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Wahlen in Amerika : Vorsicht vor Trumps nützlichen Idioten

  • -Aktualisiert am

Krugman warnt

Werden sie mit der vollen, verstörenden Last an Beweismaterial, die auf Trumps ungehörige Nähe zu einer feindlichen fremden Macht hindeutet, konfrontiert, verfallen die linken Sympathisanten des republikanischen Kandidaten auf eine alte Taktik: Sie werfen seinen Kritikern „McCarthyismus“ vor. Einst wurde dieser Vorwurf rechten Demagogen gemacht, die den Liberalen unverantwortliche Anschuldigungen doppelter Loyalität entgegenschleuderten. Heute wird er Liberalen vorgeworfen, die sehr reale Beweise dafür anführen, dass ein rechter Demagoge in der Tat mehrere widersprüchliche Loyalitäten hat. Ein Kommentar in „The Nation“ mit dem Titel „Gegen Neo-McCarthyismus“ beschuldigte die Liberalen, die falsche Erzählung einer „hinterhältigen russischen Cyberattacke“ gegen das DNC voranzutreiben, obwohl sämtliche vorhandene Beweise darauf hindeuten, dass es genau eine solche war. (Trump vorzuwerfen, die Russen gebeten zu haben, Clinton zu hacken, sei „solch völliger Schwachsinn,“ sagt Greenwald; der Kandidat habe nur „gescherzt“.)

Katrina vanden Heuvel, Redakteurin bei „The Nation“ warnte, dass die Demokraten „dabei sind, eine Kalter-Krieg-Partei zu werden“ und ermahnte ihre progressiven Kameraden, die „Orangefarbene Bedrohung nicht in eine neue Rote Angst zu verwandeln“. Eine Kolumne von Paul Krugman in der „New York Times“, die jüngst Bedenken über Trumps ideologischen Einklang mit den politischen Prioritäten Russlands äußerte, ist in den Augen der „World Socialist Web Site“ „eine Mission im Auftrag des amerikanischen Militär- und Geheimdienstkomplexes in Verteidigung von Washingtons urimperialistischer Kriegsstrategie“. Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass der verlässlich liberale „New York Times“-Kolumnist solcher Verleumdungen bezichtigt wurde.

Während des Kalten Krieges, als Moskau den moralischen (wenn auch dürftigen) Anspruch geltend machte, die Arbeiter der Welt zu unterstützen, besaßen die westlichen Progressiven zumindest eine Patina (wie dünn sie auch immer gewesen sein mag) von intellektueller Rechtfertigung für ihre Sympathie gegenüber der Sowjetunion. Heute jedoch ist Russland die Hauptstadt der globalen Gegenbewegung, ein rücksichtlos nepotistischer Staat, der die Armen ruiniert, Homosexuelle unterdrückt, sich selbst als letztes Bollwerk der traditionellen westlichen Christenheit bezeichnet und rechtsextreme und schlichtweg neofaschistische politische Kräfte verteilt über den europäischen Kontinent unterstützt. Das Putin-Regime hat nichts auch nur im entferntesten Linkes oder Progressives, gar Anti-Imperialistisches, an sich, im Gegenteil, es ist die imperialistischste Macht der Welt, die illegal Territorien von zwei souveränen Nationen besetzt und viele weitere begehrt.

Manche Progressive aber, gefangen in einem rauhen und eindimensionalen Anti-Amerikanismus, reden sich routiniert selbst ein, den russischen Gangsterstaat verteidigen zu müssen. Da sie das erbärmliche Verhalten von Reaktionären in Übersee bereits gerechtfertigt haben, ist es nur natürlich, dass sie einen hier zuhause auch bestätigen würden.

Der Autor ist amerikanischer Publizist. Er schreibt unter anderem für die amerikanischen Zeitungen „The Washington Post“ und „The Wall Street Journal“ und die israelische „Haaretz“. Der Beitrag erschien zuerst auf „The Daily Beast“.

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