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Wahl in Amerika : Ihre schlechte Gesundheit macht Clinton angreifbar

  • -Aktualisiert am
Die Reaktion des Clinton-Lagers auf die gesundheitlichen Probleme: Clintons  Website öffnete sich am Montag mit diesem Überleger.

Bereits zuvor hatten Kritiker der Demokratin, vor allem aus dem republikanischen Lager, immer wieder über den Gesundheitszustand der 68 Jahre alten Präsidentschaftskandidatin spekuliert. Erst vergangene Woche fragte Trump auf Twitter, warum die Medien nicht über Clintons Hustenanfälle berichten würden. Die Demokratin musste eine Rede in Cleveland im Bundesstaat Ohio vergangenen Montag unterbrechen, weil sie so stark hustete. Ihr Wahlkampfteam teilte später mit, dass es sich bei dem Husten um eine allergische Reaktion gehandelt habe. Clinton selbst versuchte während der Rede, den Anfall mit einem Witz abzutun. „Wann immer ich an Trump denke, reagiere ich allergisch“, sagte die Demokratin ins Mikrofon.

Auch der ehemalige New Yorker Bürgermeister und Trump-Unterstützer Rudy Giuliani behauptete zuletzt Ende August gegenüber Fox News, dass die Demokratin mehrere Anzeichen einer ernsten Krankheit zeige. Clinton selbst bezeichnete die Spekulationen am Montag bei einem Fernsehauftritt als „verrückte Strategie“.

Gutachten mit Hunderten Seiten

Der Gesundheitszustand der ehemaligen First Lady wurde bereits im Jahr 2012 stark in den amerikanischen Medien thematisiert. Damals musste der Demokratin, die zu dieser Zeit Außenministerin war, in Folge einer Gehirnerschütterung ein Blutgerinnsel entfernt werden. Einige Republikaner hinterfragten damals den Wahrheitsgehalt  dieser Krankengeschichte - denn aufgrund der Behandlung verpasste Clinton eine Anhörung zu dem tödlichen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Benghasi, für den sie heute noch von einigen Kritikern verantwortlich gemacht wird.

Trump hatte seine Gegnerin in der Vergangenheit wiederholt dazu aufgefordert, ihre medizinischen Informationen zu veröffentlichen. Der 70 Jahre alte Republikaner prahlt bei Wahlkampfveranstaltungen öfters mit seinem angeblich makellosen gesundheitlichen Zustand und ließ sich von seinem Arzt im Dezember attestieren, dass er, falls er die Wahl gewinnen sollte, der gesündeste Präsident aller Zeiten wäre. Auch Clintons Ärztin Bardack bestätigte im vergangenen Sommer, dass die Demokratin bei „exzellenter körperlicher Gesundheit“  und „fit für das Amt des Präsidenten“ sei. Besonders detaillierte Informationen stellten bisher allerdings weder Trump noch Clinton zur Verfügung.

Zum Vergleich: Präsident Barack Obama veröffentlichte 2008 während seines Wahlkampfes laut dem britischen „Guardian“ 276 Seiten zu seiner medizinischen Vorgeschichte. Sein damaliger Gegenkandidat, der Republikaner John McCain, veröffentlichte seinerseits mehr als tausend Seiten.

Noch hat sich Trump nicht zu Clintons Schwächeanfall geäußert. Einer Reporterin des Fernsehsenders „MSNBC“ teilte er auf Nachfrage am Sonntagmorgen mit, er wisse nichts davon. Wie Clinton war auch Trump zum Gedenktag in New York.

Beide Präsidentschaftskandidaten haben eine enge Verbindung zu New York. Clinton war während der Terroranschläge Senatorin des gleichnamigen Bundesstaates, Trump lebt und führt sein Immobilienimperium in der Großstadt. Es ist gut möglich, dass der Republikaner aus Respekt für die Hinterbliebenen am Gedenktag von der sonst so harschen Angriffsrhetorik seines Wahlkampfs abgewichen ist. Auf Facebook verfasste er am Sonntag lediglich einen längeren Beitrag zum Gedenken an die rund 3000 Opfer des 11. September, Clinton erwähnte er nicht. Doch dass das so bleibt, ist keinesfalls sicher.

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