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Vorwahlen in Amerika : Trump zwischen zwei Siegern

  • -Aktualisiert am

Donald Trump spricht nach den Vorwahlen in Iowa zu seinen Anhängern. Bild: dpa

Der zweite Platz bei der Republikaner-Vorwahl in Iowa ist eine Niederlage für den Baulöwen Trump. Ted Cruz hat klar gewonnen. Mindestens so sehr freut sich Marco Rubio über sein starkes Abschneiden. Bei den Demokraten ist alles offen.

          Bisher hat Donald Trump noch in jeder Wahlkampfrede seine Lieblingssätze über die Lage des Landes in die Hallen gerufen: „Wir verlieren überall, wir gewinnen nicht mehr!“ Am Montagabend verzichtet er lieber darauf – denn diesmal hat Trump selbst verloren. Der Senator Ted Cruz hat ihn bei der ersten Vorwahl in Iowa auf Platz zwei verwiesen. Nach traditioneller republikanischer Arithmetik sind die 24 Prozent für Trump zwar trotzdem sensationell: Dass es ein zum dritten Mal verheirateter New Yorker, der zumindest früher klar für das Recht auf Abtreibungen eintrat, gegen die Konkurrenz etlicher streng religiöser Mitbewerber in Iowa so weit bringen könnte, wurde vor wenigen Monaten noch weithin ausgeschlossen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Trump spricht denn auch zuversichtlich davon, dass er nächste Woche die Vorwahlen in New Hampshire und dann in South Carolina gewinnen werde. Trotzdem fällt sein kurzer Auftritt auf der schwach besuchten Wahlparty für seine Verhältnisse geradezu demütig und staatstragend aus. Trump dankt seinen Helfern, gratuliert „meinem Freund Ted“ und preist die Bürger von Iowa. „Vielleicht komme ich wieder und kaufe mir eine Farm hier“, ruft er noch, bevor er die Bühne nach wenigen Minuten wieder verlässt. Trump hatte die Latte selbst so hoch gelegt, dass er den zweiten Rang nicht zum Sieg erklären konnte.

          Bei den Vorwahlen in Iowa konnte Ted Cruz bei den Republikanern den Sieg verbuchen. In seiner Rede dankte er Gott. Bilderstrecke

          Ganz anders Marco Rubio, der wie erwartet auf dem dritten Platz landete, aber mit einem erheblich besseren Ergebnis als die Demoskopen prognostiziert haben: Der Senator aus Florida erhielt 23 Prozent – fünf Punkte weniger als Cruz, aber fast so viel wie Trump. Rubio hielt denn auch eine waschechte Siegesrede. Ihn könnte das Ergebnis tatsächlich am weitesten tragen, denn er hat damit seinen Anspruch zementiert, als einziger sogenannter Establishment-Kandidat Cruz und Trump Paroli zu bieten.

          Jeb Bush sowie die Gouverneure Chris Christie und John Kasich waren jeweils nur auf zwei Prozent gekommen. Cruz darf derweil weiter hoffen, dass er als eine Art seriöse Alternative zu Trump zum Zuge kommen kann. Doch die nächste Etappe im liberaleren Neuengland-Staat New Hampshire dürfte für den Evangelikalen schwieriger werden als Iowa. Zählt man zu den Stimmen von Cruz und Trump noch die hinzu, die auf den schwarzen Arzt Ben Carson, den rechtslibertären Rand Paul und ein paar weitere Außenseiter-Kandidaten entfielen, so hat das Wut-Lager bei den Republikanern eine satte Zweidrittelmehrheit erhalten.

          Und auch bei den Demokraten hält die Hälfte der Wähler wenig von einem Weiter-so, für das vielen Linken Hillary Clinton bürgen würde. Für die frühere Außenministerin ist es ein herber Schlag, dass Bernie Sanders mit ihr gleichziehen konnte, nach Angaben der Partei in dem Bundesstaat hat sie nur einen Vorsprung von 49,9 zu 49,6 Prozent. Der 74 Jahre alte Senator aus Vermont hat auch im ländlichen Iowa eine begeisterte Anhängerschaft gefunden. Sehr viele Studenten und andere junge Leute jubeln ihm zu, wenn er die „Milliardärsklasse“ attackiert.

          Clinton hatte 2008 in Iowa unerwartet gegen Barack Obama verloren. Diesmal sollte das nicht passieren. Generalstabsmäßig hatten ihre Leute sich seit mehr als einem Jahr auf den Wahlabend vorbereitet. Dass sie in Bernie Sanders jetzt so einen starken Gegner habe, rief eine demonstrativ gutgelaunte Hillary Clinton am Montagabend in Des Moines, „das finde ich sehr aufregend!“


          So funktionieren die Vorwahlen in Amerika

          © AP

            In den Vereinigten Staaten haben die Vorwahlen für die Präsidentenwahl begonnen. Die Bewerber müssen sich den Voten der Wähler in den Bundesstaaten stellen. Doch wie funktionieren die Vorwahlen eigentlich?

            Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

            Die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird zwar erst im November stattfinden, doch schon jetzt beginnt die heiße Phase. Anders als etwa in Deutschland üblich werden die Kandidaten der jeweiligen Partei nicht von der Parteiführung oder einem Parteitag bestimmt, sondern in Vorwahlen. In jedem Bundesstaat finden sogenannte „Caucuses“ und „Primaries“ statt. Die dort gewählten Delegierten fahren dann zum jeweiligen Parteikongress. Die Demokraten veranstalten diesen vom 25. bis zum 28. Juli in Philadelphia, die Republikaner vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland. Erst dort werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt.


            Wie funktioniert ein „Caucus“?

            Ein „Caucus“ ist eine Wahlversammlung auf Bundesstaatsebene, deren Teilnehmer über die Kandidaten diskutieren und schließlich abstimmen. „Caucuses“ werden oft als besonders demokratisch gelobt, da es einen direkten Austausch der Wähler über die Kandidaten gibt. Als Nachteil wird genannt, dass die Versammlungen oft an Arbeitstagen stattfinden und lange dauern – und damit in der Regel nur solche Wähler kommen, die ohnehin politisch engagiert sind. In der Vergangenheit war die Beteiligung an den „Caucuses“ deshalb oft geringer als an den „Primaries“. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner veranstalten in diesem Jahr 17 solcher Versammlungen.

            Um in den Vereinigten Staaten wählen zu können – und auch, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können – müssen sich die Wahlberechtigten bei den Behörden ihres Bundesstaates registrieren lassen. In einigen Staaten müssen sie dabei ihre Parteipräferenz angeben, werden also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger geführt. An einem geschlossenen „Caucus“ dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei teilnehmen. An einem offenen „Caucus“ dürfen auch registrierte Wähler der jeweils anderen Partei sowie Unabhängige teilnehmen – allerdings darf jeder Wähler nur zu einem „Caucus“. Welches Prozedere angewendet wird, entscheidet die Partei des jeweiligen Bundesstaates.


            Was ist eine „Primary“?

            Die „Primaries“ sind ähnlich organisiert wie die Präsidentschaftswahlen. Jeder Bundesstaat legt ein Datum fest, an dem die Wähler in ihrem Wahllokal abstimmen können. Der Bundesstaat organisiert auch die Auszählung der Stimmen. Beide Parteien tendierten in den vergangen Jahrzehnten zu „Primaries“, da sie diese im Gegensatz zu den „Caucuses“ nicht selbst organisieren und finanzieren müssen.

            Auch bei den „Primaries“ gibt es mehrere Varianten. Bei geschlossenen „Primaries“ dürfen nur die registrierten Wähler einer Partei abstimmen. Unabhängige Wähler dürfen nicht teilnehmen. Bei halboffenen „Primaries“ können sich Unabhängige bei einer der beiden Parteien beteiligen. In einer offenen „Primary“ darf sich jeder Wähler an der Abstimmung der Partei seiner Wahl beteiligen. Welche Form genutzt wird, entscheidet der Bundesstaa.

            In diesem Jahr finden 40 „Primaries“ statt. Zusammen mit den „Caucuses“, kommt man auf 57 Wahlen, obwohl Amerika nur 50 Bundesstaaten hat. Das kommt daher, dass auch im District of Columbia abgestimmt wird, die Briefstimmen von amerikanischen Bürgern im Ausland als eigene Wahl zählen und auch die Bürger in den Überseeterritorien der Vereinigten Staaten, Amerikanisch Samoa, Guam, Nördliche Marianen, Jungferninseln und Puerto Rico, über die Kandidaten der Parteien abstimmen – obwohl sie nicht an der eigentlichen Präsidentenwahl teilnehmen dürfen.


            Nach welchem Prinzip werden die Delegiertenstimmen verteilt?

            In den Vorwahlen der Demokraten gilt das Verhältnisprinzip, ein Kandidat bekommt für den Parteikongress also die Anzahl an Delegiertenstimmen zuerkannt, die der Prozentzahl seiner Wählerstimmen entspricht. Erhält ein Kandidat 60 Prozent der Wählerstimmen, bekommt er auch 60 Prozent der Delegiertenstimmen des jeweiligen Bundesstaats. In fast allen Staaten gibt es dabei ein Hürde: Ein Kandidat bekommt nur Delegierte zugesprochen, wenn er eine bestimmte Prozentzahl – meist 15 Prozent – der Wählerstimmen erringen konnte.

            Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.


            Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

            Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

            Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

            In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.


            Was wird von den Delegierten erwartet?

            Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.


            Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

            Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.



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