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Wahlkampf in Amerika : Links unterm Triumphbogen

  • -Aktualisiert am

Elizabeth Warren betritt die Bühne unter dem Triumphbogen in New York. Bild: AP

Elizabeth Warren begeistert bei einem Auftritt Tausende New Yorker. Die Senatorin will für die Demokraten um das Präsidentenamt kandidieren, strenge Regeln für Lobbyisten und eine neue Vermögenssteuer.

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          Der Washington Square Park in New York ist so etwas wie der politische Marktplatz der Stadt. Hierher kommen Studenten, Streikende, Pazifisten, große Märsche genau wie predigende Einzelkämpfer. Ein symbolischer Ort – und deswegen genau richtig für eine linke Präsidentschaftsbewerberin.

          Seit dem Nachmittag hatten mehrere Tausend Menschen Schlange gestanden, um die siebzigjährige Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts zu sehen. Viele tragen Fan-Shirts oder Schilder, auf denen steht: „Ich bin ein Warren-Demokrat“ und „Warren 2020“.

          Als Elizabeth Warren schließlich auf die Bühne kommt, winkend im violetten Jackett, ist es fast dunkel und die Zuschauer drängen sich bis an die Ränder des Parks. Der Triumphbogen ist hell erleuchtet, in der Mitte haben sie eine große Nationalflagge aufgehängt, an den beiden Säulen hängen blaue Spruchbänder mit Warrens Namen.

          „Unsere Politiker haben sich verkauft“

          Die Kulisse mag staatstragend aussehen – ihre Rede ist es nicht. Die Kandidatin will heute vor allem eine Botschaft vermitteln: es könne nicht so weiter gehen wie bisher, und das liege keineswegs nur an dem aktuellen amerikanischen Präsidenten.

          „Unsere Probleme haben nicht mit Donald Trump angefangen. Wir müssen tief durchatmen und uns eingestehen, dass ein Land, das Donald Trump wählt, bereits in tiefen Schwierigkeiten steckt. Unsere Politiker haben sich schon vor langer Zeit verkauft“, ruft Warren. Die Reichsten im Land horteten nicht nur Vermögen, „für die ihr alle gearbeitet habt“, sie horteten auch die politische Macht, von der ein viel größerer Teil den Lohnabhängigen zustehe.

          Der Protest, an den Elizabeth Warren an diesem Abend erinnert, begründete die moderne Arbeiterbewegung mit. Bei einem Feuer kamen im Jahr 1911 in der Triangle Shirtwaist Textilfabrik an der Ostseite des Parks 146 Menschen ums Leben. Die meisten waren Frauen, die nach Amerika eingewandert waren. Noch heute legen New Yorker hier jedes Jahr rote Nelken auf den Gehweg.

          Um die Sicherheit der Beschäftigten hatte sich niemand gekümmert – aber nach dem Feuer standen New Yorker Arbeiterinnen auf und forderten mehr Schutz. „Damals haben sie auch gesagt, auf euch wird niemand hören“, sagt Warren. Doch die Frauen aus den Gewerkschaften hätten trotzdem einen Marsch von einer halben Million Menschen organisiert – und den Kampf für Reformen in Gang gesetzt.

          Warren liefert an diesem Abend ab, was viele von ihr erwarten: eine klare linke Antwort auf Trump – aber auch auf viele ihrer demokratischen Mitbewerber. Warrens Haupt-Schlagwort ist Korruption – wer die in Washington nicht bekämpfe, könne auch nichts an der Situation der Lohnabhängigen ändern. Zu viele Politiker würden Millionen Spenden von Unternehmen annehmen, „die über den Klimawandel lügen, über Waffengewalt lügen und über die Gesundheitsversorgung lügen“, sagt Warren und pausiert kurz für den anhaltenden Jubel.

          Die Männer und Frauen an der Macht hätten sich selbst über Jahrzehnte hinweg eingeredet, dass ohne die mächtigen Branchen-Lobbies und deren Geld in Washington nichts zu erreichen sei. Nichts weniger als ein „big structural change“, ein großer Strukurwandel, sei nötig, wiederholt Warren mehrmals.

          Unternehmen dürften nicht länger alle Entscheidungen in Washington beeinflussen. „Wir beenden das Lobbying, so wie wir es kennen“, verspricht die Kandidatin der Demokraten. Politiker will sie mit einer Sperre belegen. Einen „lifetime lobbying ban“ schlägt sie für die Spitzen der Regierung vor, wenn die aus der Politik ausscheiden.

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