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Vorwahlen in Iowa : Donald Trump auf der Jagd nach dem verlorenen Wähler

  • Aktualisiert am

I want you to vote: Donald Trump scheint jeden einzelnen Wähler zum Gang an die Urne überreden zu wollen. Bild: AFP

Donald Trump ist der Spitzenreiter der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Auch weil er Menschen anspricht, die noch nie gewählt haben. Damit setzt er auf die Strategie eines Mannes, den er eigentlich nicht leiden kann.

          Vince DiSylvester aus Missouri ist 73 Jahre alt und ist noch nie zu einer Präsidentenwahl gegangen. Donald Trump sei vielleicht der erste, der ihn an die Urne locke, sagt der Rentner. „Er ist ein Geschäftsmann. Er kennt die Wirtschaft. Er weiß, wie man die Dinge anpackt.“ Und nicht nur das: „Er nennt die Dinge beim Namen. Wem das nicht passt, der hat eben Pech.“ Auch Ted Wade aus Nevada könnte zum ersten Mal seit 1992 wieder wählen gehen und ebenfalls für Trump stimmen. „Mir reicht das Chaos bei den Republikanern und Demokraten“, sagt der 51 Jahre alte Wade. Jetzt will er sehen, ob ein „Nicht-Politiker“ es richten kann.

          Der Milliardär Trump hat seine Strategie im Vorwahlkampf auf Amerikaner wie DiSylvester und Wade ausgerichtet: auf „verlorene Wähler“. Es sind die bisherigen Nicht-Wähler, die vom scheinbar endlosen Zank zwischen Demokraten und Republikanern angewidert sind. Es sind politikverdrossene Wähler, denen ihre schlechte wirtschaftliche Lage das Gefühl gibt, sie seien den großen Parteien egal. „Mein ganzer Wahlkampf ist darauf ausgerichtet, die Zahl der Menschen zu vergrößern, die an dieser Wahl teilnehmen wollen und es dann auch tun“, schrieb Trump selbst in einem Kommentar in der Zeitung „USA Today“.

          Den Umfragen zufolge geht diese Strategie bislang auf. Erhebungen von Reuters/Ipsos zeigen, dass in diesem Jahr einer von zehn amerikanischen Wählern erstmals seine Stimmen abgeben dürfte. Die Zahlen von Juni bis Dezember deuten darauf hin, dass mehr als 27 Prozent dieser Amerikaner sich für Trump entscheiden werden. Sein derzeit wichtigster republikanischer Rivale Ted Cruz kommt dagegen auf nur etwas mehr als 3,4 Prozent dieser Wähler, Parteifreund Marco Rubio auf etwa vier Prozent.

          Die langfristigen Folgen sind unklar

          Trump ist nicht der erste amerikanische Politiker, der stark auf Nicht-Wähler setzt. Vor acht Jahren tat das kein Geringerer als der demokratische Amtsinhaber Barack Obama, der viele Amerikaner zum ersten Mal an die Urnen holte. Experten verweisen allerdings auf grundsätzliche Unterschiede bei der Umsetzung dieser Strategie: Obama habe zusätzlich ein Heer von Mitarbeitern aufgestellt, die von Tür zu Tür gegangen seien und die Menschen mobilisiert hätten. „Sie haben ganze Nachbarschaften abgegrast“, sagt Jan Leighley von der American University. Es sei unklar, ob Trumps Wahlkampf über die notwendige Infrastruktur verfüge, „um sicherzustellen, dass all die aufgepeitschten Leute am Wahltag auch zu den Urnen gehen“. Zudem habe Obama damals auf die Minderheiten in den Vereinigten Staaten zurückgreifen können.

          Trumps Wahlkampf ist dagegen auf Unzufriedene ausgerichtet, die überwiegend zur weißen Mehrheit gehören sowie älter und weniger gebildet sind als der durchschnittliche amerikanische Wähler. Welche Folgen das für Trumps langfristige Chancen hat – diese Frage beschäftigt seit Wochen die politischen Beobachter im In- und Ausland.

          Die Politikwissenschaftlerin Anna Pluta von der Rowan University sieht Anzeichen, dass Trumps Anhänger nicht nur weniger gut informiert sind, sondern auch schlicht falsch. Wer falsch informiert sei, schließe seine „Wissenslücken mit Hilfe seines bestehenden Glaubenssystems“, zitiert Pluta in dem Statistik-Wahlblog FiveThirtyEight Forschungsergebnisse. Solche Wähler stünden dann noch fester zu ihren Kandidaten. Und das deute darauf hin, dass Trumps Anhänger wohl tatsächlich zur Wahl gehen werden, erklärt die Politologin. „Man sollte nicht erwarten, dass Trumps Fans sich so bald von ihm abwenden.“


          So funktionieren die Vorwahlen in Amerika

          © AP

            In den Vereinigten Staaten haben die Vorwahlen für die Präsidentenwahl begonnen. Die Bewerber müssen sich den Voten der Wähler in den Bundesstaaten stellen. Doch wie funktionieren die Vorwahlen eigentlich?

            Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

            Die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird zwar erst im November stattfinden, doch schon jetzt beginnt die heiße Phase. Anders als etwa in Deutschland üblich werden die Kandidaten der jeweiligen Partei nicht von der Parteiführung oder einem Parteitag bestimmt, sondern in Vorwahlen. In jedem Bundesstaat finden sogenannte „Caucuses“ und „Primaries“ statt. Die dort gewählten Delegierten fahren dann zum jeweiligen Parteikongress. Die Demokraten veranstalten diesen vom 25. bis zum 28. Juli in Philadelphia, die Republikaner vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland. Erst dort werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt.


            Wie funktioniert ein „Caucus“?

            Ein „Caucus“ ist eine Wahlversammlung auf Bundesstaatsebene, deren Teilnehmer über die Kandidaten diskutieren und schließlich abstimmen. „Caucuses“ werden oft als besonders demokratisch gelobt, da es einen direkten Austausch der Wähler über die Kandidaten gibt. Als Nachteil wird genannt, dass die Versammlungen oft an Arbeitstagen stattfinden und lange dauern – und damit in der Regel nur solche Wähler kommen, die ohnehin politisch engagiert sind. In der Vergangenheit war die Beteiligung an den „Caucuses“ deshalb oft geringer als an den „Primaries“. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner veranstalten in diesem Jahr 17 solcher Versammlungen.

            Um in den Vereinigten Staaten wählen zu können – und auch, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können – müssen sich die Wahlberechtigten bei den Behörden ihres Bundesstaates registrieren lassen. In einigen Staaten müssen sie dabei ihre Parteipräferenz angeben, werden also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger geführt. An einem geschlossenen „Caucus“ dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei teilnehmen. An einem offenen „Caucus“ dürfen auch registrierte Wähler der jeweils anderen Partei sowie Unabhängige teilnehmen – allerdings darf jeder Wähler nur zu einem „Caucus“. Welches Prozedere angewendet wird, entscheidet die Partei des jeweiligen Bundesstaates.


            Was ist eine „Primary“?

            Die „Primaries“ sind ähnlich organisiert wie die Präsidentschaftswahlen. Jeder Bundesstaat legt ein Datum fest, an dem die Wähler in ihrem Wahllokal abstimmen können. Der Bundesstaat organisiert auch die Auszählung der Stimmen. Beide Parteien tendierten in den vergangen Jahrzehnten zu „Primaries“, da sie diese im Gegensatz zu den „Caucuses“ nicht selbst organisieren und finanzieren müssen.

            Auch bei den „Primaries“ gibt es mehrere Varianten. Bei geschlossenen „Primaries“ dürfen nur die registrierten Wähler einer Partei abstimmen. Unabhängige Wähler dürfen nicht teilnehmen. Bei halboffenen „Primaries“ können sich Unabhängige bei einer der beiden Parteien beteiligen. In einer offenen „Primary“ darf sich jeder Wähler an der Abstimmung der Partei seiner Wahl beteiligen. Welche Form genutzt wird, entscheidet der Bundesstaa.

            In diesem Jahr finden 40 „Primaries“ statt. Zusammen mit den „Caucuses“, kommt man auf 57 Wahlen, obwohl Amerika nur 50 Bundesstaaten hat. Das kommt daher, dass auch im District of Columbia abgestimmt wird, die Briefstimmen von amerikanischen Bürgern im Ausland als eigene Wahl zählen und auch die Bürger in den Überseeterritorien der Vereinigten Staaten, Amerikanisch Samoa, Guam, Nördliche Marianen, Jungferninseln und Puerto Rico, über die Kandidaten der Parteien abstimmen – obwohl sie nicht an der eigentlichen Präsidentenwahl teilnehmen dürfen.


            Nach welchem Prinzip werden die Delegiertenstimmen verteilt?

            In den Vorwahlen der Demokraten gilt das Verhältnisprinzip, ein Kandidat bekommt für den Parteikongress also die Anzahl an Delegiertenstimmen zuerkannt, die der Prozentzahl seiner Wählerstimmen entspricht. Erhält ein Kandidat 60 Prozent der Wählerstimmen, bekommt er auch 60 Prozent der Delegiertenstimmen des jeweiligen Bundesstaats. In fast allen Staaten gibt es dabei ein Hürde: Ein Kandidat bekommt nur Delegierte zugesprochen, wenn er eine bestimmte Prozentzahl – meist 15 Prozent – der Wählerstimmen erringen konnte.

            Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.


            Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

            Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

            Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

            In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.


            Was wird von den Delegierten erwartet?

            Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.


            Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

            Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.



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