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Wahl in Amerika : „Frust und Feindseligkeit“

  • -Aktualisiert am

Anti-Trump-Protestler und Trump-Unterstützer lieferten sich im Mai in San Diego Auseinandersetzungen. Bild: AFP

Wie vergiftet das politische Klima im amerikanischen Wahlkampf ist, hat die Politikwissenschaftlerin Daniela Hohmann selbst erlebt. Über ihre Zeit als Wahlkampfhelferin spricht sie im FAZ.NET-Interview.

          Daniela Hohmann schüttelt es bei diesem Gedanken am ganzen Körper, sagt sie: Eine Mauer an der Südgrenze der Vereinigten Staaten. Für die gebürtige Brandenburgerin, die das Leben in der DDR aus früher Kindheit selbst kennt, ist es die Schreckensvision einer Präsidentschaft Donald Trumps. Auch deshalb hat sie knapp sechs Wochen lang im umkämpften Bundesstaat North Carolina auf eigene Kosten Wahlkampf für Hillary Clinton gemacht. Die Motive der Politikwissenschaftlerin, die in ihrer Promotion zu Wahlkampfkommunikation forscht, waren freilich vielfältiger, als einen Wahlsieg des Milliardärs zu verhindern. In der Nacht zu Donnerstag wird Daniela Hohmann wieder daheim vor dem Bildschirm sitzen, um die letzte Fernsehdebatte der beiden Präsidentschaftsanwärter zu verfolgen – und bei Twitter zu kommentieren.

          Daniela Hohmann (l.) hat fast anderthalb Monate im Wahlkampfteam von Hillary Clinton mitgeholfen und dabei auch Terry van Duyn, demokratische Senatorin in North Carolina, kennengelernt.

          Frau Hohmann, häufig dachte man im Verlauf dieses Wahlkampfes, allmählich alle erdenklichen Obszönitäten, Unterstellungen und Beleidigungen gehört zu haben. Immer wieder wurde man eines Schlechteren belehrt. Wird das Niveau in der Nacht zu Donnerstag noch weiter sinken?

          Dass Donald Trump vor dem dritten Duell einen Drogentest gefordert hat, das hat mich noch mal mit dem Kopf schütteln lassen. Es wäre keine gute Entwicklung, wenn es noch unpolitischer werden sollte als im zweiten Duell. Je zynischer und negativer der Wahlkampf wird, das sehen wir in der Forschung, desto eher führt das zu einer niedrigen Wahlbeteiligung. Dieser demobilisierende Effekt kann weder das Ziel von Clinton noch von Trump sein.

          Steht nicht vielmehr zu befürchten, dass statt politischen Inhalten eher der Zynismus noch zunehmen wird?

          Es ist unrealistisch, eine komplett sachliche Debatte zu erwarten. Das liegt nicht in der Mentalität der beiden Kandidaten. Allerdings wird Clinton von Trump auch immer wieder in diese Auseinandersetzung um persönliche und private Dinge hineingetrieben.

          Wären Sie Hillary Clintons Beraterin, welchen Rat würden Sie ihr geben vor dem letzten TV-Duell?

          Ich würde ihr raten, genauso zu sein wie in der ersten Debatte. Da war sie tadellos. Die erste Frage ist wahnsinnig wichtig für sie. Das wird im Vergleich sehr deutlich: Im ersten Duell hat sie sich über die erste Frage viel Sicherheit geholt. Man konnte sehen, wie ihre Mimik, ihre Gestik nach zwanzig Minuten entspannter wurde, weil sie merkte: Das läuft für mich. Im zweiten Duell hat sie die erste Frage völlig versemmelt. Sie braucht die nötige Lockerheit und auch eine Art von Witz. Den schreibt man ihr zwar nicht zu, aber sie hatte die wenigen Lacher im ersten Duell auf ihrer Seite. Im zweiten Duell wirkte sie dagegen sehr technokratisch, ihre Sätze waren viel zu lang, sie war einfach sehr weit weg von den Wählern.

          Hinter dieser Tür verbirgt sich das demokratische Wahlkampfbüro in Asheville.

          Ist die Wahrnehmung des Wahlkampfes in der amerikanischen Öffentlichkeit eine andere als hierzulande?

          Ja. Hier kann man schon gar nicht nachvollziehen, dass Trump in Amerika überhaupt gewollt ist und eine Chance auf die Präsidentschaft hat. Das liegt beispielsweise daran, dass die Ausgänge der Debatten in den Vereinigten Staaten viel offener diskutiert werden – und damit will ich explizit nicht ausgewogener sagen. Die Berichterstattung ist viel einseitiger: Auf Fox News wird nur über Trump gesprochen, und auf CNN nur darüber, wie toll Clinton ist. Medial fehlt der gemeinsame Nenner – es gibt einfach keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern nur privates Fernsehen. Die Medienlandschaft ist polarisiert. Viele bekommen nur das zu hören, was sie hören wollen und wie sie selber ticken.

          Ein Tisch, ein Stuhl und ein Schild reichen, um die Amerikaner als Wähler zu registrieren.

          Immer wieder haben in jüngeren Wahlkämpfen deutsche Kampagnenstrategen in amerikanischen Wahlkämpfen hospitiert. Werden Bundestagswahlkämpfe dadurch immer amerikanischer?

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