https://www.faz.net/-gpf-8le7c

Wahl in Amerika : „Kandidatenwechsel führt zu Chaos“

Was passiert, sollte Hillary Clinton aus dem Präsidentschaftsrennen ausscheiden? Niemand weiß es genau. Bild: AP

Was passiert eigentlich, wenn einer der Kandidaten im Rennen um das Weiße Haus ausscheiden würde? Nach Hillary Clintons Erkrankung wird wild spekuliert. Amerika-Fachmann Christian Lammert warnt im Gespräch mit FAZ.NET vor einem solchen Fall.

          In vielen Bundesstaaten ist die Frist für die Anmeldung von Kandidaten zur Präsidentenwahl in Amerika schon abgelaufen. Was würde eigentlich geschehen, sollten Hillary Clinton oder Donald Trump aus dem Rennen um das Weiße Haus ausscheiden? Etwa aus Gesundheitsgründen. Könnte ein neuer Kandidat auf den Wahlzetteln nachgetragen werden?

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das kommt ganz auf die Einzelstaaten an und ist auch das Problem in den Vereinigten Staaten. Eigentlich könnten die Parteispitzen bis zum Zusammentreten des Wahlmännergremiums im Dezember einen neuen Kandidaten wählen. Das Problem ist, den dann auch auf die Wahlzettel zu bekommen. In Alaska ist die Frist zur Anmeldung von Kandidaten zum Beispiel schon am 1. September abgelaufen, in Colorado sechzig Tage vor der Wahl, was auch schon vorbei ist. In beiden Staaten stünde dann wohl immer noch der alte Kandidat auf den Wahlzetteln. Man müsste sich deshalb auf eine Sonderregelung einigen, die aber wahrscheinlich vor Gericht landen würde, weil die andere Partei sicher dagegen klagen wird.

          Eine andere Möglichkeit gibt es nicht?

          Doch, man könnte auf den Wahlzetteln zum Beispiel die so genannte „Write In“-Option nutzen. Dann könnten die Wähler selber einen Kandidaten – den neuen – eintragen. Aber das sind große Hürden, weil viele Amerikaner – das glaubt man gar nicht – überhaupt nicht wissen, wer zur Wahl steht und wen sie da eintragen sollen. Das wäre ein großer Nachteil für diejenige Partei, die einen Kandidaten austauschen müsste. Und je näher der Wahltag rückt, desto schwieriger wird es.

          Wie sieht ein amerikanischer Wahlzettel eigentlich aus?

          Christian Lammert lehrt Politikwissenschaft in Berlin.

          Auch das ist in den 50 Bundesstaaten ganz unterschiedlich. Was überall gleich ist, ist, dass diese Wahlzettel riesig groß sind. Meist sind es ja nicht nur die Präsidentschaftswahlen, die abgehalten werden, sondern gleichzeitig noch Senatswahlen, Wahlen zum Repräsentantenhaus oder einzelstaatliche Wahlen. Manchmal gibt es zusätzlich Referenden, und in Florida werden am 8. November beispielsweise gleichzeitig die Mitglieder des Mosquitoboards gewählt – eines Gremiums, das die Ausbreitung von Krankheiten durch Mücken überwacht. Die Wahlzettel sind also unheimlich lang und komplex. Das macht es so schwierig, die sie zu ändern. Und es ist unglaublich teuer.

          Stimmen die Wähler eigentlich für die Kandidaten oder für die Wahlmänner, die formal erst im Dezember den nächsten Präsidenten bestimmen?

          In manchen Staaten stehen die Namen der Präsidentschaftskandidaten auf den Wahlzetteln, in anderen sind nur die Namen der Wahlmänner vermerkt. Das ist nicht einheitlich geregelt. Wenn nur die Wahlmänner anzukreuzen sind, wäre eine Änderung einfacher. Das gibt aber andere Probleme. Manchmal wissen die Wähler nämlich gar nicht, wen diese Delegierten eigentlich wählen sollen. Deswegen sind immer mehr Staaten dazu übergegangen, die Namen der Kandidaten auf die Wahlzettel zu drucken.

          Steht bei den Wahlmännern wenigstens dabei, für welche Partei sie stimmen würden?

          Für die Demokraten oder für die Republikaner, genau – aber für welchen bestimmten Kandidaten, steht nicht dabei.

          In diesem Fall wäre ein Austausch eines Kandidaten doch sogar relativ leicht machbar. Man könnte sagen, der Wähler hat für den Wahlmann gestimmt und der stimmt lediglich für eine bestimmte Partei. Der Kandidat wäre egal.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

          Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.