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Wahl in Amerika : Letzte Karte „Lügenpresse“

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Volles Rohr gegen alle, die nicht für ihn sind: Donald Trump am 15. Oktober auf einer Wahlveranstaltung in New Jersey Bild: AFP

Vor seiner letzten Fernsehdebatte mit Hillary Clinton bekräftigt Donald Trump, dass die Wahl im November „manipuliert“ werde, um seine Präsidentschaft zu verhindern. Ist da etwas dran?

          Donald Trump kann über sich selbst nicht lachen, zumindest nicht, wenn es sich um die Parodie des Schauspielers Alec Baldwin handelt, die an diesem Wochenende bereits zum wiederholten Mal in der Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ zum Besten gegeben wurde. Die Sketche mit dem Trump-Double seien, so beschwert sich der echte Trump, „ein Attentat“ gewesen, und die „langweilige und unlustige Show“ müsse endlich eingestellt werden. Eine solche Reaktion wäre, selbst wenn sie für einen Mann, der Präsident werden will, reichlich dünnhäutig wirkt, nicht weiter der Rede wert, wenn Trump seine Kritik an der Fernsehsatire, in der übrigens auch seine Kontrahentin Hillary Clinton ordentlich durch den Kakao gezogen wird, nicht sofort wieder mit einem anderen Vorwurf verknüpft hätte: dem, dass „die Medien“ die amerikanische Präsidentschaftswahl „manipulieren“ würden.

          Eines kann Trump den amerikanischen Medien sicherlich nicht vorwerfen: Dass sie über seine kontroversen Anschuldigungen nicht ausgiebig berichten würden. Vor der dritten und letzten Fernsehdebatte, die am Mittwochabend Ortszeit in Las Vegas ausgetragen wird, beherrschen seine Bezichtigungen die innenpolitische Berichterstattung in den Vereinigten Staaten. Allerdings haben viele Journalisten durchaus Schwierigkeiten wiederzugeben, wen genau der 70-Jährige drei Wochen vor der Abstimmung am 8. November für die „manipulierte Wahl“ verantwortlich zu machen versucht. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Trump täglich, ja fast stündlich neue Verschwörungstheorien präsentiert. Ob „die Medien“, „die Clinton-Kampagne“, „die Leute in den Wahllokalen“, ja sogar Rivalen in den republikanischen Reihen – angeblich basteln alle zusammen an einem „großen und wunderschönen Betrug“, wie Trump es selbst ausdrückt.

          Viel Verschwörung, keine Belege

          Überzeugende Belege für eine solche Verschwörung liefert er keine. Lose Verweise der Trump-Kampagne auf eine Studie des Pew-Forschungszentrums, wonach 24 Millionen Wählerregistrierungen fehlerhaft seien, belegen zwar eine vernachlässigte Registerführung, aber keinesfalls einen Wahlbetrug. Zwar gab es bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen in der Vergangenheit immer wieder Unregelmäßigkeiten. Großangelegte Manipulationsversuche, wie es sie laut Trump auch in diesem Jahr angeblich geben soll, erwiesen sich unabhängigen Untersuchungen zufolge jedoch stets als Falschmeldungen. Mehr als wenige Einzelfälle kamen selbst in Staaten, in denen im Wahllokal keine Ausweispflicht besteht, nicht ans Licht. Eine ebenfalls vom Trump-Team verbreitete Studie, wonach bei den letzten beiden Abstimmungen viele Nicht-Staatsbürger mitgewählt haben sollen, wird von renommierten Politikwissenschaftlern wegen eines fragwürdigen Datensatzes nicht ernst genommen.

          Nicht zuletzt angesichts dieser Tatsachen ist Trumps Vorwurf, von offizieller Seite werde bei der Registrierung von Wählern oder der Auszählung der Stimmen ein koordinierter Betrug im großen Stil vorbereitet, derart dünn, dass bis auf wenige Gefolgsleute wie New Yorks früherem Bürgermeister Rudy Giuliani („Tote wählen grundsätzlich Demokraten“) kaum ein führender Republikaner die Anschuldigungen unterschreiben will. „Ich bin für die Wahlen zuständig und kann Donald Trump versichern, dass diese nicht manipuliert sein werden“, meldete sich am Montag einmal mehr Ohios republikanischer Wahlbehörden-Leiter John Husted zu Wort, selbst ein bekennender Trump-Wähler.

          Gegen solchen Furor hilft alles nichts

          Es ist nicht die einzige Stimme dieser Art, aber sie findet bei Trump offenbar kein Gehör mehr. Genauso wenig wie der berechtige Einwand, dass Präsidentschaftswahlen nicht national, sondern auf Staatsebene organisiert werden und damit, sollte es wirklich eine Verschwörung geben, Republikaner und Demokraten diese gemeinsam ausgeheckt haben müssten. Es hilft alles nichts: In sozialen Netzwerken und anderen Foren versichern sich viele aufgepeitschte Trump-Anhänger bereits gegenseitig, dass sie das Ergebnis am 8. November, sollte der Wahlsieger nicht Trump heißen, keinesfalls akzeptieren würden. Der republikanische Rechtsanwalt Chris Ashby befürchtet, dass es „Unruhen“ geben könnte. „Natürlich gibt es einen großangelegten Wahlbetrug am und vor dem Wahltag“, bekräftigt Trump unterdessen seine Vorwürfe via Twitter. „Warum“, so fragt er in einer Wortwahl, die zahlreiche Beobachter als „paranoid“ beschreiben, sei die republikanische Führung „so naiv“ und leugne, „was da vor sich geht“?.

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