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Vorwahlen in Amerika : Der große Bruder als letzter Trumpf

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

In South Carolina ruft Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush seinen Bruder George W. zur Hilfe. Ob die familiäre Unterstützung des ehemaligen Präsidenten ihm langfristig hilft? Doch eine andere Wahl hat er nicht mehr.

          Die grauen Haare sind ein wenig lichter geworden, das Gesicht ist ein wenig eingefallener, aber die Sprüche sind noch immer die von einst. Bevor George W. Bush lobende Worte für seinen Bruder Jeb findet, erzählt er erstmal eine Anekdote aus seinem eigenen Wahlkampf in South Carolina vor 16 Jahren.

          Er habe damals im Jahr 2000 bei einem Diner in Greenville ein Frühstück mit Speck zu sich genommen, als ein als Schwein verkleideter Tierrechtsaktivist aus Protest einen riesigen Haufen Mist auf den Parkplatz gekippt habe. Sofort habe er geahnt, gluckst Bush sichtlich amüsiert, dass diese Aktion eine Art Vorzeichen gewesen sei.

          Auch wenn nicht wirklich klar ist, worauf er mit dieser schrägen Pointe hinaus will, ist das Gelächter im Publikum groß. Ein ehemaliger Präsident als Stimmungskanone, der seinem schwächelnden kleinen Bruder unter die Arme greift – der bunte Vorwahlkampf der Republikaner ist wieder um eine weitere Farbe reicher.

          Es ist ein ungleiches Paar, das da am Montagabend in North Charleston auf der Bühne steht: George W., ohne Krawatte und sichtlich in sich selbst ruhend, daneben sein Bruder Jeb, den grauen Schlips fest um den Hals gebunden, deutlich angespannter. Während der eine schon alles erreicht hat, droht der andere gerade alles zu verlieren.

          Jeb Bush kann Unterstützung dringend gebrauchen. Trotz seines kämpferischen Auftritts bei der bislang letzten TV-Debatte liegt er in South Carolina in den Umfragen auf einem enttäuschenden fünften Platz, hinter John Kasich, Ted Cruz, Marco Rubio sowie, mit mehr als fünfundzwanzig Prozentpunkten Abstand, Donald Trump.

          Worte wie Pfeiffen im Walde

          In den nationalen Umfragen sieht es für den ehemaligen Gouverneur von Florida nicht besser aus. Kaum zu glauben, dass er im vergangenen Jahr zwischenzeitlich noch vorne gelegen hatte. Damals aber rechnete auch noch niemand mit einer ernstgemeinten Trump-Kandidatur.  

          „Ich verstehe, dass die Amerikaner wütend und frustriert sind, aber wir brauchen im Oval Office niemanden, der diese Wut und diese Frustration entzündet und spiegelt“, so George W. Bush in Anspielung auf Trump. „Wir brauchen jemanden, der die Probleme lösen kann, die unsere Wut und Frustration hervorgerufen haben – und das ist Jeb Bush.“

          Er sei der einzige Bewerber, der es mit Trump aufnehmen könne, sagt auch Jeb, der zuletzt bereits mit seiner Mutter Barbara im Wahlkampf aufgetreten war, über sich selbst. Will er sich nicht lächerlich machen, muss er diesen Sätzen jetzt dringend Wahlergebnisse folgen lassen. Und wo, wenn nicht in South Carolina könnte diese Trendwende besser gelingen? Kaum irgendwo ist der Bush-Clan so beliebt wie dort. Sowohl Jebs Bruder George W., als auch sein Vater George erzielten in ihren jeweiligen Präsidentschaftswahlkämpfen wichtige Vorwahl-Siege in South Carolina. Jetzt werde bestimmt wieder ein starkes Bush-Ergebnis folgen, sagen Unterstützer wie South Carolinas Senator Lindsey Graham. Es sind Worte, die ein wenig nach Pfeifen im Walde klingen.

          Das große Problem für Jeb Bush sei, dass selbst wenn er am Samstag Dank der Unterstützung seiner Familie in South Carolina ein gutes Resultat erzielen sollte, die „Bush-Nostalgie“ im Rest der Vereinigten Staaten eben weit weniger stark ausgeprägt bleibe als in South Carolina, sagt Princeton-Professor Julian Zelizer in einem CNN-Kommentar. Mit der Entscheidung, seinen Nachnamen stärker in den Vordergrund zu rücken, mache sich Jeb Bush angreifbar.

          Seine Mitbewerber, so viel dürfte sicher sein, werden keine Gelegenheit auslassen, ihren Kontrahenten im weiteren Verlauf der Vorwahlen als Mann der Vergangenheit darzustellen. Donald Trump, der sich gerade täglich mit drastischen Worten an der Außenpolitik George W. Bushs abarbeitet und dem früheren Präsidenten mit Blick auf die Anschläge vom 11. September 2001 sogar anlastet, die Sicherheit des Landes gefährdet zu haben, ätzt schon jetzt munter gegen Jeb und sein überraschend wiedergefundenes Familienbewusstsein.

          Der große Bruder als letzter Trumpf

          Jeb Bush wird sich dieses Risikos bewusst sein, aber er hat wohl keine andere Wahl. Lange genug hat er vergeblich versucht, sich als umsichtigen Politiker, der in einem wichtigen Staat über Jahre hinweg wohl überlegte und verlässliche Arbeit geleistet hat, darzustellen. Nun also ruft er ausgerechnet seinen großen Bruder zur Hilfe, der sich während seiner Präsidentschaft oft rühmte, sich bei seinen Entscheidungen vor allem auf Gefühl und Eingebung zu verlassen.

          Eins ist klar: An mangelnder finanzieller Unterstützung wird Bushs Kampagne nicht scheitern. Er und seine Familie sind bestens vernetzt und haben mächtige Unterstützer. Kein anderer republikanischer Bewerber hat in diesem Jahr bisher so viel Geld in den Wahlkampf gesteckt. Bei der letzten Vorwahl in New Hampshire, so will die Huffington Post ausgerechnet haben, habe Bushs Apparat, umgerechnet auf das Wahlergebnis, 1150 Dollar pro Stimme investiert.

          Donald Trump war da mit 40 Dollar pro Stimme deutlich effektiver unterwegs. Es wäre schon absurd, wenn ausgerechnet der Protz-Milliardär aus New York zeigen würde, dass man auch mit vergleichswiese wenig Geld Präsidentschaftskandidat werden kann.

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