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Wahlen in Amerika : Vorsicht vor Trumps nützlichen Idioten

  • -Aktualisiert am

Donald Trump im Juli in Ohio Bild: dpa

Die Worte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sind Musik in den Ohren der Progressiven, denen die „amerikanische Einzigartigkeit“ zuwider ist. Ein Gastbeitrag.

          8 Min.

          In diesem seltsamsten aller Jahre gibt es vielleicht kein seltsameres Phänomen als der Aufstieg des progressiven Donald-Trump-Unterstützers.

          Es gibt zwei Spezies dieser politischen Gattung. Zur ersten gehören die radikalen Instrumentalisten, die den republikanischen Kandidaten als eine widerliche aber notwendige Zwischenstation auf dem Weg zur sozialistischen Revolution sehen. Vor zwei Monaten lieferte in „The Daily Beast“ ein Schriftsteller namens Christopher Ketcham ein links-nonkonformistisches Brandstifter-Argument für Trump: „Was wir nun in der amerikanischen Politik brauchen ist Entsetzen, Verwirrung, Uneinigkeit, Unordnung, Chaos – und Krise, mit möglicher Lösung – und eine Trump-Präsidentschaft ist der beste Garant für diesen wahren Fortschritt.“

          Obwohl er zugab, dass Donald Trump „faschistisch“ sei, forderte Walter Bragman, Autor für das amerikanische Politikmagazin „Salon“, seine linken Kameraden dazu auf, sich zumindest einzugestehen, dass „er das System bis ins Innerste erschüttern würde.“ Im März erklärte Schauspielerin Susan Sarandon dem Moderator des Senders MSNBC Chris Hayes, dass sie zögere, Hillary Clinton im Wahlkampf zu unterstützen, weil „manche Leute das Gefühl haben, dass Donald Trump die Revolution sofort bringen würde, falls er Präsident wird.“

          Indem sie rechtspopulistischen Extremismus der vorsichtigen Veränderung von Mitte-Links vorziehen, verhalten sich Amerikas neuzeitliche Revolutionäre wie die deutschen Kommunisten der Weimarer Zeit, die damals Sozialdemokraten auf Anordnung von Joseph Stalin als „soziale Faschisten“ attackierten anstatt die Nazi-Braunhemden zu bekämpfen. Den Weg zur Macht für einen echten Faschisten frei zu machen, würde „die Widersprüche des Kapitalismus betonen“, ein dialektisches leninistisches Konzept, das besagt, dass die Umstände sich erst drastisch verschlechtern müssen, ehe das Proletariat aus seinem Schlummer erwacht.

          Die Risiken sind heute in Amerika vielleicht nicht ganz so groß wie vor 80 Jahren, aber die politische Strategie ist ähnlich verantwortungslos. Diese Linken frohlocken in ihrem moralischen Narzissmus für Trump und zeigen sich in keiner Weise besorgt über die Konsequenzen ihres kindischen Verhaltens. Es sollte uns nicht überraschen, dass die meisten von ihnen weiß und aus der oberen Mittelklasse sind, genau die Menschen also, die vor den Verwüstungen eines möglichen Trump-Regimes am besten geschützt sind.

          Ist Trump Chomsky?

          Aber es ist die zweite Gruppe progressiver Trump-Fans, subtiler in ihrer Gesinnung, die noch gefährlicher ist. Sie sind die sogenannten Anti-Imperialisten, die eine tiefe Abscheu gegen die Idee einer amerikanischen Macht hegen, die sich für Gutes in der Welt einsetzt. Amerika, glauben sie, sei öfter eine Quelle des Bösen und der Unordnung als des Guten – eine voreingenommene Einstellung zu unserer globalen Rolle, die sie mit dem republikanischen Kandidaten teilen. Die meisten dieser Progressiven, anders als die oben genannten Möchtegern-Revolutionäre, unterstützen Trump nicht öffentlich. Dennoch befürworten sie das radikale Wegbrechen amerikanischer Außenpolitik, das seine Präsidentschaft verspricht.

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