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White House Briefing : Wo bleibt der Respekt?

Gemeinsam auf der Bühne mit Hillary: Rapper Jay Z. und Sängerin Beyoncé in Cleveland Bild: dpa

Die Wahlkampfauftritte am letzten Wochenende vor der Wahl: Während Clinton in prominenter Gesellschaft die Bühne betritt, steht ihr Rivale Trump oft ganz allein dort oben. Noch-Präsident Obama versucht mit einer Standpauke den Wahlkampf etwas weniger wahnsinnig zu machen.

          Die Clinton-Fans in Fayetteville, North Carolina, konnten ihre Empörung am Freitag nicht zurückhalten: Noch während Barack Obama vorne auf der Bühne sprach und gerade die charakterlichen Defizite von Donald Trump sezierte, was ein langer, schmerzlicher Prozess sein kann, wedelte ein alter Mann ausgerechnet - mit einem Trump-Plakat. Die Menge buhte und schrie, und was machte der Präsident: Er versuchte die aufgebrachten Fans zu beruhigen. „Wartet mal, wartet mal, hey, hört doch mal zu“, rief Obama erfolglos, dann, energischer: „Ich habe Euch doch gesagt, Ihr sollt Euch konzentrieren, aber das macht Ihr gerade nicht.“

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Der alte Mann unterstütze doch nur friedlich seinen Kandidaten, sagte Obama dann, davor müsse man keine Angst haben. Als die Sicherheitsleute den alten Mann trotzdem aus dem Saal geleiteten, wurde Obama grundsätzlich: „Erstens hat in diesem Land jeder das Recht, seine Meinung zu sagen. Zweitens war er vielleicht ein Veteran, der für Amerika gekämpft hat, also habt Respekt vor ihm. Drittens ist er alt, und die Alten müssen wir respektieren. Und viertens: Hört auf zu buhen, sondern geht wählen.“

          Ob Obamas Standpauke einige enthusiastische Clinton-Fans vor den Kopf gestoßen hat? Möglich. Vielleicht schätzen aber auch viele seine Mahnung, ein Mindestmaß an respektvollen Umgangsformen zu wahren. Wie wir wissen, ist das in diesem wahnsinnigen Wahlkampf alles andere als selbstverständlich.

          Was war sonst noch los?

          Zurückgerudert, zum Ersten: Moderator Bret Baier vom Trump-Haussender Fox News musste sich am Freitag zur besten Sendezeit entschuldigen. Am Mittwoch hatte er als „Breaking News“ berichtet, dass Clintons privater E-Mail-Server von „mindestens fünf ausländischen Geheimdiensten“ gehackt worden sei und Clinton nach der Wahl deshalb angeklagt werde. Jetzt musste er kleinlaut eingestehen, dass er wohl doch ein wenig übertrieben hatte. Nach Rücksprache mit seinen Quellen gebe es derzeit „keine Belege“ für ein wie auch immer geartetes Statement, so Baier.

          Zurückgerudert, zum Zweiten: Wir haben sie fast schon ein bisschen vermisst, Melania Trump, die Ehegattin von „The Donald“, die ihn schon nach seinen Reality-Show-Prahlereien über Frauen mit den Worten verteidigt hatte, zu Hause sei er eigentlich ganz anders. Am Donnerstag begeisterte sie Amerika mit der Ankündigung, als First Lady das Mobbing in den sozialen Netzwerken bekämpfen zu wollen. „Warum fängt Donald Trump damit dann nicht direkt vor der eigenen Haustür an“, fragte CNN-Moderator Anderson Cooper in einem Interview folgerichtig Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway und löste damit einen heftigen Disput aus. Ihr Chef verteidige sich eben manchmal, wenn er angegriffen werde, erklärte Conway. Doch Cooper ließ nicht locker: Trumps Attacke im Vorwahlkampf auf seine parteiinterne Konkurrentin Carly Fiorina („Schau Dir dieses Gesicht an!“) sei keine Verteidigung gewesen, sondern eindeutig ein Angriff. Zu einer Einigung kamen Cooper und Conway selbstredend nicht. Und auch die Trump-Fans dürfte Coopers Rüge kaum schrecken: Was noch freie Meinungsäußerung ist und was längst jenseits der Gürtellinie, ist in diesem Wahlkampf schließlich reine Ansichtssache.

          Das wird heute wichtig:

          Am Wochenende könnte vor allem ein Urteil spannend werden, das am Freitag ein Richter in Ohio fällte: Er warnte die Trump-Kampagne und den republikanischen Politikberater Roger Stone vor jeglicher „Wählereinschüchterung“. Die Demokraten hatten in den Swing States Ohio, Pennsylvania, Nevada und Arizona Klage eingereicht, weil Trump seine Anhänger auf Veranstaltungen zur „Beobachtung“ anderer Wähler aufgerufen haben soll. Diese Art der „Bürgerwehr-Wählereinschüchterung“ verstoße gegen das Gesetz, kritisieren die Demokraten. Dieser Auffassung hat sich der Richter jetzt grundsätzlich angeschlossen. Trumps Team will gegen das Urteil in Berufung gehen. Damit ist diese umstrittenste Wahl seit Jahrzehnten um noch einen Rechtsstreit reicher.

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