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Vorwahlen in Iowa : Wer wählte wen bei den Vorwahlen in Iowa

Bei Demokraten und Republikanern standen die Wähler Schlange, um sich an den Vorwahlen zu beteiligen. Bild: AFP

Trotz Schneetreibens war die Beteiligung an den Vorwahlen in Iowa sehr hoch. Bei den Demokraten profitierte davon der Außenseiter, bei den Republikanern ein Kandidat auf Parteilinie.

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          Die große Frage vor den Vorwahlen in Iowa war, wie viele der Wähler tatsächlich zu den Wahlversammlungen gehen würden, erst Recht, da in dem Bundesstaat im mittleren Westen heftiges Schneetreiben herrschte. Die Fachleute hatten für viele mögliche Zahlen die wahrscheinlichen Gewinner ausgerechnet. Während die Prognose bei den Demokraten wohl stimmte, straften die Anhänger der Republikaner sie aber Lügen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Konsens bei den Beobachtern vor den Abstimmungen war, dass bei den Demokraten Bernie Sanders von einer hohen Wahlbeteiligung profitieren würde. Obwohl noch keine endgültigen Zahlen zur Wahlbeteiligung bei den Demokraten vorliegen, scheint sich das bestätigt zu haben. Sanders liegt nach Angaben der Parteizentrale in Iowa nur 0,3 Prozent hinter Hillary Clinton. Für Sanders sprach vor allem, dass er viele junge Menschen mobilisieren konnte. Aus der Wählergruppe der unter Dreißigjährigen bekam Sanders mehr als sechs mal so viele Stimmen wie Clinton, schreibt die „Washington Post“. Clinton konnte jedoch auf die erfahreneren Wähler zählen. Fast 60 Prozent ihrer Wähler waren 50 Jahre oder älter, und aus der Altersgruppe der Wähler zwischen 50 und 64 Jahren bekam sie fast 60 Prozent der Stimmen und fast 70 Prozent der noch älteren.

          Bei den Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz bei den Republikanern den Sieg verbuchen. In seiner Rede dankte er Gott. Bilderstrecke

          Die Wähler der beiden Demokraten unterscheiden sich auch darin, was sie von einem Kandidaten erwarten. Drei Viertel derjenigen Wähler, die vor allem einen Kandidaten wollen, der im November die Präsidentenwahl gewinnt, haben sich für Clinton entschieden. Diejenigen, für die Erfahrung wichtig ist, stimmten in noch größerem Maße für Clinton, obwohl Sanders auf eine lange Karriere im Washingtoner Politikbetrieb zurückblicken kann.

          Sanders Unterstützer suchten eher einen Kümmerer, der sich um Leute ihresgleichen sorgt, so die „Washington Post“. Drei Viertel derjenigen Wähler, auf die das zutrifft, haben sich für Sanders entschieden. Von denen, die nach einem ehrlichen Kandidaten suchen, konnte er sogar vier Fünftel für sich überzeugen. Sanders konnte nicht in dem gleichen Umfang von Erstwählern profitieren wie noch 2008 Barack Obama, der damals überraschenderweise Hillary Clinton geschlagen hatte.

          Rubio fast gleichauf mit Trump

          Bei den Republikanern wiederum gab es einen neuen Wählerrekord, berichtet „Fox News“. Mehr als 180.000 Wähler gingen zu den „Caucuses“, rund 60.000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2012. Es kam allerdings nicht zu dem Ergebnis, das die Demoskopen für diesen Fall vorhergesagt hatten. Die republikanischen Strategen hatten spekuliert, dass eine niedrige Wahlbeteiligung Ted Cruz zum Sieg verhelfen würde, während eine hohe eher positiv für Donald Trump sein werde. Trotz der Rekordwahlbeteiligung hat Cruz nun mit deutlichem Vorsprung vor Trump gewonnen.

          Überraschend war ebenfalls das gute Ergebnis von Marco Rubio (23,1 Prozent), der fast den gleichen Stimmenanteil wie Trump erreichte (24,3). Möglicherweise hat der „Establishment-Kandidat“ Rubio von der hohen Wahlbeteiligung profitiert, weil Menschen zu den „Caucuses“ kamen, die ein Sieg der beiden Außenseiter Cruz und Trump verhindern wollten.

          Rubio konnte dabei vor allem von Stimmen aus den bevölkerungsreicheren Gegenden des Bundesstaats profitieren, während die Wähler aus den schwächer besiedelten Gebieten mehrheitlich Ted Cruz zuneigten, analysiert die „New York Times“. Der ultrakonservative Cruz konnte auch - wie erwartet - in sämtlichen Einkommensschichten sowie bei den evangelikalen Wählern punkten.


