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Vorwahlen in Amerika : Der Albtraum endet nicht

Donald Trump feiert seine Siege bei den Vorwahlen am „Super Tuesday“. Sein ehemaliger Rivale Chris Christie sieht jedoch nicht begeistert aus. Bild: Reuters

Das Duell um die Präsidentschaft scheinen Hillary Clinton und Donald Trump auszufechten. Während Clinton aufs engste mit dem „System“ verbunden ist, sammelt Trump die Stimmen der wütenden, desillusionierten Weißen.

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          Hillary Clinton gegen Donald Trump – wird dies das Duell sein, wenn im November die amerikanischen Wähler entscheiden werden, wer Barack Obama im Weißen Haus nachfolgen wird? Das ist nicht nur nicht ausgeschlossen, das ist mittlerweile die Paarung, die nach dem sogenannten „Super-Dienstag“ am wahrscheinlichsten ist.

          Bei den Demokraten hat die frühere Außenministerin und ehemalige Senatorin Clinton abgeräumt, was abzuräumen war. Ihr Herausforderer, der selbsternannte Sozialist Bernie Sanders, hat sich achtbar geschlagen und ihr das Leben schwer gemacht. Aufgeben wird er nicht. Aber es ist so gut wie ausgeschlossen, dass er in den kommenden Wochen noch so viele Delegiertenstimmen gewinnt, um Clinton die Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu entreißen. Dann geht diejenige Kandidatin in den Endkampf, die mit dem „System“ auf das Engste verbunden ist. Und weil in das in dieser Wahlsaison ein Extra-Malus ist, sollte man mit Prognosen über den Ausgang der Präsidentenwahl vorsichtig sein.

          Denn wer hätte schon gedacht, dass der Immobilien-Milliardär Donald Trump von Vorwahlsieg zu Vorwahlsieg eilen würde? Nicht die Fachleute und ganz gewiss nicht die Führung der Republikanischen Partei, deren Albtraum einfach nicht endet und deren Wunschkandidat Jeb Bush mangels Wählerresonanz schon früh die Segel streichen musste. Trump erntet den Wählersturm dort, wo andere (Republikaner) Wind gesät haben. Er ist der Profiteuer der Wut vieler weißer Wähler auf „Washington“, auf die als grundlegend falsch empfundene Entwicklung des Landes, auf die sozialen und kulturellen Veränderungen. So langsam muss man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Populist Trump, der sich als neuer Führer und Heilsbringer für die Sorgen und Nöte der einfachen Leute anbietet  und der beinahe straflos die ungeheuerlichsten Dinge sagen kann, tatsächlich der Kandidat der Republikanischen Partei werden könnte.

          Aber noch nicht zwangsläufig werden muss. Seine beiden Hauptkonkurrenten um die Kandidatur, die Senatoren Cruz und Rubio – Hardcore-Konservativer der eine, mittlerweile zum Moderaten promoviert der andere – sind nicht so weit abgeschlagen, dass sie nicht noch eine Chance hätten. Das gilt in erster Linie für Rubio, während Cruz, der bei den Evangelikalen seine Wählerbasis hat, das demographische Terrain der kommenden Vorwahlen immer schwieriger zu beackern finden wird.

          In jedem Fall müssen die beiden Verfolger in knapp zwei Wochen, wenn die Delegierten nicht mehr proportional verteilt werden, sondern dem Sieger einer Vorwahl alle Stimmen zugeschlagen werden, gewinnen, um Trump noch zu verhindern. Allein der Umstand, dass am „Super-Tuesday“ neben Trump noch vier weitere Bewerber um Vorwahlstimmen konkurrierten und das Feld so zersplittern, spielt dem Mann, der die Rechnung des Partei-Establishments über den Haufen warf, in die Hände. Trump, das autoritäre Angebot auf die Frustrationen und die Abstiegs- und Entwertungserfahrungen vieler Amerikaner?

          Es ist ein Angebot, das den zerrissenen Zustand der Partei widerspiegelt, die verrückt geworden zu sein scheint. Und doch hat es zumindest diese heilsame Lehre: Wenn Vorwahlen zur Personalauslese für das höchste Amt im Staate gehören, sollten Parteiführungen diese nicht als Farce inszenieren. Das rächt sich, und in Gestalt des Donald Trump kann es sich bitter rächen.

          Die amerikanische Gesellschaft ist aufgewühlt,  wie sie es schon lange nicht mehr war; die Klassengegensätze sind viel schärfer als früher. Die Krisenjahre haben tiefe Spuren hinterlassen. Und jetzt kommt Trump und sammelt die Verwundeten ein, die Wütenden, die Tobenden, die keine Hemmungen haben, der Hemmungslosigkeit und den Dreistigkeiten Trumps zuzujubeln. Und denen es vollkommen gleichgültig ist, was die Welt dazu sagt und ob die fassungslos darüber ist, was in den Vereinigten Staaten gerade vor sich geht. Wir schreiben das Jahr 2016, in dem die Desillusionierten zurückschlagen, die desillusionierten Weißen.

          So sehen Sieger aus. Und vielleicht bald auch eine amerikanische Präsidentin? Beim „Super Tuesday“ setzte sich Hillary Clinton gegen ihren demokratischen Kontrahenten Bernie Sanders durch. Auch bei den Republikanern gibt es einen klaren Sieger.  Bilderstrecke
          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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