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Vorwahlen in Amerika : Alle setzen auf den Trump-Effekt

  • -Aktualisiert am

Anhänger von Präsident Donald Trump machen Anfang der Woche in Kalifornien Stimmung. Bild: AFP

In acht Bundesstaaten gab es am Dienstag innerparteiliche Vorwahlen. Die Demokraten wollen den Republikanern im November die Mehrheit im Kongress abjagen. Doch ihre Mehrheit in den Umfragen schwindet.

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          Es war die wichtigste Vorwahl vor den Kongresswahlen im November. In acht Bundesstaaten bestimmten die Parteien ihre Kandidaten. Registrierte Wähler konnten für die Bewerber ihrer Partei abstimmen. Dabei ging es um Kandidaten für 85 Sitze im Repräsentantenhaus, fünf Gouverneure, fünf Senatssitze und Hunderte von regionalen politischen Posten.

          Das politische Amerika schaute am Dienstag besonders auf die Vorwahlen in Kalifornien: Die Demokraten wollen dort im November sieben bis neun bislang von den Republikanern gehaltene Sitze im Repräsentantenhaus erobern und ihre restlichen Posten halten. Das könnte entscheidend sein, weil sie in der Abgeordnetenkammer insgesamt 23 Sitze hinzugewinnen müssten, um den Republikanern die Mehrheit abzunehmen.

          Zudem geht es um die Nachfolge des demokratischen Gouverneurs Jerry Brown. Donald Trump unterstützt den Republikaner John Cox – der werde „einen Riesenunterschied machen“, twitterte der Präsident am Dienstag. Cox verlor allerdings schon drei Wahlen in Illinois, weswegen auch viele Demokraten hoffen, er möge das parteiinterne Rennen machen und gegen den demokratischen Top-Favoriten Gavin Newsom antreten.

          Kaliforniens Besonderheit

          In Kalifornien hat das Vorwahlsystem eine Besonderheit: In einem Distrikt treten die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen im November gegeneinander an – das könnten auch zwei Personen aus derselben Partei sein. Bei den Kongress-Distrikten kandidierten am Ende so viele Demokraten gegeneinander, dass Experten befürchten, dass sie einander gegenseitig schwächen werden. Kalifornien ist allerdings ein stark demokratisch dominierter Staat.

          Inhaltlich und strategisch sind die Vorwahlen in vielen Staaten ein Lackmus-Test für die Demokraten: Sind es eher linke oder eher moderate Kandidaten, die die Wähler mobilisieren können? Gibt es tatsächlich den erhofften Push an die Wahlurne durch die Politik von Donald Trump? Welche Botschaften sind die erfolgreichsten?

          „Super Tuesday der Frauen“

          Und noch eine andere Entwicklung zog viel Aufmerksamkeit auf sich: Noch nie haben in beiden Parteien so viele Frauen kandidiert. Am Dienstag standen 122 Frauen auf den Wahlzetteln in den Bundesstaaten – so viele wie in keiner anderen Vorwahl im Jahr 2018. Von allen zur Wahl stehenden Demokraten sind 31,5 Prozent Frauen, bei den Republikanern sind es 15,8 Prozent – einen „Super Tuesday der Frauen“ nannte die „New York Times“ den Tag denn auch. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von knapp über 50 Prozent sind Frauen noch immer unterrepräsentiert im Kongress – 20 Prozent aller Volksvertreter sind weiblich, im Senat sind es 23 und im Repräsentantenhaus knapp über 19 Prozent.

          In New Mexico trat mit Deb Haaland zum ersten Mal eine weibliche Ureinwohnerin an, doch mit Michelle Lujan Grisham wird nun eine andere Frau als Gouverneurskandidatin ins Rennen gehen. In New Jersey und Montana forderten Kandidaten des linken Flügels etablierte Demokraten heraus – und in Alabama war zu beobachten, ob Republikaner, die Präsident Trump kritisiert haben, noch Chancen haben. Die Abgeordnete Martha Roby hatte sich unbeliebt gemacht, als sie sich öffentlich von Trump abgewandt hatte, nachdem der auf einem Tonbandmitschnitt im Wahlkampf 2016 mit sexueller Belästigung geprahlt hatte („Grab them by the pussy“). Nun muss Roby wohl in die parteiinterne Stichwahl.

          Der Staat ist besonders deshalb interessant, weil die Demokraten hier versuchen werden, jeden einzelnen Sitz im Repräsentantenhaus mit einem eigenen Kandidaten zu gewinnen. Während viele Republikaner hoffen, dass der Sieg des Demokraten Doug Jones in der Senats-Nachwahl im Dezember eine Ausnahme war, glauben Optimisten unter den Demokraten, dass sie im tiefen Süden im einen Wechsel anzetteln können.

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