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Vereinigte Staaten : Weniger Schussverletzungen während Waffenlobby-Tagung

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Früh übt sich: Unter den Augen seiner Mutter inspiziert ein Junge auf der NRA-Jahrestagung 2015 in Nashville, Tennessee, eine Waffe Bild: AFP

Es scheint paradox: Wenn sich die amerikanische Waffenlobby NRA zu ihrer Jahrestagung trifft, sinkt die Zahl von angeschossenen Menschen, schreiben Forscher. Das bringt ein Argument von Waffen-Befürwortern ins Wanken.

          Wenn Zehntausende Waffenfans in den Vereinigten Staaten zur Jahrestagung der Waffenlobby NRA (National Rifle Association) zusammenkommen, sinkt anscheinend die Zahl der Schussverletzungen im Land. Das schließen Forscher der Harvard Medical School in Boston und der Columbia University in New York aus der Analyse von Versicherungsdaten von 2007 bis 2015. Demnach gibt es in den Vereinigten Staaten während der mehrtägigen Zusammenkünfte 20 Prozent weniger Verletzungen durch Schusswaffen als an gleichen Tagen in den jeweils drei Wochen zuvor und danach. Während der NRA-Tagungen lag die Rate der Schussverletzungen bei 1,25 pro 100.000 Menschen, sonst waren es 1,5, wie Anupam Jena und Andrew Olenski im „New England Journal of Medicine“ berichten. Der Rückgang sei wahrscheinlich auf die „kurze Zeit der Waffen-Abstinenz während solcher Versammlungen“ zurückzuführen, schreiben die Forscher – auch wenn das noch weiter untersucht werden müsse.

          Die NRA-Tagungen werden nach Angaben der Forscher von 80.000 oder noch mehr Menschen besucht. Die Zahlen belegen nach Ansicht der Autoren, dass solche Verletzungen nicht nur – wie oft behauptet – auf den Umgang ungeübter Novizen mit Waffen zurückgehen, sondern auch erfahrenen Menschen passieren. Denn Waffenbesitzer, die so interessiert an dem Thema sind, dass sie zur NRA-Tagung anreisen, können eher gut mit Waffen umgehen oder haben damit sogar beruflich zu tun – so dass derartige Unfälle bei ihnen selten sein sollten. Trotzdem sinkt der Studie zufolge die Zahl der Schussverletzungen im Land deutlich, wenn sie sich von ihren Waffen fernhalten.

          „Das scheint die These zu widerlegen, dass Verletzungen durch Waffen nur auf zu wenig Erfahrung und Training im Waffengebrauch zurückgehen“, sagt Jena. Waffen-Unterstützer – inklusive der NRA – bringen diese Behauptung im Kampf gegen striktere Gesetze immer wieder vor. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Untersuchung eine Beobachtungsstudie sei. Deshalb könne daraus keine Kausalität abgeleitet werden. Aber: „Egal, wie man zu Waffen steht, wir sollten alle anerkennen, dass eine Schusswaffe zu besitzen und zu benutzen ein Risiko bedeutet“, sagt Jena.

          Im Jahr 2014 gab es nach Angaben von amerikanischen Gesundheitsbehörden mehr als 65.000 beabsichtigte und fast 16.000 unbeabsichtigte Schusswaffen-Verletzungen in den Vereinigten Staaten. Fast 2000 davon betrafen Menschen unter 18 Jahre.

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