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Vorwahlen in Iowa : Stammeskrieger und Klassenkämpfer

  • -Aktualisiert am

Donald Trumps Art kommt bei vielen Wählern gut an. Bild: AP

Bei den Vorwahlen in Iowa hat Donald Trump gute Chancen zu gewinnen. Er geriert sich als „Mischung aus Mussolini, Berlusconi und Perón“, wie Fachleute sagen und kann damit die Wähler für sich gewinnen.

          In Iowa trat Donald Trump am Samstag wie ein Präsident auf. Seine Anhänger warteten in einem Hangar auf dem Flughafen von Dubuque. Der Republikaner ließ seine Boeing 757 erst im Tiefflug an der Menge vorbeifliegen, bevor das Flugzeug direkt vor dem jubelnden Publikum zum Stehen kam und der Milliardär im dunklen Mantel auf die Leute zuschritt. Ein paar Stunden später veröffentlichte die Zeitung „Des Moines Register“ ihre letzte Umfrage, bevor in Iowa heute die erste Entscheidung im amerikanischen Vorwahlkampf fällt. Demnach hat Trump fünf Prozentpunkte Vorsprung vor dem Senator Ted Cruz. Fast flehentlich forderte Trump seine Anhänger auf, den knappen Vorsprung in einen echten Sieg zu verwandeln. In New Hampshire und South Carolina, wo die nächsten Vorwahlen stattfinden, ist Trump seinen Verfolgern mehr als 15 Prozentpunkte voraus. „Wenn wir nicht gewinnen, dann war alles Zeitverschwendung“, mahnte Trump.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner Trump als ihren Präsidentschaftskandidaten nominieren, liegt jetzt bei 75 Prozent“, schätzt Norman Ornstein. Niemand muss dem in Washington in allen Lagern respektierten Politologen vom konservativen „American Enterprise Institute“ erklären, dass sich die Demoskopen schon oft getäuscht haben und gerade Iowa schon für große Überraschungen gesorgt hat. Doch den vielen Fachleuten, die eine Präsidentschaft Donald Trumps für ausgeschlossen erklärten, hat der Aufstieg des Baulöwen fürs Erste die Sprache verschlagen. „Und wenn Trump erst einmal nominiert ist“, sagt Ornstein, „dann ist alles möglich.“

          Unabhängig vom Wahlausgang steht für ihn schon fest, dass die Republikanische Partei vom „Trumpismus“ befallen sei. Das sei mehr als die Anziehungskraft einer unkonventionellen Persönlichkeit, erläutert Ornstein im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Viele Konservative fühlen sich von den republikanischen Parteigrößen im Stich gelassen. Sie finden, dass die Politiker, denen sie selbst ins Amt verholfen haben, Obama nichts entgegensetzen.“ Demnach gehört auch der Höhenflug von Ted Cruz zum „Trumpismus“. Cruz hatte kürzlich im Senat seinen eigenen Fraktionschef, Mehrheitsführer Mitch McConnell, als Lügner tituliert. „Viele seiner Fraktionskollegen machen keinen Hehl aus ihrem Abscheu, ja Hass auf Cruz“, sagt Norman Ornstein. „Und das schadet ihm nicht, das hilft ihm.“

          Mehr als nur Polarisierung

          Auch Donald Trump zimmerte sich die Leiter für seinen politischen Aufstieg aus harschen Attacken gegen andere Politiker – und zwar nicht nur gegen Präsident Barack Obama oder Hillary Clinton, sondern auch gegen konservative Größen. Das begann im vorigen Sommer mit Spott für den Senator und einstigen Kriegsgefangenen John McCain („Ich mag lieber Soldaten, die sich nicht schnappen lassen!“) und gipfelte vorige Woche im Boykott der Fernsehdebatte von Fox News. Senderchef Roger Ailes hatte sich geweigert, auf Trumps Geheiß die Moderatorin Megyn Kelly auszutauschen. „Kelly und Ailes sind Ikonen der konservativen Bewegung“, sagt Ornstein.

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