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Wahlkampf in Amerika : Recht auf Lebenlassen

Diese von der imposanten Bühne und den Bildschirmen zur Schau gestellte Buntheit kontrastierte freilich mit dem Umstand, dass nur zwei Prozent der Parteitagsdelegierten Schwarze waren. Dazu gab es in der Nacht zum Mittwoch in der Halle des „Tampa Bay Times Forum“ einen Skandal, den die Partei so rasch wie möglich aus der Welt zu schaffen suchte: Zwei Teilnehmer bewarfen eine schwarze Kamerafrau des Nachrichtensenders CNN mit Nüssen und zischten sie an: „So füttern wir Tiere.“ Die beiden wurden von der Polizei aus dem Saal geführt, die Partei entzog ihnen die Akkreditierung zum Parteitag und schickte sie nach Hause.

Schweigen zum Thema Abtreibung

Es dürfte einer der ganz wenigen Zwischenfälle gewesen sein, bei dem der Parteitag der Regie von Romneys Leuten entglitt. Außer dem früheren Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum wagte es keiner, sein Bekenntnis „Pro Life“, also gegen die Abtreibung, zum Ausdruck zu bringen. Nach den unsäglichen Äußerungen des Senatskandidaten Todd Akin über „legitime Vergewaltigung“ und die angebliche Unwahrscheinlichkeit von Schwangerschaften nach Vergewaltigungen hatten Romney und sein Stab verfügt, das Thema auf dem Parteitag ruhen zu lassen. Mag im Parteiprogramm die strikte „Pro Life“-Haltung der Partei bekräftigt worden sein - in Tampa herrschte Schweigen. Auch der Streit über die Homosexuellenehe blieb ausgeklammert, und selbst in der Debatte zur Einwanderungspolitik blieb man fast vollkommen stumm. Selbst der Abschied von Ron Paul, dem Präsidentschaftskandidaten und Fackelträger des libertären und isolationistischen Flügels der Partei, ging fast geräuschlos über die Bühne. Zu Beginn des Parteitags gab es eine Demonstration von Anhängern Ron Pauls. Als Senator Rand Paul aus Kentucky, der Sohn Ron Pauls, in seiner Rede vom Mittwoch seinen Vater erwähnte, gab es rauschenden Beifall.

Die Schau der Einheit in Vielheit war perfekt: keine Flügelkämpfe, kein Weltanschauungsstreit. Nichts sollte von der Botschaft ablenken, dass die amerikanische Wirtschaft in der Krise festhängt und aus Washington immer nur die Forderung nach weiteren schuldenfinanzierten Konjunkturpaketen komme; dass die Regierung von Präsident Obama Unternehmergeist, individuelle Initiative und persönliche Verantwortung ersticke; und dass die um fünf auf jetzt 16 Billionen Dollar angewachsene Schuldenlast die nationale Sicherheit, den Wohlstand kommender Generationen und den amerikanischen Traum bedroht.

Noch am Donnerstagabend wollte Mitt Romney offiziell die Kandidatur für das Präsidentenamt annehmen und sich in einer Grundsatzrede dem Wahlvolk empfehlen. Am Abend zuvor hatte bereits sein Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan die vergangenen knapp vier Jahre unter Präsident Obama Revue passieren lassen und nichts als beißende Kritik für die gesamte Politik des Demokraten übriggehabt: von der Gesundheitsreform „Obamacare“ über das nutzlose Konjunkturpaket und die hohe Arbeitslosigkeit bis zu jenen fast 16 Billionen Dollar Schulden. „Alles, was wir haben, ist eine dahintreibende Präsidentschaft, die sich an müden Slogans und an Momenten festhält, die schon vergangen sind - wie ein Schiff, das mit dem Wind von gestern segeln will.“

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