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Wahlen in Amerika : Vorsicht vor Trumps nützlichen Idioten

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Obwohl er Ronald Reagans Slogan „Macht Amerika wieder großartig“ verbreitet, hat der Trump-Wahlkampf die optimistische Botschaft und Reagans begeisterte Bezeichnung Amerikas als „leuchtende Stadt auf dem Berg“ durch und durch verschmäht. 2013 hat Trump gegenüber dem Journalisten Piers Morgen einen Gastbeitrag von Wladimir Putin für die „New York Times“ als „Meisterwerk“ bezeichnet. Putin hatte auf eine Rede von Barack Obama geantwortet, in dem dieser humanitäre Hilfe für Syrien forderte, und die „Amerikanische Einzigartigkeit“ niedergemacht. „Du denkst die Bezeichnung ist in Ordnung, aber auf einmal sagst du, was, wenn du in Deutschland oder Japan oder einem von 100 verschiedenen Ländern bist? Du wirst diesen Ausdruck nicht mögen“, sagte Trump. „Er ist sehr beleidigend und Putin hat es auf den Punkt gebracht.“

Es ist nicht lange her, dass David Sanger, Journalist für die „New York Times“, Trump fragte, ob die Verbreitung von Demokratie und Freiheit eine Komponente in dessen Außenpolitik wäre. Trump drehte das Argument um und sagte: „Ich wüsste nicht, dass wir ein Recht zur Belehrung haben“. Man hätte ihn glatt mit Noam Chomsky verwechseln können. „Schau einfach mal, was mit unserem Land passiert. Wie wollen wir andere belehren, wenn Leute unsere Polizisten aus dem Hinterhalt erschießen? Wie wollen wir andere belehren, wenn du die Unruhen und den Schrecken in unserem eigenen Land siehst? ... Wir müssen uns um unser eigenes Durcheinander kümmern.“

„Trump hat Recht, wir sind mangelhafte Boten,“ schrieb Corey Robin, linksradikaler Professor für Politikwissenschaften am Brooklyn College, als Antwort auf Trumps Interview mit der „New York Times“. Als Beweise zitierte Robin eine Anhörung vor den Vereinten Nation zu amerikanischer Polizeigewalt, bei der Delegierte aus Ländern wie Pakistan, Russland, China und der Türkei „Onkel Sam“ denunzierten, Länder, die nicht gerade als Menschenrechts-Vorreiter gelten. „Unabhängig von den Ausrastern in D.C. über Trumps ‚New York Times’-Interview, denke ich, dass seine stillschweigende Ablehnung der amerikanischen Einzigartigkeit bewundernswert ist,“ schreibt „Washington Post“-Blogger Ishaan Tharoor.

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Im Verlauf der vergangenen acht Jahre haben eine Schar von republikanischen Politikern und konservativen Polemiken (mich eingeschlossen) Obama für seine Distanzierung von der Idee der amerikanischen Einzigartigkeit angegriffen. Viele dieser Konservativen haben jetzt kein Problem damit, Donald Trump zu unterstützen, der die amerikanische Einzigartigkeit auf eine Art wiederholt und explizit ablehnt, wie sie Obama nur angedeutet hatte. Zumindest kann man über Trumps linke Verehrer sagen, dass sie intellektuell konsistent sind. So wie die Rechte trunken ist von Trumps Normalisierung ehemaliger Tabu-Rhetorik zu Rasse und Immigration, so heißen die progressiven Anhänger des Kandidaten seine Normalisierung der Ablehnung von Amerikas globaler Vorherrschaft willkommen.

Sie liegen sicher nicht falsch darin, in Trump einen intellektuellen Reisekameraden zu sehen, der Amerikas Führungsrolle der Nachkriegszeit verachtet wie kein anderer Präsidentschaftskandidat der großen Parteien es je getan hat. Obwohl Trumps Aufruf „Amerika zuerst“ für seine widerliche geschichtliche Vorbelastung verurteilt wurde, verteidigte ihn ein linker Historiker, der für die „Huffington Post“ schreibt, weil die Organisation (eine Interessengruppe aus den vierziger Jahren namens „America First Committee“, die gegen den Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg war; Anm. d. Red.) fälschlicherweise schlechtgemacht werde. Ihre Nazi-freundlichen Tendenzen seien unter Ausschluss ihres gerechten Pazifismus betont worden.

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