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Wahlkampf in Amerika : Recht auf Lebenlassen

Romneys Leute waren bemüht, die Partei und die Kandidaten als Kräfte nicht nur der wirtschaftlichen Erneuerung zu zeigen, sondern auch als Kräfte des gesellschaftlichen Einschlusses. Das erste Argument ist leicht zu vertreten, denn das Land kommt nur schleppend aus der Wirtschaftskrise; Sorgen über Arbeitslosigkeit, Schuldenberg und Haushaltsloch drücken die große Mehrheit der Amerikaner. Viel schwieriger ist es, das Land und die Wähler davon zu überzeugen, dass die Republikanische Partei das große Zelt für alle sei. Seit Jahr und Tag gewinnen republikanische Kandidaten bei Präsidentenwahlen die Mehrheit unter den weißen männlichen Wählern. Aber sie tun sich schwer, eine ausreichende Zahl von Frauen sowie von Angehörigen der Minderheiten, vor allem der Schwarzen und der Latinos, von sich zu überzeugen, um über die Schwelle zum Gesamtsieg zu kommen.

Ann Romney machte mit ihrer sehr persönlichen Rede über Liebe und Frauen, die in dem laut verteiltem Manuskript nicht vorgesehenen Ausruf „Ich liebe euch, Frauen“ gipfelte, gewissermaßen den femininen Flügel stark. Eine ganze Schar von Rednern war für die Minderheiten zuständig. Dabei traf es sich gut, dass es eine erstaunlich große Schnittmenge von Rednern gab, die von der aufmüpfigen „Tea Party“ wie von Romneys zentristischen Strategen gleichermaßen für sich in Anspruch genommen werden konnten. Aus Texas kam der Senatskandidat Ted Cruz, der Sohn eines Flüchtlings aus Kuba, der sich in den innerparteilichen Vorwahlen ohne die Unterstützung der „Tea Party“ niemals gegen den Kandidaten des Parteiestablishments hätte durchsetzen können. Aus Utah wurde die Bürgermeisterin von Saratoga Springs, Mia Love, aufgeboten, die im November einen Sitz im Repräsentantenhaus erobern will. Frau Love ist die Tochter haitianischer Flüchtlinge, sie konvertierte zum Mormonentum und wird im Fall ihres wahrscheinlichen Wahlsieges die erste schwarze Republikanerin im Kongress sein.

„So füttern wir Tiere“

Die Gouverneurin des Südstaates New Mexico Susana Martinez, Tochter mexikanischer Einwanderer, sagte in ihrer Rede am Mittwochabend nicht nur den stets passenden Satz „En America todo es posible“ (Alles ist möglich in Amerika) in ihrer spanischen Muttersprache; sie wetterte vor allem abermals gegen Präsident Obamas vielleicht verhängnisvollen, weil vorgeblich gegen Kleinunternehmer gerichteten Satz „Ihr habt das nicht aufgebaut!“ und erzählte die Erfolgsgeschichte ihres Vaters, der es vom Wachmann zum Chef eines Sicherheitsdienstes mit mehr als 100 Angestellten gebracht hat. Nicht zu vergessen natürlich die frühere Außenministerin Condoleezza Rice, die in einer ergreifenden Rede in Erinnerung rief, dass sie als Kind in Birmingham in Alabama am eigenen Leib noch die Rassentrennung erlitt - und es unter George W. Bush eben doch zur ersten schwarzen Nationalen Sicherheitsberaterin und Außenministerin brachte.

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