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Wahl in Amerika : Wähler und Wahlmänner

Wer wird gewinnen: Obama oder Romney? Bild: dapd

In Amerika entscheidet nicht die Volkswahl über den Präsidenten, die Verfassung sieht die indirekte Wahl vor. Die Wähler wählen also Wahlmänner. Dadurch fällt das Ergebnis manchmal anders aus, als durch Umfragen erwartet.

          Nach dem Willen der Väter der Verfassung geht der Präsident der Vereinigten Staaten nicht aus einer Volkswahl hervor, sondern aus einer indirekten Wahl. Ein zwischengeschaltetes Wahlmännergremium soll danach den rohen Volkswillen sozusagen domestizieren und ungebührlichen Parteieneinfluss abwehren. Die Wähler wählen Wahlmänner, die sich auf den jeweiligen Präsidentschaftskandidaten - zum Teil juristisch verbindlich - verpflichtet haben; die politische Bezugsgröße sind dabei die Bundesstaaten: Jeder stellt so viele Wahlmänner, wie er Senatoren (jeweils zwei) und Abgeordnete in den Kongress in Washington entsendet. Damit soll grob der Zahl der Einwohner eines Bundesstaates Rechnung getragen werden. Kalifornien, der bevölkerungsreichste Staat, hat 55 Wahlmännerstimmen, Delaware hingegen nur drei. Der besonders umkämpfte Bundesstaat Ohio hat 18 Stimmen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Von zwei Ausnahmen abgesehen, erhält der Kandidat, der die meisten Wählerstimmen in einem Staat auf sich vereint, alle Wahlmännerstimmen dieses Staates. Alle Wahlmänner zusammen bilden das sogenannte Wahlmännergremium, das 538 Mitglieder hat. Diese Zahl ergibt sich aus der Zahl der Senatoren (hundert), der Abgeordneten (435) sowie der drei Wahlmänner, die der Hauptstadt-Distrikt seit einer Verfassungsänderung von 1961 hat. Zum Präsidenten gewählt ist der Kandidat, der die Mehrheit der Wahlmänner erreicht, das sind mindestens 270 Stimmen.

          Die Wahl entscheidet sich in den neun Staaten, in denen der Wahlausgang noch offen ist.

          Das Wahlmännergremium selbst tritt nie zusammen. Vielmehr kommen die Wahlmänner 41 Tage nach der Wahl in den Hauptstädten ihrer jeweiligen Bundesstaaten zusammen und geben formal ihre Stimme für den Kandidaten ab, den zu unterstützen sie versprochen haben. Zum Beginn des neuen Jahres werden die Stimmzettel in Anwesenheit beider Kammern des neugewählten Kongresses formell ausgezählt. Das Ergebnis ist natürlich schon vorher bekannt.

          Aufgrund der Besonderheit des Wahlrechts und der überragenden Bedeutung des Mehrheitsprinzips kann es vorkommen, dass ein Kandidat Präsident wird, der zwar die Mehrheit der Wahlmännerstimmen auf sich vereint, der aber nicht die Stimmenmehrheit der Wähler erhalten hat. Zuletzt war das im Jahr 2000 der Fall. Der Demokrat Al Gore hatte rund 544.000 Stimmen mehr als der Republikaner George W. Bush erhalten - aber vier Wahlmännerstimmen weniger. Fachleute halten es für möglich, dass die Wahl an diesem Dienstag abermals einen solchen Ausgang haben könnte, dass also nicht derjenige Kandidat der künftige Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, der die meisten Wählerstimmen bekommt, sondern die meisten Wahlmännerstimmen. In den letzten Umfragen lagen Barack Obama und Mitt Romney Kopf an Kopf - mit einem gar nicht so knappen Vorsprung Obamas bei den ihm zugerechneten Wahlmännerstimmen.

          Letztendlich wird die Wahl in neun Bundesstaaten entschieden

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