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Vor der zweiten TV-Debatte : Endspiel für Trump

  • -Aktualisiert am

Letzte Chance: Donald Trump muss in der zweiten Fernsehdebatte in St. Louis ein Wunder vollbringen. Bild: AP

In ihrem zweiten Fernsehduell debattieren Hillary Clinton und Donald Trump heute Nacht im beliebten „Town-Hall-Format“. Für den durch ein Skandal-Video schwer angeschlagenen Trump ist das die wohl allerletzte Wahlkampf-Chance. Wenn überhaupt.

          Ihr Kandidat werde locker bleiben und ganz befreit aufspielen, denn unter Druck stehe schließlich nur seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton. Kaum zu glauben, dass diese Ankündigung von Donald Trumps Kampagnenteam noch nicht einmal zwei Wochen her ist. Damals, kurz vor dem ersten Fernseh-Duell zu Anfang der letzten Septemberwoche, sah die Welt für Trumps Team noch hoffnungsvoll aus. Jetzt stehen der Kandidat und seine Berater mit dem Rücken zur Wand.

          Ein vergeigte Debatte vor mehr als 80 Millionen Fernsehzuschauern, Enthüllungen über vermeintliche Steuertricksereien, nächtliche Twitter-Tiraden gegen eine ehemalige Schönheitskönigin belasteten Trump schon bis zum Freitag. Doch ein von der Washington Post veröffentlichtes Video, in dem Trump (wenn auch schon vor elf Jahren) auf äußerst obzöne Weise über Frauen herzieht und seine eigenen  Eroberungskünste preist, die sich eher wie eine Definition des Tatbestandes der sexuellen Belästigung anhören, lässt all dies wie Kleinigkeiten aussehen. Das sind zu viele Negativschlagzeilen selbst für einen Kandidaten, dem Wahlkampf-Beobachter einst den Spitznamen „Teflon“ gaben, weil kein Skandal an ihm haften zu bleiben schien. Nun folgt Kratzer auf Kratzer im Image des Selfmade-Milliardärs, der sich selbst für unzerstörbar hält.

          Am Samstagabend laufen in diversen amerikanischen Sendern weitere neu entdeckte Aufnahmen rauf und runter, in denen immer wieder die Stimme des Kandidaten zu hören ist.

          Es sind über Jahre hinweg aufgezeichnete Gespräche mit dem Talkradio-Moderator Howard Stern, in denen Trump etwa in langen und nicht jugendfreien Sequenzen über seinen Frauengeschmack spricht, aber auch von der Figur seiner Tochter Ivanka schwärmt. Passagen, in denen Trump sich über angebliche sexuelle Vorlieben des Golfprofis Tiger Woods auslässt, sind derart drastisch formuliert, dass CNN sie nicht im Fernsehprogramm, sondern nur auf seiner Webseite veröffentlicht.

          Belästigungsvorwürfe tauchen auf

          Andere amerikanische Medien hatten nach Bekanntwerden des Videos am Freitag zudem von zahlreichen Belästigungsvorwürfen gegen Trump berichtet. Die immer neuen Enthüllungen lassen die ohnehin sehr halbherzig formulierte Entschuldigung Trumps von Freitagnacht („Jeder, der mich kennt, weiß, dass diese Worte nicht wiedergeben, wer ich bin“), mit der er auf die Video-Enthüllung der Washington Post reagierte, noch unglaubwürdiger erscheinen.

          Jetzt steht in St. Louis im Bundesstaat Missouri am Sonntagabend (3 Uhr am Montagmorgen deutscher Zeit) die zweite von insgesamt drei geplanten Debatten gegen Hillary Clinton an. Für Trump wird das Duell am Mississippi zum Endspiel, wobei es auch zahlreiche Stimmen gibt, die ihm schon jetzt mit Blick auf die Wahl im November keine Chance mehr einräumen. „Er ist erledigt“, ist eine Aussage, die auch am Tag Eins nach dem Tsunami des jüngsten Skandals immer wieder fällt. In Scharen wenden sich führende Republikaner von Trump ab, immer lauter werden die Forderungen, dass er seine Kandidatur zurückziehen solle. Die beiden noch ausstehenden TV-Duelle scheinen selbst viele Trump-Anhänger inhaltlich schon abgehakt zu haben.    

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