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Wahlkampf gegen Obama : Romney hat noch Reserven

  • -Aktualisiert am

Scott Van Duzer ist registrierter Republikaner; dennoch will er für Barack Obama stimmen Bild: dapd

Barack Obama konnte sich im Wahlkampf bisher auf die Millionen von Kleinspendern verlassen. Doch sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney verfügt für die mediale Materialschlacht in den sogenannten „Swing States“ über größere finanzielle Reserven.

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          Scott Van Duzer hat Oberarme wie ein Gewichtheber. Dieser Tage bekam Barack Obama die Kraft des Pizzabäckers zu spüren. Der Präsident der Vereinigten Staaten stattete während einer zwei Tage langen Wahlkampftour durch Florida Van Duzer einen Besuch ab. Kaum hatte Obama dessen Pizzeria betreten, lobte der Präsident überschwänglich die kräftigen Oberarme. Daraufhin packte Van Duzer den Präsidenten. Wenige Augenblicke hielt er ihn in die Höhe. Der mächtigste Mann der Welt, emporgehoben von einem Pizzabäcker – eine symbolische Szene für Obamas Verhältnis im Wahlkampf zu den sogenannten „kleinen Leuten“.

          Bisher sammelte Barack Obamas für seine Kampagne mehr Geld als Mitt Romney. Den Finanzvorteil verdankt er vor allem den Kleinspenden, also offiziell Beträgen unter 200 Dollar. Nach den aktuellsten Zahlen der Federal Election Commission (FEC), der Aufsichtsbehörde über die Wahlkampffinanzen, sammelte der Demokrat mit seiner Kampagne „Obama For America“ rund 436 Millionen Dollar. Das sind etwa 175 Millionen Dollar mehr als sein republikanischer Herausforderer für „Romney For President“ bekam. Die Kleinspenden für Obama summierten sich auf 271 Millionen Dollar. Romney erreichte in dieser Kategorie zum Vergleich gerade mal 58 Millionen Dollar.

          Romneys Bazooka sind Super PACs

          Barack Obama aufwendige Offensive in Fernsehen, Radio und Print verschlingt seit Monaten einen großen Teil seines Wahlkampfbudgets. Seit Mai zahlte „Obama For America“ allein für Werbeplätze in den klassischen Medien knapp 172 Millionen Dollar. In die Onlinewerbung investierte sein Wahlkampfteam im selben Zeitraum zusätzlich 21 Millionen Dollar. Längst decken die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben, obwohl er im August seine Spendeneinnahmen im Vergleich zu den Vormonaten deutlich steigern konnte.

          Mitt Romney gelang es aber inzwischen, seinen Nachteil bei den Kleinspenden zu kompensieren. Denn die Präsidentschaftskandidaten finanzieren den Wahlkampf nicht nur aus Mitteln der jeweiligen Kampagne. Zusätzlich werden sie mit Geldern unterstützt, die Republikaner und Demokraten mit den sogenannten „National Committees“ erhalten. Die Republikaner sammelten auf diesem Wege bisher rund 63 Millionen Dollar mehr Spenden ein als die Demokraten. Romneys finanzieller Trumpf sind aber eigentlich die sogenannten „Super-PACs“. PAC steht für „Political Action Committee“. Erst seit Januar 2010 wurden solche Lobbygruppen vom Obersten Gericht erlaubt. Super-PACs können im Gegensatz zu den Kampagnen und den National Committees unbegrenzt Gelder sammeln. Dafür müssen sie aber organisatorisch unabhängig von den Kandidaten und den Parteien arbeiten, die sie unterstützen.

          Allein mit dem Super-PAC „Restore Our Future“ sammelte Mitt Romney bis Ende August 97 Millionen Dollar. Der Großteil des Geldes stammt von Unternehmen, die mehrere hunderttausend Dollar spendeten. Laut der Nichtregierungsorganisation „Center for Responsive Politics“, die den Einfluss von Lobbyarbeit untersucht, spendete das texanische Hausbauunternehmen „Perry Holmes“ mit acht Millionen Dollar „Restore Our Future“ am meisten.

          Etats des amerikanischen Wahlkampfes, von Januar 2011 bis Ende August 2012. Bisher liegt Barack Obama bei den Wahlkampf-Einnahmen vorn

          Als sich Romney im Mai abfällig über die 47 Prozent der Amerikaner äußerte, die ohnehin Barack Obama wählen würden, befand er sich auf einer Spendengala im Haus von Mark Leder, einem Vorstandsvorsitzenden des Investionsunternehmens Sun Capital Partnes. Leder spendete „Restore Our Future“ 225.000 Dollar.

          Mit der Hilfe des Republican National Committee und den Super-PACs hat Mitt Romney den Vorsprung Obamas verringt. Seit Mai haben die Republikaner mehr Geld als die Demokraten gesammelt. Zum Vergleich: Obamas wichtigster Super PAC namens „Priorities USA Action“ sammelte nur 28 Millionen Dollar.

          Um das auszugleichen, reagierte Obamas Kampagne mit täglichen Spendenaufrufen per E-Mail bei seinen Anhängern. In dramatischen Worten warnte Obama darin sogar vor einer Wahlniederlage: „Wenn wir deutlich weniger Geld haben, werden wir die Wahl verlieren.“ 

          Kein Vorteil wie gegen McCain

          Die per E-Mail versendete Hilferufe führten nur zum Teil zum gewünschten Erfolg: „Obama For America“ sammelte so viel Spenden im August wie in keinem anderen Monat des Wahlkampfes. Ebenso erzielte der Super PAC „Priorities USA Action“ ein Rekordergebnis. Diese Erfolge werden für die Demokraten aber dadurch getrübt, dass ihr „National Committee“ im selben Monat lediglich knapp 5 Millionen Dollar einnahm.

          Wird der Trend anhalten? Seit der Jahrtausendwende gewann der Präsidentschaftskandidat, der am meisten Spenden sammelte

          Barack Obama wird also nicht wie im Wahlkampf 2008 gegen Senator John McCain einen Vorsprung von mehreren hundert Millionen Dollar erreichen. Die Super-PACs, die erstmals in diesem Präsidentschaftswahlkampf eingesetzt wurden, haben eine gewisse finanzielle Ausgewogenheit zwischen Republikanern und Demokraten hergestellt.

          Wegen der hohen Ausgaben Obamas in den vergangenen Monaten hat aber Mitt Romney in der Endphase des Wahlkampfes mehr Reserven für Werbung in den wahlentscheidenden Bundesstaaten. Dass wird ihm aber auch nicht nutzen, sollte er sich weiterhin Eskapaden im Wochentakt leisten.

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