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Vorwahlen in Amerika : Die Suche nach Trumps Leichen im Keller

  • -Aktualisiert am

Als hätte er nichts zu verbergen: Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung im April. Bild: dpa

Von seltsamen Auftritten als eigener Pressesprecher bis hin zu möglichen Mafia-Kontakten: Kaum ein Tag vergeht ohne Enthüllungen über Donald Trumps Vergangenheit. Den größten Schaden könnte allerdings seine Steuererklärung anrichten.

          Felix Sater ist ein Mann mit einer höchst fragwürdigen Vita. Bevor der in Moskau geborene New Yorker sein Geld im Immobiliengeschäft verdiente, verdingte er sich als Aktienhändler. Dann zerschnitt er einem Mann mit einem abgeschlagenen Cocktailglas das Gesicht und verlor seine Lizenz an der Wall Street. Kontakte zum organisieren Verbrechen wurden ihm nicht nur nachgesagt, sondern zum Teil auch nachgewiesen. Sater habe gedroht, sie umzubringen, klagen ehemalige Geschäftspartner. Sater habe wichtige Informationen für Festnahmen von Mafiagrößen geliefert, loben Regierungsbehörden. Gut möglich, dass beides stimmt.

          Donald Trump, Immobilienunternehmer und aller Voraussicht nach bald Präsidentschaftskandidat der Republikaner, über dessen möglichen Kontakte zur New Yorker Unterwelt immer mal wieder berichtet worden war, versuchte zuletzt auf Distanz zum zwielichtigen Sater zu gehen. Obwohl sich dieser auf Visitenkarten offenbar lange als Trumps Berater ausgab und sogar ein Büro im „Trump Tower“ besaß, versicherte der Milliardär in Interviews und sogar unter Eid vor Gericht, Sater nur flüchtig zu kennen, ja sich noch nicht einmal an dessen Aussehen erinnern zu können. Jetzt berichtete die „Washington Post“, dass das Verhältnis der beiden Männer wohl doch enger gewesen sein könnte als von Trump zugegeben. Bisher unveröffentlichte Prozess-Aussagen Slaters deuten darauf hin.

          Die jüngsten Enthüllungen sind nur ein Beispiel einer ganzen Reihe von Versuchen renommierter Journalisten in den vergangenen Wochen, Trumps persönliche und geschäftliche Vergangenheit besser auszuleuchten. Die Titelgeschichte der „New York Times“ vom vergangenen Wochenende, in der zahlreiche Frauen Auskunft über „unwillkommene Annäherungsversuche“ Trumps und andere respektlose Verhaltensweisen des Baulöwen im Umgang mit Frauen geben, ist ein weiteres Beispiel, ebenso wie die Veröffentlichung bizarr anmutender Audio-Aufnahmen, die den Schluss nahelegen, dass sich Trump in fantasievollen Telefoninterviews mehrmals als sein eigener Pressesprecher ausgab, um unter anderem mit seinem Liebesleben zu prahlen.

          Viele Wähler sind unbeeindruckt

          Oftmals haben in diesem Jahr Trump-Gegner der amerikanischen Presse vorgeworfen, mit viel zu unkritischer Berichterstattung zu Trumps Vorwahl-Erfolgen beigetragen zu haben sowie den Aufstieg des polarisierenden Politiker-Neulings überhaupt erst ermöglicht zu haben, indem sie ihm und seinen Auftritten viel zu viel Raum gegeben hätten. Nun, da so gut wie klar ist, dass Trump für die Republikaner antreten wird, wollen viele Medienhäuser offenbar den Vorwurf der unsorgfältigen Recherche so gut es geht entkräften. Es ist daher durchaus zu erwarten, dass in der Zeit bis zur Präsidentenwahl im November noch weitere wenig schmeichelhafte Aspekte aus Trumps Lebenslauf veröffentlicht werden. Auf Pläne der „Washington Post“, im August ein Buch mit dem Titel „Trump revealed“ („Trump enthüllt“) zu veröffentlichen, reagiert der Durchleuchtete zunehmend gereizt.

          Doch wie kommt das alles bei den Wählern an? Viele zeigen sich wenig beeindruckt. Mehr noch: Spricht man mit Trump-Sympathisanten, dann erfährt man, dass viele die jüngsten Enthüllungen als Teil einer unfairen Kampagne betrachten und nun umso entschlossener sind, im November für Trump zu stimmen. Da auch Trumps Kontrahentin Hillary Clinton, die höchst wahrscheinlich bei den Demokraten das Rennen machen wird, bei großen Teilen der amerikanischen Bevölkerung sehr unbeliebt ist, könnte die Frage der erfolgreichen Mobilisierung der eigenen Unterstützer bei der diesjährigen Abstimmung mehr denn je zum entscheidenden Faktor werden. Laut Ergebnis der neuesten Umfrage des konservativen Senders Fox News liegt Trump derzeit landesweit sogar knapp vor Clinton.

          Trumps Steuerklärung im Blick

          „Das Problem für Demokraten und all diejenigen, die nicht wollen, das Trump Präsident wird, ist, dass viele Wähler willens sind, Trump vieles zu verzeihen“, sagt die politische Analystin Amy Walter, zumal ja die meisten Entgleisungen zu einer Zeit passiert seien, als Trump noch überhaupt nicht politisch aktiv gewesen sei. Das Anti-Trump-Lager müsse sich, wenn es Wirkungstreffer erzielen wolle, vielmehr darauf konzentrieren, die Schwächen von Trumps Positionen mit Blick auf seine mögliche Präsidentschaft aufzuzeigen.

          Öffnen

          Hillary Clinton setzt derweil offenbar lieber auf eine Doppelstrategie. Zum einen kritisiert sie Trumps politisches Programm immer schärfer, beteiligt sich aber mindestens ebenso leidenschaftlich an den Spekulationen um Trumps hartnäckige Weigerung, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. In einem jetzt veröffentlichten Wahlkampfvideo präsentiert das Clinton-Camp gleich vier mögliche Gründe dafür, warum Trump seine Zahlen nicht rausrücken will. 1: Er ist gar nicht so reich, wie er vorgibt zu sein. 2: Er hat auf unmoralische Weise versucht, möglichst viele Steuerschlupflöcher zu nutzen. 3: Sein lautstark verkündetes Wohltätigkeitsengagement ist nichts als heiße Luft. 4: Seine Weigerung hat ganz andere, möglicherweise noch viel explosivere Gründe.

          Was auch immer es ist: Die Suche nach Trumps Leichen im Keller geht weiter. Wem das am Ende auch nutzen mag.

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