https://www.faz.net/-gpf-9zp53

Wahlkampf in Amerika : Rassismus-Vorwurf gegen Biden

  • Aktualisiert am

Barack Obama und Joe Biden im Januar 2017 in Washington Bild: EPA

Wer als Afroamerikaner für Trump stimme, sei „nicht schwarz“, so Joe Biden. Republikaner werfen ihm Rassismus vor. Schwarze sorgt, er halte ihre Stimmen wohl für selbstverständlich.

          1 Min.

          Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden hat mit einer Äußerung über afroamerikanische Wähler eine Kontroverse ausgelöst. „Ich sag’ Ihnen was: Wenn Sie ein Problem haben, sich zu entscheiden, ob Sie für mich oder Trump sind, dann sind Sie nicht schwarz“, sagte der 77 Jahre alte Biden in der Radiosendung „The Breakfast Club“ am Freitag.

          Anhänger des amerikanischen Präsidenten Donald Trump warfen Biden daraufhin Rassismus vor. Eine Beraterin Bidens erklärte später über Twitter, die Bemerkung sei scherzhaft gewesen - da verbreitete sich aber der Hashtag „YouAintBlack“ (Sie sind nicht schwarz).

          Medienberichten zufolge bedauerte Biden seine Äußerung anschließend. Der Sender CNN berichtete, Biden habe in einer Telefonschalte mit der afroamerikanischen Handelskammer eingeräumt, dass seine Worte als hochmütig aufgefasst werden könnten. Er wisse, dass er die Stimmen von Afroamerikanern nicht für selbstverständlich halten könne. „Ich weiß, dass ich die afroamerikanischen Stimmen brauche, um die Präsidentschaftswahl zu gewinnen.“

          Hitziges Interview

          In sozialen Medien kritisierten viele Schwarze Bidens Äußerung als bevormundend. In dem teils hitzigen Interview mit dem beliebten afroamerikanischen Moderator Charlamagne Tha God, der mit bürgerlichem Namen Lenard Larry McKelvey heißt, ging es um Rassismus in den Vereinigten Staaten. Der Moderator erwiderte auf Bidens Äußerung, es beunruhige ihn, dass „die Demokraten die schwarzen Wählerstimmen für eine Selbstverständlichkeit halten“.

          Biden entgegnete, er habe durch jahrzehntelange Arbeit in schwarzen Gemeinden deren Wählerstimmen gewonnen und erhalte „überwältigende Unterstützung“ von schwarzen Prominenten und Wählern. Tatsächlich genießt der frühere Vizepräsident wegen seiner acht Jahre als Stellvertreter des damaligen Präsidenten Barack Obama hohes Ansehen bei Afroamerikanern.

          Präsidentensohn Donald Trump Jr. warf Biden bei Twitter eine „ekelhafte und entmenschlichende rassistische Mentalität“ vor. Der Senator Tim Scott, der einzige schwarze Republikaner im Senat, verwies darauf, dass 1,3 Millionen Afroamerikaner bei der Wahl 2016 für Trump gestimmt hätten.

          Biden kann bei der Präsidentenwahl am 3. November mit einer Mehrheit der Stimmen der Afroamerikaner rechnen. Für den Demokraten könnte es jedoch entscheidend sein, wie motiviert schwarze Wähler sind: Wenn sie schlicht nicht abstimmen, sondern zu Hause bleiben, dürfte ein Wahlsieg für Biden nochmals schwerer zu erreichen sein.

          Weitere Themen

          Obama ist wieder da

          FAZ Plus Artikel: Trumps Gegner : Obama ist wieder da

          Viele vermissen einen Staatsmann wie Barack Obama. Im Zuge der Unruhen gilt das umso mehr. Der frühere Präsident steht für ein anderes Amerika und teilt gegen seinen Nachfolger Donald Trump aus. Kann das gutgehen?

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende April in Berlin

          Machtkampf in der Union : Das Ende der Zerrissenheit?

          Merkel und Söder schrauben sich und ihre Parteien laut Umfragen in ungeahnte Höhen. Die Suche nach einem CDU-Vorsitzenden und einem Kanzlerkandidaten macht das immer schwerer.
          Proteste in Mailand Ende Mai

          Corona in der Lombardei : Alles, nur kein Massengrab

          Nirgendwo in Italien starben so viele an Corona wie in der Lombardei. Längst wird debattiert, wer dafür die Verantwortung trägt - der Regionalpräsident steht längst unter Polizeischutz.

          Gewalt in Atlanta : Zwischen Gebeten und Tränengas

          Die Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd sind die schwersten seit 1968. Viele Menschen sind verstört ob der rohen Gewalt – vor allem in der Stadt, in der einst Martin Luther King predigte.
          Wohin soll das Geld gehen? Jakob Blasel sagt: in die Zukunft. Zum Beispiel in die Windkraft.

          Fridays for Future : Verspielt nicht unseren Wohlstand!

          Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart. Deutschland wird Unternehmen retten müssen. Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel sagt: Da hat die junge Generation ein Wörtchen mitzureden. Sie zahle ja auch die Zeche. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.