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Vorwahlen in Amerika : Kreisförmiges Erschießungskommando

  • -Aktualisiert am

Die Kandidaten der Republikaner Jeb Bush, Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz im Clinch gegeneinander. Bild: AFP

Gouverneure gegen Senatoren, Ideologen gegen Macher: Wie sich die Republikaner in New Hampshire gegenseitig schwächen – und damit den Demokraten in die Hände spielen.

          Am Anfang nennt Jeb Bush keine Namen. Die zu Hunderten in eine Turnhalle geströmten Leute wissen trotzdem, dass der frühere Gouverneur von Florida über seine Konkurrenten Ted Cruz und Donald Trump lästert. Könne einer wirklich glauben, fragt Bush, dass Lautstärke einen guten Oberbefehlshaber ausmache? Dass man den „Islamischen Staat“ einfach unter einem „Bombenteppich“ begraben (Cruz) oder allen Muslimen die Einreise verweigern könne (Trump)? Cruz hat vorige Woche in Iowa die erste Vorwahl gewonnen, und wenn die Umfragen diesmal stimmen, so kann Trump an diesem Dienstag hier in New Hampshire einen Triumph feiern. Als ein Bürger ihn später noch einmal auf den Spitzenreiter anspricht, wird Bush denn auch deutlicher: „Dieser Kerl gehört in Therapie!“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          John Kasich sieht das vermutlich genauso, würde es aber nicht aussprechen. Der Gouverneur von Ohio ist stolz darauf, im Wutwahljahr 2016 die „positivste Kampagne von allen“ zu führen. In Iowa war für ihn mit derlei demonstrativer Nettigkeit kein Blumentopf zu gewinnen, aber im moderateren New Hampshire hofft Kasich wie Bush darauf, dass die Wähler seinen optimistischen Ton und seine Erfahrung honorieren. Die Kritik an der lauteren Konkurrenz kleidet Kasich am Sonntag auf seiner 102. Kundgebung in dem 1,3-Millionen-Einwohner-Staat in einen Satz, den sonst eher Demokraten im Munde führen: „Die Republikaner treten gern sehr feurig auf, aber nur, wenn sie gegen etwas wettern – nie, wenn sie sagen sollen, wofür sie eintreten.“

          Ein paar Schulen weiter, in einem ebenso überfüllten „Townhall Meeting“, schlägt Chris Christie einen weniger zimperlichen Ton an. Trump sei ahnungslos, urteilt der Gouverneur von New Jersey: Nie könne er erklären, wie er seine Versprechen erfüllen wolle. Doch ein anderer Punkt ist Christie noch wichtiger: „Vor gut sieben Jahren hat Amerika einen Präsidenten gewählt, der bis dahin nie mehr als seinen Mitarbeiterstab im Senat geleitet hatte“, sagt er.

          Barack Obama habe sich nach seinem Wahlsieg im Weißen Haus aufgeführt „wie ein Hund, der das Müllauto anbellt und nichts damit anzufangen weiß“. Wolle Amerika dieses missglückte Experiment wirklich wiederholen und abermals einen Juniorsenator ins Weiße Haus schicken? Einen Mann, der sich morgens bisher keine folgenreichere Frage zu stellen gehabt habe als die, mit welcher Pointe er seine Rede des Tages schmücken könne? Christie erinnert seine Zuhörer daran, dass der Texaner Cruz gerade einmal seit 2013 dem Senat angehört und Marco Rubio auch erst vor fünf Jahren aus Florida nach Washington geschickt wurde. Genüsslich erzählt er die jüngsten Fernsehinterviews mit prominenten Rubio-Unterstützern nach, die sich auf Nachfrage außerstande zeigten, auch nur einen bedeutsamen Erfolg des 44 Jahre alten Volksvertreters zu nennen.

          „So läuft das mit Trump“

          Nur Umfrage-Nihilisten können glauben, dass einer der drei Gouverneure New Hampshire am Mittwoch als Sieger verlassen wird. Doch für die drei politisch erfahrensten und zugleich moderatesten Kandidaten geht es in dem Neuengland-Staat um viel, wenn nicht bereits um alles: Anders als in Iowa und in South Carolina, wo die Republikaner nächste Woche abstimmen, bringen die evangelikalen Christen im Nordosten vergleichsweise wenig Gewicht auf die politische Waage. Entsprechend hohe Erwartungen müssen gemäßigte Konservative hier erfüllen. Doch auch die Moderaten machen sich gegenseitig Stimmen streitig.

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