https://www.faz.net/-gpf-8n044

White House Briefing : Eng und enger?

  • -Aktualisiert am

Der republikanische Kandidat Donald Trump posiert für ein Foto mit Sicherheitskräften. Bild: Reuters

Skandale über Skandale – und das Rennen um das Weiße Haus? Wird immer knapper, sagen die einen. Ist weiter so gut wie entschieden, die anderen. Wer wird Recht behalten? Und wer die Nerven?

          3 Min.

          Zum Glück gibt es Baseball! Am Mittwochabend spielten die Chicago Cubs gegen die Cleveland Indians, ein Mega-Event und die Entscheidung in der World Series der Major League in der  amerikanischen Liga. Für einen kurzen Abend konnten sich die wahlkampf-ermüdeten Amerikaner also endlich einmal mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens beschäftigen - und nicht mit dem neuesten Gossip aus dem Wahnsinn dieser Wahlsaison. Aber wie ging dieser Wahnsinn am Mittwoch eigentlich weiter? Und mit welchen Skandalen wurde auf Skandälchen geschossen? In unserer FAZ.NET-Wahl-Kolumne "White House Briefing" bringen wir sie jeden Morgen auf den Stand.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Das ist der aktuelle Stand:

          Auf die Volte folgt die Volte folgt die Volte: Noch am Montag hatte Präsident Obama den umstrittenen FBI-Direktor James Comey von seinem Sprecher verteidigen lassen, doch jetzt gerät offenbar auch der Präsident in Erklärungsnöte. Es gebe in Ermittlungsverfahren eine "Norm, dass man nicht auf der Grundlage von Unterstellungen, unvollständigen Informationen oder undichten Stellen agiert", rügte Obama am Mittwoch in einem Interview, ohne Comeys Namen zu nennen. Musste er auch nicht, jeder wusste, wer gemeint war. Sollte Comey über die Mail-Affäre stürzen, kann Obama also sagen, er habe das Ganze nicht gutgeheißen - rechtzeitige Distanzierung nennt man das. Ob sie Comey eher hilft oder ihm nur noch den Rest gibt, wird sich zeigen.

          Überhaupt wird die Nervosität bei den Demokraten spürbarer - angesichts des immer kleineren Abstands von Clinton auf Trump, aber auch durch Meldungen wie die der New York Times, dass die Afroamerikaner offenbar nicht im gleichen Maße zur Wahl gehen wie vor vier Jahren. Offenkundig alarmiert, rief Obama sie am Mittwoch dazu auf, ihre Stimmen abzugeben, damit ein Präsident Trump nicht alles zunichte mache, wofür er und seine Frau acht Jahre lang gekämpft hätten. Nach völliger Sicherheit, dass am Dienstag schon alles gut wird, klingt das nicht gerade.

          Zumindest Trumps Haussender Foxnews sieht "The Donald" durch Clintons E-Mail-Affäre denn auch schon fast im Oval Office und zitierte am Mittwoch genüsslich den früheren demokratischen Gouverneur von Pennsylvania Ed Rendell: "Ich bin auf jeden Fall nervös. Demokraten in Michigan, Wisconsin und Minnesota: Wenn Ihr gehört habt, wir hätten diese Staaten in der Tasche, dann glaubt das nicht." Ob es die Demokraten zusätzlich beunruhigen sollte, dass sich nach einem Bericht der New York Times auch die Veteranen angeblich mehr und mehr Trump zuwenden?

          Das wird heute wichtig:

          Das Hamsterrad der Wahlkampfauftritte und gegenseitigen Beschuldigungen geht auch heute weiter: In Youngstown und Cincinnati, Ohio, tritt Clintons einstiger Konkurrent Bernie Sanders auf – ein spannender Termin, weil viele Sanders-Wähler sich mit Clinton bekanntermaßen schwer tun. Clinton steht heute bei zwei Auftritten in North Carolina auf der Bühne, bei einem sogar gemeinsam mit Sanders, um Einigkeit zu demonstrieren. Präsident Obama absolviert gleich zwei Termine in Florida - und Donald Trump? Hat sogar vier Termine, in Florida, Pennsylvania und zwei Mal in North Carolina. Man sieht: Es wird ernst, alle Kraft geht jetzt in die Swing States.

          Ansonsten bleibt die spannendste Frage: War's das jetzt mit Skandalen? Oder haben die Kontrahenten noch etwas in petto? Anfang der Woche hatte es Gerüchte gegeben, es könnte noch ein neues Trump-Video auftauchen - bislang ist davon aber noch nichts zu sehen. Aber wir sind uns fast sicher: Bis Dienstag wird noch irgendetwas kommen. Und seien es neue Beleidigungen.

          Das sagen die Umfragen:

          Die Umfragen sind uneinheitlich bis verworren. In einer Umfrage der Monmouth University vom Dienstag führt Clinton in den Swing States Pennsylvania und Wisconsin noch immer vor Trump. In Pennslvania, wo sie vor einem Monat noch mit zehn Prozentpunkten vorne lag, ist ihr Vorsprung aber geschmolzen, dort führt sie demnach nur noch mit 48 zu 44 Prozent. In Wisconsin hat Clinton ihren Vorsprung nach einer Umfrage der Marquette University Law School bei rund sechs Prozentpunkten stabilisiert. Sie führt demnach mit 46 zu 40 Prozentpunkten vor Trump.

          Hier gut, dort schlecht: Auch die renommierte "Washington Post" konnte ihren Lesern am Mittwoch nur ein "sowohl als auch" bieten. So meldete sie, dass Clinton zwar weiter solide über die notwendigen 270 Wahlmänner-Stimmen verfüge, Trump aber Boden gutmache. Je nachdem, welche Staaten Trump am Dienstag für sich entscheide, könnte die sicher geglaubte Mehrheit von 270 Stimmen für Clinton schnell Geschichte sein, rechnete die Zeitung anhand von Beispielen vor - wie gesagt: je nachdem. Man muss derzeit wohl sagen: Wir wissen, dass wir nichts wissen.

          Das sollten Sie gelesen haben:

          Den Bericht in der "Washington Post", in dem analysiert wird, wie schnell die sicher geglaubte Mehrheit von 270 Wahlmännerstimmen für Clinton am Wahlabend zerbröseln könnte - lesenswert.

          Die "New York Times" analysiert in einem spannenden Stück, warum die Republikaner seit Reagan nach und nach die großen Städte in Amerika aufgegeben haben.

          Und unsere F.A.Z.-Autorin Christiane Heil beschreibt sehr lesenswert, wie ausgerechnet Ivanka Trump jetzt die Prahlereien ihres Vaters vergessen machen soll - und wundert sich, wie "The Donald" eine Tochter erziehen konnte, die das Gegenteil seiner Großspurigkeit ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die draußen gegen die drinnen: Aktivisten demonstrieren am Mittwoch vor den Türen der Messehalle in Madrid.

          Klimagipfel in Madrid : Aufbruch im Mäuseschritt

          Beim Klimagipfel in Madrid trifft Protest auf Politik, ehrgeizig wollen alle sein. Doch im Inneren der Messehalle sind selbst kleine Kompromisse mühsam – vielversprechend klingt nur der „Green Deal.“
          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.