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Waffengesetze in Amerika : Aufstand der Teenager

  • -Aktualisiert am

Protest für schärfere Waffengesetze vor dem Weißen Haus in Washington. Bild: AP

Es sind die Jugendlichen, die nach dem Attentat von Parkland den Protest gegen die amerikanischen Waffengesetze anführen. Auch im Leben von Kindern gehören Pistolen und Gewehre zum Alltag.

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          Sie lagen auf dem Straßenpflaster vor dem Weißen Haus und bewegten sich nicht: mehrere Dutzend Teenager protestierten am Montagmorgen mit einem so genannten „Die In“ gegen die laxen Waffengesetze in Amerika. Nach der Attacke von Parkland in Florida, wo Nikolas Cruz beschuldigt wird, am vergangenen Mittwoch 17 Menschen erschossen zu haben, wollten die Schüler etwas tun. Sie kamen aus Schulen in der Hauptstadt und solidarisierten sich mit ihren Altersgenossen in Florida. Dort sind Jugendliche von der Marjory Stoneman Douglas High School dabei, ihre Trauer und Wut in politischen Protest umzusetzen. Sie nehmen Videos auf, geben Interviews und schicken Essays an Zeitungen. Viele von ihnen werfen den Politikern vor, sie im Stich gelassen zu haben.

          „Die Politiker sind daran gescheitert, Waffen aus den Schulen herauszuhalten“ schrieb der Überlebende Cameron Kasky einen Tag nach der Attacke in einem Artikel auf der Homepage des Senders CNN. „Diesmal werden wir sie zur Verantwortung ziehen. Diesmal werden wir sie unter Druck setzen, damit sie handeln. Diesmal werden wir sie dazu zwingen, mehr Energie auf den Schutz von Menschen als auf den Schutz ungeborener Föten zu verwenden.“ Beide Parteien im Kongress seien schuldig, schrieb Kasky: „Die Republikaner nehmen große Spenden von der NRA und sind so deren grausamer Agenda verpflichtet, die Demokraten haben weder die Stimmen noch die Organisation, etwas dagegen zu unternehmen.“

          Mitschüler David Hogg fragte bei CNN: „Wenn Sie es nicht schaffen, gewählt zu werden, ohne Geld von Kindermördern zu nehmen, warum treten Sie dann überhaupt an?“ Im ganzen Land sind so genannte Walk-Outs geplant: dabei wollen Schüler aus Protest den Unterricht verlassen. Ende März soll es einen „Marsch für unser Leben“ geben, im ganzen Land werden dann nicht nur Jugendliche auf die Straße gehen. Gruppen wie „Everytown for Gun Safety“ kämpfen schon lange für schärfere Gesetze – sie hoffen, dass der Protest der Teenager mehr Menschen überzeugen kann.

          Kinder wachsen mit Waffen auf

          Für viele Kinder und Jugendliche in Amerika ist es vollkommen normal, mit Waffen im Haushalt aufzuwachsen und sogar selbst damit umzugehen. Das Pew Research Center veröffentlichte im vergangenen Sommer eine Untersuchung, derzufolge 42 Prozent der erwachsenen Amerikaner in einem Haushalt mit mindestens einer Waffe leben. 72 Prozent aller befragten Männer und Frauen sagten, sie hätten schon einmal eine Pistole oder ein Gewehr abgefeuert. In Familien mit Waffen sind Jungen beim ersten Abfeuern einer Pistole oder eines Gewehrs durchschnittlich 12, Mädchen 17 Jahre alt.

          Doch immer mehr Jugendliche sehen diese Alltäglichkeit kritisch und wollen Veränderungen. Viele Erwachsene geben ihnen allerdings wenig Anlass zur Hoffnung für ihren Kampf. Grady Judd, Polizeichef von Polk County in Florida, etwa machte am Montag Schlagzeilen, indem er ankündigte, seine Abteilung wolle zukünftig Lehrer an der Waffe trainieren. An einer Universität gebe es bereits ein solches Training, weitere Schulen und Unis seien interessiert. Grady sagte, für bewaffnete Lehrer sei das Vereiteln eines Attentats „eine Sache von zwei bis fünf Minuten“ – auf kritische Fragen entgegnete er laut der Zeitung „Orlando Sentinel“: „Ok, Einstein, haben Sie eine bessere Idee?“

          Andere kamen ins Nachdenken. Der republikanische Gouverneur von Vermont, Phil Scott, hatte noch kurz nach der Tat von Parkland versichert, die sehr liberalen Waffengesetze im Staat würden erhalten bleiben. Doch eine gerade erfolgte Festnahme eines 18-jährigen, der ein Attentat an einer Schule geplant haben soll, könnte ihn umstimmen: „Wenn wir unsere Kinder in einen Bus setzen und sie zur Schule schicken, ohne für ihre Sicherheit garantieren zu können, wer sind wir?“ fragte Scott. „Ich muss offen sein und objektiv, und ich muss zumindest alles in Erwägung ziehen, was unsere Kinder schützen könnte.“

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