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Vor der zweiten TV-Debatte : Endspiel für Trump

  • -Aktualisiert am

Trump könnte durch kritische Fragen provoziert werden

Gleichzeitig birgt sein Auftritt für ihn große Gefahren. Trump, der sich gerne bei Journalisten über angeblich ungerechte Fragen beklagt und bei seinen programmatischen Antworten oftmals im Unklaren bleibt, könnte von kritischen Wählern geradezu vorgeführt werden, zumal ihn Clinton wie schon im ersten Duell mit gezielten Provokationen zur Unbeherrschtheiten verführen könnte. „Es ist ein Format, dass fast dazu geschaffen wirkt, nahezu jede Charakter- und Temperamentsschwäche des republikanischen Kandidaten offenzulegen“, schreibt das Magazin „Politico“.

Clinton, die bei Town-Hall-Debatten auch nicht gerade als Naturtalent gilt und vor allem versuchen dürfte, nicht allzu oberlehrerhaft zu wirken, soll sich in einem Hotel in New York akribisch auf ihren Auftritt vorbereitet haben. Die größte Gefahr für sie dürfte sein, dass nicht Trumps Frauenfeindlichkeit, sondern ihre Wall-Street-Freundlichkeit zum zentralen Thema des Abends wird.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte erst kürzlich damit begonnen, Auszüge aus angeblichen Reden Clintons vor großen Finanzunternehmen publik zu machen, aus denen hervorgehen soll, wie eng das Vertrauensverhältnis der ehemaligen Außenministerin zur Branche gewesen sei und wie stark sie zum Beispiel kompromisslose Freihandelspositionen unterstützt habe. Clinton hatte die Veröffentlichung der Vorträge, für die sie bestens bezahlt wurde, bisher stets verweigert. 

Ob Trump in den turbulenten letzten beiden Tagen noch Zeit gefunden hat, seinen nächsten Debattenauftritt zu trainieren, ist unklar. Dass er keine detaillierte Vorbereitung nötig habe, hatte der 70 Jahre alte Trump zuletzt immer wieder zu Protokoll gegeben – das dürfte sich angesichts der aktuellen Ausgangslage allerdings geändert haben. Am Donnerstag hatte Trump in New Hampshire, offiziell ausdrücklich nicht zu Übungszwecken, ein kurzes Town-Hall-Treffen abgehalten, das jedoch von vielen Beobachtern belächelt wurde, weil das handverlesene Publikum ausschließlich zahme Fragen stellte und der dem Kandidaten wohlgesonnene Moderator offenbar sowieso nicht vorhatte, an entscheidenden Stellen nachzuhaken. Das dürfte in St. Louis anders werden, wenn mit CNN-Anchorman Anderson Cooper und ABC-Starmoderatorin Martha Raddatz zwei gestandene journalistische Persönlichkeiten mit auf der Bühne stehen.

Eine Frage zumindest hat Trump bereits sehr klar beantwortet, nämlich die, ob er gedenke, seinen Wahlkampf vorzeitig zu beenden: „Die Medien und das Establishment wollen mich unbedingt aus dem Rennen haben. Ich werde niemals aus dem Rennen aussteigen, ich werde meine Unterstützer niemals im Stich lassen“, lässt Trump am Samstag über diverse Social-Media-Kanäle verlauten, wobei der zweite Teil der Botschaft in Großbuchstaben geschrieben ist. Klar ist: Seine Partei kann Trump nicht zwingen, seine Kandidatur aufzugeben. Nur wenn er selbst seinen Rücktritt erklärt, könnte die republikanische Führung sich auf die Suche nach einem neuen Kandidaten machen. Federführend wäre, da ein Parteitag wohl so schnell nicht mehr zu organisieren wäre, in diesem besonderen Fall das 168-köpfige „National Committee“. Das Chaos wäre dann perfekt – mehr noch als ohnehin bereits.

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