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Wahl in Amerika : Ein Schwergewicht als „nationale Schande“

  • Aktualisiert am

Angeblich 121 Kilogramm schwer: Donald Trump (links) auf Wahlkampf-Reise Bild: AP

Kein guter Tag für Donald Trump: Colin Powell schreibt Klartext über den republikanischen Kandidaten. Und auch die Zahlen aus einem ärztlichen Attest sprechen nicht unbedingt für Clintons Gegner.

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          Von der Zwangspause seiner Rivalin Hillary Clinton hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht so profitiert wie erhofft: Während sich Clinton von ihrer Lungenentzündung erholte, stand der Immobilienmilliardär am Mittwoch zwar allein im Rampenlicht – allerdings vor allem mit Negativschlagzeilen.

          Während der New Yorker Generalstaatsanwalt Ermittlungen gegen Trumps Stiftung einleitete, nannte der frühere Außenminister Colin Powell den Präsidentschaftskandidaten – in von Hackern gestohlenen E-Mails – eine „nationale Schande“ und einen „internationalen Außenseiter“. Die von Trump angeführte Birther-Bewegung, die die amerikanische Staatsangehörigkeit von Präsident Barack Obama in Zweifel gezogen hatte, sei rassistisch. Powell bestätigte im Fernsehsender NBC die Echtheit der E-Mails, über die zunächst „Buzzfeed“ berichtet hatte.

          Laut dem Internetportal stammen Powells Äußerungen aus dem Juni und August. Demnach warf er in anderen Nachrichten Journalisten vor, Trump durch ihre Berichte aufzuwerten. „Ihr spielt sein Spiel“, schrieb der frühere Außenminister der CNN-Moderatorin Fareed Zakaria.

          Doch auch Hillary Clinton lässt Powell kein gutes Haar. „Alles was (Clinton) anfasst, macht sie mit ihrer Überheblichkeit kaputt“, schrieb Powell. Sie habe es versäumt, die Vorwürfe rechtzeitig aus der Welt zu räumen. Die Demokratin hatte in ihrer Zeit als Außenministerin vorschriftswidrig einen privaten E-Mail-Server für ihre Kommunikation benutzt. Powell nutzte in seiner Amtszeit (2001-2005) einen privaten Account. In den gehackten E-Mails pochte er darauf, dass das etwas anderes gewesen sei. Er habe Clintons Team davor gewarnt, ihn in die Affäre mit hineinzuziehen, heißt es an anderer Stelle.

          Ebenfalls am Mittwoch sind erste Details über Trumps Gesundheit öffentlich geworden. In der Aufzeichnung der „Dr. Oz Show“, legt Trump dem Fernseharzt Mehmet Oz ein Attest aus der vergangenen Woche vor. Nach Angaben von Zuschauern geht daraus unter anderem hervor, dass Trump 121 Kilo wiegt.

          Ungeachtet seines Kampfgewichts hat der republikanische Kandidat Ärger mit der Justiz. Die „Washington Post“ hatte am Wochenende berichtet, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner habe selbst seit dem Jahr 2008 kein Geld mehr in seine Stiftung gesteckt. Zudem soll Trump 20.000 Dollar, die für wohltätige Zwecke bestimmt waren, in ein fast zwei Meter großes gemaltes Porträt gesteckt haben.

          Es bestehe der Verdacht, dass die Donald J. Trump Foundation gegen die Vorschriften für Wohltätigkeitsorganisationen verstoßen habe, sagte New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman dem Fernsehsender CNN. Er sprach von möglichen „Unregelmäßigkeiten“, denen er in seiner Funktion als Aufseher von Wohltätigkeitsorganisationen in dem Bundesstaat nachgehe.

          Streit über gesetzlichen Mutterschutz

          Bei einem Wahlkampfauftritt in Pennsylvania bemühte sich Trump unterdessen um Positivschlagzeilen. An der Seite seiner Tochter Ivanka kündigte er an, einen bezahlten Mutterschutz einführen zu wollen. Nach der Geburt eines Kindes sollen Mütter seinen Plänen zufolge Anspruch auf eine sechswöchige Babypause haben und ein Mutterschutzgeld in Höhe des Arbeitslosengelds erhalten. Familien sollen Betreuungskosten zudem von der Steuer absetzen können.

          Die Vereinigten Staaten sind das einzige Industrieland, das keinen bezahlten Mutterschutz garantiert. Bislang haben Mütter nach der Geburt lediglich Anspruch auf zwölf Wochen unbezahlten Urlaub, manche Arbeitgeber bieten allerdings eine bezahlte Babypause an. In den Vereinigten Staaten ist Kinderbetreuung zudem oft sehr teuer.

          Die Demokraten kritisierten Trumps Pläne als „überholt“. Clinton tritt schon länger für einen bezahlten Mutterschaftsurlaub ein: Zwölf Wochen lang sollen Mütter oder Väter zwei Drittel ihres Gehalts erhalten. Ivanka Trump warf Clinton im Fernsehsender ABC vor, beim bezahlten Mutterschutz bisher nichts für Familien getan zu haben, obwohl sie schon „seit Jahrzehnten“ in der Politik sei.

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