https://www.faz.net/-gpf-9w5v9

Vorwahl in Amerika : Das Debakel von Iowa

  • -Aktualisiert am

Gemischte Gefühle: Anhänger von Bernie Sanders in Des Moines Bild: HILARY SWIFT/The New York Times/

Die erste Vorwahl der Demokraten endet im Chaos. Es gibt Probleme bei der Übermittlung der Stimmen. Ein Bewerber erklärt sich dennoch frühzeitig zum Sieger.

          6 Min.

          Als um Punkt 19 Uhr das Signal einer Trillerpfeife ertönt, ahnt noch keiner, dass dieser Wahlabend im Chaos enden wird. Im Atrium des Bürogebäudes Capitol Square verstummen die Gespräche. Mehr als tausend Leute haben sich versammelt. Bezirk 55 in der Innenstadt von Des Moines ist eine der größten Nachbarschaftsversammlungen im „Iowa Caucus“. Als der Versammlungsleiter fragt, für wen dies der erste „Caucus“ sei, hält etwa ein Drittel der Anwesenden die Hand hoch. Jubel bricht aus unter den Demokraten. Die Mobilisierung für die Kür des Präsidentschaftskandidaten hat geklappt.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Jack Deneen freut das. Er gibt sich siegessicher. Der 24 Jahre alte Mann hat sich zu seiner Gruppe gestellt. Den genauen Grenzverlauf kann man nicht erkennen. Jacks Leute stehen dicht gedrängt zwischen den Anhängern Elizabeth Warrens und denen Pete Buttigiegs. Und doch unterscheiden sie sich: Die Gruppe, die sich hinter dem Banner von Bernie Sanders aufstellt, sieht ein wenig aus wie eine Asta-Versammlung: junge Typen, viele mit gefärbten Haaren oder Tattoos auf dem Arm. Zur Begrüßung stößt man die Fäuste aneinander.

          Nach der Anmeldung am Eingang wurden die Leute von Vertretern der einzelnen Bewerberteams abgefangen – in der Hoffnung, ein paar Unentschlossene für den jeweils eigenen Kandidaten zu gewinnen. „Hi, ich bin vom Team Warren“, sagt eine junge Frau. „Sorry, aber ich bin ein Bernie-Mann.“ „Ah“, antwortet die Frau höflich, „dann musst du Richtung Glastür gehen. Da stehen deine Leute.“ Die parteiinterne Kandidatenwahl in Iowa ist ein politischer Jahrmarkt. Natürlich herrscht unter den Bewerberteams Konkurrenz, doch alle sind insgesamt guter Dinge. Die Demokraten sehen sich in dem eher konservativen Bundesstaat im Mittleren Westen im Aufwind. Vor allem sind sie zu diesem Zeitpunkt noch stolz darauf, dass Iowa alle vier Jahre einmal im Mittelpunkt steht.

          „Wenn wir im November unseren neuen Präsidenten wählen, können wir zurückblicken und sagen: Hier hat alles angefangen“, sagt Jack. Er war schon vor vier Jahren freiwilliger Helfer für das Sanders-Lager. „Bernie ist eine ehrliche Haut“, sagt Jack, der im Vertrieb eines Elektronik-Unternehmens arbeitet. Bernie wolle, dass Amerika für alle funktioniere. Seine Gruppe hat inzwischen versucht, sich in Reihen aufzustellen, um das Zählen zu erleichtern. Jeder muss nun seine Wahlpräferenz zu Papier geben. Zwar wählt man seinen Kandidaten durch Gruppenbildung, doch soll die Abstimmung anders als noch vor vier Jahren schriftlich festgehalten werden. Damals war das Ergebnis zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton so knapp, dass später im Lager des linken Kandidaten das Resultat angezweifelt wurde. Das soll diesmal nicht passieren.

          Gut gelaunt, trotz Panne: Bernie Sanders

          Auf der anderen Seite des Saales steht eine kleine Gruppe, vor allem ältere Leute. Hier trägt man Jackett oder Blazer. Die Stimmung ist eher trüb. Das Grüppchen besteht aus Anhängern Joe Bidens. Unter ihnen ist Bonnie Campbell. „Campbell – wie die Suppe“, sagt die 71 Jahre alte Dame. Sie ist die frühere Justizministerin Iowas. Das war Anfang der neunziger Jahre, als die Demokraten noch das Sagen hatten in dem Bundesstaat. Campbell sagt mit Blick auf ihr Grüppchen: Das sei hier ein Downtown-Bezirk, sehr jung, nicht gerade eine Biden-Hochburg. In den Vorstädten und auf dem Land sehe das gewiss anders aus. Noch gibt sie sich zuversichtlich und hofft, in der zweiten Runde, wenn die Bewerber mit weniger als 15 Prozent Anhängern ausscheiden, die Amy-Klobuchar-Leute für das Biden-Lager zu gewinnen.

          Weitere Themen

          Typisch Trump Video-Seite öffnen

          Corona-Aussagen vom Präsidenten : Typisch Trump

          Donald Trump hat die Coronakrise in Amerika erst heruntergespielt. Später wurde das Virus zum unsichtbaren Feind, er selbst zum ernannte sich zum „Naturtalent“ in Sachen Virologie. Mittlerweile sieht der Präsident Amerika vor „sehr schmerzvollen Wochen“. Eine Sammlung von Zitaten.

          Topmeldungen

          Ein Bild aus besseren Tagen: Olaf Scholz, Christine Lagarde, Paolo Gentiloni und Bruno Le Maire Mitte Februar in Brüssel

          Ideen von Scholz und Le Maire : EU-Kompromiss zu Corona-Hilfen in Sicht

          Die Politik will den schrillen EU-Streit um Maßnahmen in der Coronakrise deeskalieren. Deutschland und Frankreich verständigen sich auf drei Schritte, die Niederlande machen ein Friedensangebot. Umstritten bleiben die Corona-Bonds.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.