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Wahlkampf in Amerika : Bernie Sanders gibt nicht auf

  • -Aktualisiert am

Am Mittwoch hat Sanders sein Schweigen beendet: Es sei kein guter Abend gewesen, gestand er ein. Bild: AP

Nach dem kleinen „Super Tuesday“ stehen die Chancen Bernie Sanders auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur schlecht. Doch er will sich nicht geschlagen geben.

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          Bernie Sanders hatte sich nach Burlington zurückgezogen. Eigentlich wollte er in Cleveland sein – auf einer Kundgebung, den nächsten Vorwahltermin in der kommenden Woche im Blick. Doch der Gouverneur von Ohio hatte wegen des Coronavirus darum gebeten, auf Großveranstaltungen zu verzichten. Also verbrachte der sozialistische Senator den Wahlabend am kleinen „Super Tuesday“ mit Vorwahlen in sechs Bundesstaaten zu Hause in Vermont. Schnell stand fest, dass er zumindest drei verloren hatte. Vor allem die Niederlage in Michigan, das er zu seiner „Brandwand“ erklärt hatte, musste ihn schmerzen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Hier im industriellen Mittleren Westen, wo er 2016 gegen Hillary Clinton gewonnen hatte, hatte er zeigen wollen, dass er es im Herbst mit Donald Trump aufnehmen könne. Angesichts der ersten Resultate entschied Sanders, keine Stellungnahme abzugeben. Als Deutungen die Runde machten, der Präsidentschaftsbewerber gehe in sich und prüfe, ob er für sich noch einen Pfad zum Nominierungsparteitag in Milwaukee sehe, streuten Leute aus seinem Team, man setzte auf die Fernsehdebatte am Sonntag in Phoenix.

          Erdrutschsieg in Mississippi

          In Philadelphia kam es zur gleichen Zeit zu einem ungewöhnlichen Auftritt. Joe Biden, der ebenfalls in Cleveland Wahlkampf machen wollte, trat am Sitz seiner Kampagnenzentrale ans Mikrofon. Er verzichtete auf eine Siegesfeier. Er hatte seine Serie fortgesetzt. Er gewann nicht nur Michigan, den großen Preis des Abends, in dem es um 125 Delegiertenstimmen ging, sondern erzielte auch dank der afroamerikanischen Bevölkerung einen Erdrutschsieg in Mississippi.

          Und er lag im Rennen um Missouri, das vor vier Jahren noch hoch umkämpft war, deutlich vorn. Nach seinem Befreiungsschlag in South Carolina Ende Februar und zumal nach seinem Triumph am „Super Tuesday“ Anfang März war ein sichtlich erleichterter, kämpferischer Biden vor seine Anhänger getreten. Nun, nach der Festigung seiner Favoritenrolle, trat er mit großmütiger Geste auf und schlug einen besonnenen, geradezu präsidialen Ton an.

          Biden reicht Sanders-Lager die Hand

          Es sehe so aus, als werde man einen weiteren guten Abend erleben, sagte Biden. Das sollte sich bewahrheiten: Später wurde klar, dass er auch Idaho gewinnen sollte, Sanders hingegen North Dakota. Im Bundesstaat Washington, den Sanders 2016 gewinnen konnte und wo die Auszählung noch andauerte, liegen beide Bewerber Kopf an Kopf. Biden dankte „Bernie“ und dessen Unterstützern für deren „unermüdliche Kraft und Leidenschaft“. Man teile das gleiche Ziel, rief er. Gemeinsam werde man Trump schlagen. In Philadelphia habe vor einem Jahr sein Wahlkampf angefangen.

          Biden erwähnte dies, als wollte er sagen, hier schließe sich ein Kreis, nun da die Kandidatur in Reichweite sei. Es blieb bei Andeutungen. Er reichte dem Sanders-Lager die Hand und legte nahe, dass es momentan Wichtigeres gebe, weshalb er nicht gezögert habe, als der Gouverneur ihn gebeten habe, auf seine Kundgebung in Ohio zu verzichten. Er werde sich im Laufe der Woche zur Epidemie äußern.

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