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Wahlkampf : Mehr Millionen für die Demokraten

  • -Aktualisiert am

Wahlkampf der Demokraten Bild: AFP

Im amerikanischen Wahlkampf läuft nichts ohne private Spenden. Diesmal haben die Demokraten beim Geldsammeln die Nase vorn. Doch der Enthusiasmus der Kleinspender bedeutet nicht automatisch auch einen Vorsprung bei der Wahl.

          Es ist der teuerste Kongresswahlkampf aller Zeiten: nie gaben die Kandidaten mehr Geld für Fernsehspots, Infomaterial und Freiwillige aus, die von Tür zu Tür ziehen. Im Repräsentantenhaus stehen 435 Sitze zur Wahl, im Senat 35 von 100. Zusammen haben alle Kandidaten bislang die Rekordsumme von 2,3 Milliarden Dollar eingesammelt. Und dabei hatten die Demokraten eindeutig mehr Erfolg. Demokratische Kandidaten für das Abgeordnetenhaus bekamen laut der Bundeswahlbehörde bislang 850 Millionen Dollar von Einzelpersonen und PACs (Political Action Committees), Republikaner 577 Millionen. Senatskandidaten der Demokraten sammelten rund 490 Millionen Dollar ein, verglichen mit 353 Millionen bei den Republikanern.

          Bei den Mega-Spendern und Lobbygruppen haben die Republikaner eigentlich häufig einen deutlichen Vorteil. Die größten Geldgeber der Konservativen sind die Milliardäre Miriam und Sheldon Adelson. Allein im September steuerten sie 32 Millionen Dollar zu den Kampagnen der Kandidaten im ganzen Land bei. Das Magazin „Politico” schätzt, dass die Adelsons für die Kongresswahlen bislang 88 Millionen Dollar ausgegeben haben, die „New York Times” geht von mindestens 115 Millionen aus. Das meiste steuerten sie über so genannte Super-PACs bei, die anders als Privatleute keine Spendenlimits haben. Die Republikaner sollen sich Medienberichten zufolge zunehmend auf einige wenige Mega-Spender wie die Adelsons verlassen, weil einige andere Superreiche ihre Geldspritzen zurückgefahren haben, darunter Auto-Milliardär Norman Braman. Doch auch auf dem Terrain der ganz großen Geldverteiler halten die Demokraten locker mit. Der Milliardär und ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gab einem Bericht der „Washington Post” zufolge möglicherweise mehr aus als die Adelsons: 100 Millionen Dollar hätten demokratische Kandidaten bereits von ihm bekommen. Der ehemalige Republikaner Bloomberg ließ sich kürzlich auch offiziell als Demokrat registrieren und spielt mit dem Gedanken, selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2020 anzutreten.

          Wahlkampf der Kleinspender

          Das große Geld kommt indessen nicht mehr nur von den Reichen. Vor allem die Demokraten profitieren von einer noch nie dagewesenen Welle von Kleinspenden. Insgesamt soll laut der Zeitung „USA Today” für alle demokratischen Kampagnen fast eine Milliarde Dollar an Kleinspenden zusammengekommen sein. Das ist deswegen so ungewöhnlich, weil die Demokraten nicht nur in einigen besonders spannenden Wahlkämpfen, wie etwa in Texas, mehr Geld sammeln. In den Kampagnen für das Abgeordnetenhaus haben sie nahezu flächendeckend einen Vorsprung. Laut den Wahlexperten von „Fivethirtyeight” haben 144 Demokraten, die für das Repräsentantenhaus antreten, in diesem Jahr bislang je über eine Million Dollar an Spenden von Einzelpersonen eingesammelt. Solche Summen haben demgegenüber nur 84 Republikaner erreicht. Nicht eingerechnet sind dabei jeweils eigene Mittel der Kandidaten.

          Noch deutlicher war der Unterschied bei den erfolgreichsten Geldsammlern. Während 73 Demokraten mindestens zwei Millionen Dollar Spenden bekamen, traf das nur auf 17 Republikaner zu. Die konservativen Spender verloren dabei offenbar an Enthusiasmus – im Jahr 2016 hatten noch 64 republikanische Kandidaten zwei Millionen Dollar und mehr eingesammelt. Laut „Fivethirtyeight” waren solche deutlichen Unterschiede in den vergangenen zwanzig Jahren noch nie zu beobachten. Im Durchschnitt hätten die Demokraten in den Wahlkämpfen ums Abgeordnetenhaus zwei Drittel der Spenden in ihrem Wahlkreis eingestrichen.

          Die Zahlen zeigen vor allem den Enthusiasmus der demokratischen Basis. Vielen Kandidaten gelang es in diesem Jahr, vor allem Kleinspender zu mobilisieren wie nie zuvor. Die reagieren auf Appelle per E-Mail und in den sozialen Netzwerken – durch ein paar Klicks überweisen sie dann vielleicht nur zehn Dollar, doch sie sind viele. Die Spenden sorgen dafür, dass die Partei Wahlwerbespots schalten und auch in abgelegenen Ecken Freiwillige von Haus zu Haus schicken kann. Das ist besonders dort wichtig, wo Kandidaten Amtsinhaber herausfordern und ihren Bekanntheitsgrad erst steigern müssen. „Man erkauft sich den Weg ins Amt nicht mit Geld, aber diese Summen machen Siege auch in Szenarios möglich, wo sie es zuvor nicht waren”, sagte Bob Biersack, ein Experte für Wahlkampffinanzierung, gegenüber der „New York Times”.

          Beto O'Rourke, der demokratische Herausforderer von Senator Ted Cruz in Texas, vertraute den kleinen Spendern so sehr, dass er erklärte, kein Geld von organisierten Interessenvertretern annehmen zu wollen. Seine Kampagne lehnte Beiträge von PACs (Political Action Committees) ab. Andere Kandidaten starteten ähnliche Aufrufe. Aber keiner war damit so erfolgreich wie O'Rourke. Im letzten Quartal sammelten seine Wahlkämpfer 38 Millionen Dollar ein. Der bisherige Rekord eines Senatskandidaten lag laut der „Washington Post” bei 22 Millionen innerhalb von drei Monaten. Insgesamt spendeten O'Rourkes Anhänger dem neuen Star der Demokraten bislang 62 Millionen Dollar – doppelt so viel wie Ted Cruz bekam.

          Zusammen mit der hohen Wahlbeteiligung bei den Vorwahlen könnte der Spendenvorsprung bei den Demokraten tatsächlich ein gutes Vorzeichen für die Kongresswahl am 6. November sein. Allerdings ist eine gut gefüllte Wahlkampfkasse nicht immer ein Zeichen für den Enthusiasmus der Wähler vor Ort. Auch dafür ist Beto O'Rourke ein gutes Beispiel. Er liegt in den Umfragen immer noch hinten – viele Experten schätzen seine Chancen, Cruz tatsächlich den Senatssitz abzunehmen, als gering ein. Die Begeisterung für O'Rourke reicht weit über seinen Bundesstaat hinaus – und verfälscht so vielleicht am Ende das Bild. Denn von den über 800.000 Bürgern, die dem Kandidaten im Durchschnitt knapp 50 Dollar gaben, lebt und wählt die Hälfte gar nicht in Texas.

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