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Vorwahlen in Iowa : Stammeskrieger und Klassenkämpfer

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Die Krisen-Verursacher blieben ungeschoren

Gut ein Fünftel der Amerikaner ist laut einer weiteren Pew-Studie „wütend“ auf die Politik; weitere 55 Prozent zeigten sich „frustriert“. Gut die Hälfte der Befragten gab sich überzeugt, dass „einfache Bürger“ Amerikas Probleme besser lösen könnten als das Personal in Washington. Der Ärger ist unter den Republikanern fast dreimal so groß wie unter den Demokraten.

Doch auch auf der Linken ist der Wunsch nach einem Neuanfang groß. Der erklärte Sozialist Bernie Sanders liegt in Iowa mit der früheren Außenministerin Hillary Clinton fast gleichauf. Wie Trump zieht der Senator aus Vermont vor allem weiße Amerikaner an, die über die ungleiche Verteilung der Einkommen und die große Bankenrettung böse sind. „Der Bailout war ja richtig, um eine globale Depression zu verhindern“, findet Ornstein. „Aber die beiden Parteien haben die Verursacher der Krise ungeschoren gelassen. In vielen Fällen strichen sie sogar hohe Boni ein und machen weiterhin das große Geld, während viele Leute ihre Häuser verloren oder zusehen mussten, wie deren Wert verfiel. Andere verloren ihre Arbeit. So entstand der Eindruck, dass sich die politischen Eliten nur um die Wohlhabenden scherten.“

Sanders und Trump sprechen Nichtwähler an

Der Publizist David Frum, einst Redenschreiber von Präsident George W. Bush, sieht die Republikanische Partei jetzt in einem Klassenkampf. Jahrelang habe sie nur für die Spender ein Ohr gehabt. Endgültig habe das Partei-Establishment die einfachen Leute verschreckt, als es nach der Wahlniederlage von 2012 die Losung ausgab, hispanische Amerikaner zu umgarnen. „Anstatt ihre Basis bei der Stange zu halten und um Latinos zu erweitern“, schrieb Frum in der Zeitschrift „The Atlantic“, „dezimierten die Republikaner ihre Basis, ohne etwas zu gewinnen.“

Auf den Kundgebungen von Sanders wie von Trump laufen viele Leute herum, die nie zuvor zur Wahl gegangen sind und einen bitteren Groll gegen das System hegen, in dem Spender so großen Einfluss auf die Politik nehmen können. Sanders ist nicht zuletzt unter Studenten populär, während Trumps Anhänger zum größten Teil keinen Hochschulabschluss besitzen.

Der 74 Jahre alte Sanders wird dafür geschätzt, dass er seinen Prinzipien stets treu geblieben sei. Der 69 Jahre alte Trump wird bewundert, weil er sich immer durchgeboxt habe. Unüberhörbar ist der Wunsch von Trumps Anhängern nach einem starken Mann. Nicht wenigen Trump-Unterstützern dient Wladimir Putin als Vorbild. „Trump glaubt vermutlich wirklich“, sagt Ornstein, „dass er als Präsident nur bei seiner harschen Sprache bleiben müsste, um seinen Willen zu bekommen. Doch wenn er es mit dem Kongress zu tun bekäme, von Mexiko oder Putin zu schweigen, dann würde er rasch merken, dass das ein anderer Job ist als der des Geschäftsmanns. Nur das verstehen viele Leute nicht, die sich wenig um Politik kümmern. Sie wissen nicht, wie wichtig es ist, Koalitionen zu schmieden und Bündnisse zu pflegen.“

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