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Wahl in Amerika : Clinton-Lager wirft Trump Nähe zu Putin vor

  • -Aktualisiert am

Ein Graffiti in Litauen zeigt den Bruderkuss, Variante Trump und Putin. Bild: dpa

In Philadelphia beginnt der Parteitag der Demokraten – und ausgerechnet jetzt muss sich die Partei wieder mit einer E-Mail-Affäre herumschlagen. Dahinter stecken angeblich Putin und Trump. Ein Ablenkungsmanöver?

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          Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat Vorwürfe aus Hillary Clintons Wahlkampfstab zurückgewiesen, dass Russland die Bundesgeschäftsstelle der Demokratischen Partei (DNC) ausspioniert habe, um seiner Kampagne zu helfen. Auf Twitter schrieb Trump am Montag: „Der neueste Witz ist, dass Russland die desaströsen DNC E-Mails, die nie geschrieben werden hätten dürfen (dämlich!), veröffentlicht hat, weil Putin mich mag.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Hintergrund des Streits sind mehr als 20.000, teils politisch heikle E-Mails, die seit Freitag bei Wikileaks einsehbar sind. Die Enthüllungsplattform verriet nicht, wer ihr die Dokumente zugespielt hat. Doch hatte das DNC im Juni mitgeteilt, seine Mailserver seien von russischen Hackern ausgespäht worden.

          Regierungsvertreter bestätigten diesen Befund am Montag; die Tat passe zu anderen Cyberattacken von mit der russischen Regierung verbundenen Kräften auf weichere, politische Ziele in Washington. Außer Wahlkampfstäben seien auch politiknahe Denkfabriken zunehmend gefährdet. Die Mitarbeiter der Regierung schlossen aber nicht aus, dass neben russischen Spionen auch andere Kräfte die Sicherheitslücken auf dem DNC-Mailserver ausgenutzt haben könnten. Es gebe keine Hinweise, dass auch die Republikaner ausspioniert worden seien.

          Die Spaltung der Demokraten vertieft sich

          Unter den E-Mails befinden sich einige Nachrichten, in denen die DNC-Vorsitzende Debbie Wasserman Schultz und andere DNC-Funktionäre, die im Vorwahlkampf zur Neutralität angehalten waren, offen Partei gegen den selbsterklärten Sozialisten Bernie Sanders ergriffen. Das vertiefte die Spaltung der Partei, die am Montag in Philadelphia ihren Nominierungskonvent begann.

          Wasserman Schultz kündigte deshalb ihren Rücktritt nach dem Parteitag an. Da sie trotzdem vor den Delegierten auftreten will und von der nächsten Woche an einen hohen Posten in der Clinton-Kampagne bekleiden soll, trug die Ankündigung nicht zur Befriedung bei. Bei einem kurzen Auftritt vor Delegierten aus ihrem Heimatstaat Florida wurde Wasserman Schultz am Montagmorgen selbst dann ausgebuht, als sie an die jugendlichen Opfer des Amoklaufs in Fort Myers erinnerte. Mehr als tausend Sanders-Anhänger hatten am Sonntag in Philadelphia gegen Hillary Clinton demonstriert.

          Deren Wahlkampfmanager Robby Mook machte sich am Sonntag in einem Fernsehinterview Spekulationen zu Eigen, dass der Kreml hinter der Veröffentlichung der E-Mails stecke und damit Donald Trump helfen wolle. Ungenannte Regierungsvertreter äußerten unterdessen, dass mindestens eine der Hackergruppe von Cyber-Angriffen auf nicht besonderen Geheimhaltungsstufen unterliegenden Computersystemen im Weißen Haus und im Außenministerium bekannt sei.

          Will der Kreml Trump als Präsidenten?

          Gefragt nach möglichen Motiven des Kreml, verwies Mook darauf, dass Trump soeben Amerikas Bündnistreue in Zweifel gezogen habe, als er militärischen Beistand etwa im Falle eines russischen Angriffs im Baltikum an Bedingungen knüpfte. In der vergangenen Woche hatte Trump der Zeitung „New York Times“ gesagt, dass er etwa im Falle eines Angriffs auf baltische Staaten zunächst überprüfen würde, ob die Betroffenen genug zur Verteidigung beigetragen hätten. Der Nato-Pakt sieht keine solche Einschränkung der Beistandspflicht vor.

          Trump hat mehrmals gesagt, er werde mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gut auskommen und seine „Stärke“ gerühmt. Putin hat seinerseits Trump gelobt. Trumps Kampagne erklärte die Vorwürfe für ein Ablenkungsmanöver der Demokraten, die nicht über den Inhalt der peinlichen E-Mails reden wollten.

          In einer von diesen warf ein DNC-Mitarbeiter die Frage auf, ob man dem nicht praktizierenden Juden Sanders aus seiner mangelnden Religiosität einen Strick drehen könne. In einer anderen wird Sanders’ Wahlkampfmanager als „verdammter Lügner“ bezeichnet. Trump umwirbt die Sanders-Anhänger, die Opfer des „Establishments“ geworden seien.

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