          So funktionieren die Vorwahlen in Amerika

          © AP

            In den Vereinigten Staaten haben die Vorwahlen für die Präsidentenwahl begonnen. Die Bewerber müssen sich den Voten der Wähler in den Bundesstaaten stellen. Doch wie funktionieren die Vorwahlen eigentlich?

            Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

            Die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird zwar erst im November stattfinden, doch schon jetzt beginnt die heiße Phase. Anders als etwa in Deutschland üblich werden die Kandidaten der jeweiligen Partei nicht von der Parteiführung oder einem Parteitag bestimmt, sondern in Vorwahlen. In jedem Bundesstaat finden sogenannte „Caucuses“ und „Primaries“ statt. Die dort gewählten Delegierten fahren dann zum jeweiligen Parteikongress. Die Demokraten veranstalten diesen vom 25. bis zum 28. Juli in Philadelphia, die Republikaner vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland. Erst dort werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt.


            Wie funktioniert ein „Caucus“?

            Ein „Caucus“ ist eine Wahlversammlung auf Bundesstaatsebene, deren Teilnehmer über die Kandidaten diskutieren und schließlich abstimmen. „Caucuses“ werden oft als besonders demokratisch gelobt, da es einen direkten Austausch der Wähler über die Kandidaten gibt. Als Nachteil wird genannt, dass die Versammlungen oft an Arbeitstagen stattfinden und lange dauern – und damit in der Regel nur solche Wähler kommen, die ohnehin politisch engagiert sind. In der Vergangenheit war die Beteiligung an den „Caucuses“ deshalb oft geringer als an den „Primaries“. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner veranstalten in diesem Jahr 17 solcher Versammlungen.

            Um in den Vereinigten Staaten wählen zu können – und auch, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können – müssen sich die Wahlberechtigten bei den Behörden ihres Bundesstaates registrieren lassen. In einigen Staaten müssen sie dabei ihre Parteipräferenz angeben, werden also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger geführt. An einem geschlossenen „Caucus“ dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei teilnehmen. An einem offenen „Caucus“ dürfen auch registrierte Wähler der jeweils anderen Partei sowie Unabhängige teilnehmen – allerdings darf jeder Wähler nur zu einem „Caucus“. Welches Prozedere angewendet wird, entscheidet die Partei des jeweiligen Bundesstaates.


            Was ist eine „Primary“?

            Die „Primaries“ sind ähnlich organisiert wie die Präsidentschaftswahlen. Jeder Bundesstaat legt ein Datum fest, an dem die Wähler in ihrem Wahllokal abstimmen können. Der Bundesstaat organisiert auch die Auszählung der Stimmen. Beide Parteien tendierten in den vergangen Jahrzehnten zu „Primaries“, da sie diese im Gegensatz zu den „Caucuses“ nicht selbst organisieren und finanzieren müssen.

            Auch bei den „Primaries“ gibt es mehrere Varianten. Bei geschlossenen „Primaries“ dürfen nur die registrierten Wähler einer Partei abstimmen. Unabhängige Wähler dürfen nicht teilnehmen. Bei halboffenen „Primaries“ können sich Unabhängige bei einer der beiden Parteien beteiligen. In einer offenen „Primary“ darf sich jeder Wähler an der Abstimmung der Partei seiner Wahl beteiligen. Welche Form genutzt wird, entscheidet der Bundesstaa.

            In diesem Jahr finden 40 „Primaries“ statt. Zusammen mit den „Caucuses“, kommt man auf 57 Wahlen, obwohl Amerika nur 50 Bundesstaaten hat. Das kommt daher, dass auch im District of Columbia abgestimmt wird, die Briefstimmen von amerikanischen Bürgern im Ausland als eigene Wahl zählen und auch die Bürger in den Überseeterritorien der Vereinigten Staaten, Amerikanisch Samoa, Guam, Nördliche Marianen, Jungferninseln und Puerto Rico, über die Kandidaten der Parteien abstimmen – obwohl sie nicht an der eigentlichen Präsidentenwahl teilnehmen dürfen.


            Nach welchem Prinzip werden die Delegiertenstimmen verteilt?

            In den Vorwahlen der Demokraten gilt das Verhältnisprinzip, ein Kandidat bekommt für den Parteikongress also die Anzahl an Delegiertenstimmen zuerkannt, die der Prozentzahl seiner Wählerstimmen entspricht. Erhält ein Kandidat 60 Prozent der Wählerstimmen, bekommt er auch 60 Prozent der Delegiertenstimmen des jeweiligen Bundesstaats. In fast allen Staaten gibt es dabei ein Hürde: Ein Kandidat bekommt nur Delegierte zugesprochen, wenn er eine bestimmte Prozentzahl – meist 15 Prozent – der Wählerstimmen erringen konnte.

            Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.


            Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

            Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

            Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

            In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.


            Was wird von den Delegierten erwartet?

            Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.


            Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

            Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.



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