf oft gegen Millionäre und Milliardäre. Bild: AFP

Einer der demokratischen Favoriten fürs Präsidentenamt hat seine Steuererklärungen veröffentlicht. Bernie Sanders, der Sozialist aus Vermont, hat Millionen Dollar verdient – vor allem als Buchautor.

          „Bernie gehört zu dem einen Prozent“, schrieb die „New York Times“ am Montag, nachdem der parteilose Senator Bernie Sanders aus Vermont seine Steuererklärungen der vergangenen zehn Jahre veröffentlicht hatte. Sanders und seine Frau Jane verdienten demnach in den Jahren 2016 und 2017 jeweils mehr als eine Million Dollar, das meiste davon mit Bucheinnahmen. Als die Gruppe des „Ein Prozent“ werden in Amerika diejenigen Menschen bezeichnet, die über die höchsten Einkommen und das höchste Vermögen verfügen. Sanders hatte versprochen, dass er seine Steuererklärungen am 15. April, dem amerikanischen Steuer-Stichtag, veröffentlichen werde.

          Im Jahr 2018 hatte das Ehepaar Sanders den Unterlagen zufolge ein Einkommen von 561.293 Dollar –  393.000 Dollar kamen aus Buchverkäufen – während das Durchschnittseinkommen der Menschen, die nicht zu dem „einen Prozent“ gehören, bei 65.000 Dollar liegt. Bernie und Jane Sanders spendeten demzufolge fast 19.000 Dollar an Wohltätigkeitsorganisationen. Ihr Steuersatz im Bund betrug 26 Prozent oder 145.840 Dollar, womit sie laut der amerikanischen Steuerbehörde zu dem einen Prozent der Bürger gehören, die am meisten Einkommenssteuer zahlen.

          Die „New York Times“ schrieb, Sanders‘ Steuererklärungen brächten ihn in eine „gewisse politische Verlegenheit“. Schließlich ist die höhere Besteuerung von Multimillionären ein Kernstück der sozialdemokratischen Kampagne des Senators. Die Webseite „Think Progress“ schrieb gar, Sanders‘ Reichtum passe nicht zu seiner „Marke“  und sei in gewisser Weise „peinlich“. Der Senator wehrte sich in einer E-Mail an seine Unterstützer gegen eine „Schmierenkampagne“.

          Sanders verdient als Senator jährlich 174.000 Dollar. Den größten Teil seiner Einnahmen machte er also mit seinen Büchern. Die Formulare über seine Finanzen, die er beim Senat einreichen musste, zeigten bereits, dass er in den Jahren 2016 und 2017 1,7 Millionen Dollar an Vorschüssen und Lizenzgebühren verdiente. Sein Buch „Where do we go from here: Two years in the Resistance“, das im vergangenen Jahr erschien, war ein Bestseller. Sanders sagte der „New York Times“: „Wenn Sie einen Bestseller schreiben, können Sie auch Millionär werden.“ Bei einer Diskussionsveranstaltung des Fernsehsenders Fox News sagte Sanders: „Falls irgendjemand denkt, dass ich mich dafür entschuldigen sollte, dass ich ein Buch geschrieben habe, das sich gut verkauft, tut mir leid, das werde ich nicht tun!“

          Nach der Veröffentlichung erklärte der Präsidentschaftsbewerber: „Diese Steuerunterlagen zeigen, dass unsere Familie sehr viel Glück gehabt hat. Ich bin sehr dankbar dafür, auch weil ich in einer Familie aufgewachsen bin, die von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebte und weil ich den Stress kenne, den wirtschaftliche Unsicherheit mit sich bringt.“

          Meldenswert fand die amerikanische Presse, dass der unabhängige Senator auch immer noch ein wenig Geld von einem Auftritt mit dem Folksänger Todd Lockwood im Jahr 1987 verdient. Lockwood und der damalige Bürgermeister nahmen seinerzeit eine Version des Songs „We Shall Overcome“ auf. Sanders bekam dafür in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt etwas über 3000 Dollar Tantiemen. Aus seinen acht Jahren als Bürgermeister von Burlington in Vermont erhält er jährlich 5000 Dollar Pension. Mehrere tausend Dollar, die Sanders in den vergangenen Jahren für Auftritte bekam, wurden laut den Senats-Unterlagen vollständig gespendet, nur im Jahr 2014 behielt er rund tausend Dollar davon. Mehrere andere demokratische Kandidatinnen hatten ihre Steuerunterlagen bereits publik gemacht, so Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts, Kamala Harris aus Kalifornien und Kirsten Gillibrand aus New York. Harris und ihr Ehemann gaben Einnahmen von 1,9 Millionen Dollar für 2018 an, Warren und ihr Mann meldeten rund 850.000 Dollar.

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          Bernie Sanders hatte 2016 keine Steuerdetails veröffentlicht, nachdem er den Kampf um die demokratische Nominierung gegen Hillary Clinton verloren hatte. Nun führt er in Umfragen das Feld der Kandidaten an – vor ihm landet bislang nur Joe Biden, der ehemalige Vizepräsident von Barack Obama, der bislang nicht offiziell antritt. Sanders war dafür kritisiert worden, dass er die Veröffentlichung mehrmals aufschob und noch im Februar sagte, seine Steuererklärungen würden die Bürger „zu Tode langweilen“. Er forderte, dass auch Präsident Donald Trump nun endlich seine Steuererklärungen offen legen müsse. Bislang bemüht sich das demokratisch dominierte Abgeordnetenhaus vergeblich um die Veröffentlichung der präsidialen Steuer-Details. Trump sei der erste Präsident seit vierzig Jahren, der seine Steuererklärung nicht publiziert habe, berichtete die „New York Times“. Sprecherin Sarah Sanders sagte vor Kurzem, die Abgeordneten seien „nicht schlau genug“, um Trumps komplizierte Steuerunterlagen zu verstehen.

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