https://www.faz.net/-gpf-6x12d

Vorwahlen in Amerika : Republikanischer Bürgerkrieg

Gemeinsam für Amerika: Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur zwischen Mitt Romney und Newt Gingrich (v.l.) dürfte hart werden Bild: AFP

Nach Newt Gingrichs Sieg in South Carolina ist die Kandidatenfrage bei den Republikanern wieder offen. Mit Gingrich, gegen den George W. Bush wie ein Mann der Mitte wirkt, steht Mitt Romney ein starker Gegner bevor - und der Partei bürgerkriegsähnliche Zustände.

          Wenn Vorwahlen im Bundesstaat Süd-Carolina tatsächlich die Bedeutung haben, die ihnen mittlerweile zugeschrieben wird, dann ist der Ausgang der diesjährigen Vorentscheidung ein Desaster für die Parteiführung der Republikaner. Nicht ihr Favorit Mitt Romney trug den Sieg in diesem sozialkonservativen Staat davon, sondern der frühere Präsident des Repräsentantenhauses und Gegenspieler Clintons, der schillernde Newt Gingrich. Wenn also Süd-Carolina auch in diesem Wahljahr seinem Ruf als „Königsmacher“ gerecht wird - seit Reagan 1980 wurde derjenige später Präsidentschaftskandidat der Partei, der hier gewann -, dann wird der Hauptkampf brutal und ideologisch extrem intensiv werden. Und der um seine Wiederwahl kämpfende Amtsinhaber, Präsident Obama, wird seine Chancen wieder steigen sehen.

          Gingrichs spektakulärer Erfolg hat viel mit seinem aggressiven Stil zu tun, seiner Herkunft aus der politisch-kulturell verwandten südstaatlichen Nachbarschaft und einem ökonomischen Populismus, der auch bei Teilen der republikanischen Basis verfängt. Dieser Populismus in schwierigen Zeiten ist Romneys Achillesferse. Nicht jeder findet es in einem Jahr, in dem soziale Gerechtigkeit und Einkommensverteilung das politische Vokabular der amerikanischen Alltagswelt erreicht haben, auf Anhieb plausibel und „gerecht“, dass für den Multimillionär Romney nur ein Steuersatz von 15 Prozent gelten soll.

          Romney ist nicht der gefeierte Held

          Ganz offenkundig fand der Vorwurf ein lebhaftes Echo, dass er als Investmentmanager Arbeitsplätze „vernichtet“ hat. Und wie viel davon auch richtig, Karikatur oder einfach Dämonisierung ist: Es wirkt. Die demokratischen Wahlkampfmanager, die auch ihren Kandidaten mit einer ebenso mobilisierenden wie überzeugenden Botschaft versorgen müssen - die vom Wandel kann es ja nicht mehr sein -, werden sich daran noch erinnern, nicht zuletzt deshalb, weil Obama die mit der Wirtschaftslage unzufriedenen Wechselwähler zu verlieren droht.

          Selbst wenn Romney das Gesetz der Serie zu guter Letzt doch bezwingen sollte, zeigt die erste Südstaaten-Vorwahl doch, dass der frühere Gouverneur von Massachusetts alles andere ist als der gefeierte Held, den die Partei voller Begeisterung gegen Obama in den Kampf schickt. Die konservative, populistische Basis, die auf Konfrontation (gegen „Washington“) und auf Krawall (gegen den „radikalen“ Obama) aus ist, kann sich nicht mit Romney anfreunden.

          Gegen Gingrich wirkt Bush wie ein Mann der Mitte

          Die Republikaner sind gespalten, und jede Vorwahl verstärkt diese Spaltung. Das mindert ihre Aussichten gegen einen Präsidenten, der allgemein nicht nur als verwundbar, sondern auch als schlagbar gilt. Entscheiden sie sich für den Krawallkopf Gingrich, neben dem der Kandidat von 2008, Senator McCain, wie ein braver Gemäßigter daherkommt und der - Achtung - selbst George W. Bush noch wie einen Mann der Mitte aussehen lässt, dann steht dem Land einiges bevor.

          Zunächst aber steht den Republikanern eine lange, harte Schlacht bevor. Ein innerparteilicher Bürgerkrieg.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Ein Maisfeld im Oderbruch in Brandenburg wird künstlich bewässert.

          Besonders im Osten : Warnung vor Wasserknappheit in Deutschland

          Trockenheit und Dürre schlagen auch auf den Grundwasserstand durch. Eine Umweltexpertin warnt: In Zukunft könne es in einigen Regionen Deutschlands Verteilungskämpfe ums Wasser geben, etwa zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

          Syrien-Gipfel : Erdogan trifft Putin und Ruhani

          Die Türkei, Russland und Iran: Drei Länder mit unterschiedlichen Interessen im syrischen Bürgerkrieg. Beim Treffen in Ankara wollen die Präsidenten über die Lage in der Rebellenhochburg Idlib und die Rückkehr von Flüchtlingen sprechen.
          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.