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Vor der zweiten TV-Debatte : Endspiel für Trump

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Trump nennt Bill Clinton „Vergewaltiger“

Trump selbst scheint es zumindest versuchen zu wollen und gibt sich vor dem Aufeinandertreffen mit Clinton selbstbewusst und angriffslustig zugleich. „Wir sehen uns bei der Debatte“, ließ er bereits zum Ende seiner Entschuldigungsbotschaft verlauten. Unmittelbar nachdem er in knappen Worten sein Bedauern über seine sexistischen Entgleisungen von 2005 zum Ausdruck gebracht hatte, nahm er sich seine politischen Gegner vor und kündigte an, mehr darüber reden zu wollen, dass der frühere Präsident und Kandidatinnen-Gatte Bill Clinton „tatsächlich Frauen missbraucht“ habe und Hillary dessen Opfer „schikaniert, attackiert, beschämt und eingeschüchtert“ habe. Am Samstagabend sorgt auf Trumps Twitter-Account ein Re-Tweet des Kandidaten für neuen Wirbel, in dem Bill Clinton als „Vergewaltiger“ bezeichnet wird.

Die Zeichen stehen also auf Schlammschlacht, wobei das Format, in dem die Debatte ausgetragen wird, einen allzu aggressiven Schlagabtausch der Kandidaten untereinander eigentlich verhindern müsste. Im Gegensatz zur ersten und dritten Debatte, in denen die Diskussionen ausschließlich von Moderatoren geleitet werden, werden in St. Louis die Fragen nämlich größtenteils vom Publikum gestellt. „Town hall debate“ nennen die Amerikaner diesen Rahmen, der Kandidaten und Wähler miteinander ins Gespräch kommen lässt und die Politiker unmittelbar mit den Problemen und Sorgen der Bürger konfrontiert. „Die alten Griechen haben uns die Demokratie und das Theater geschenkt“, so die Journalistin Brenna Williams. „Die Town-Hall-Debatten vereinen das beste von beidem, dazu kommt eine Portion rhetorischer Kampfsport.“

Town-Hall-Debatte als Königsdisziplin

Für amerikanische Politiker sind die Town-Hall-Debatten eine Art Königsdisziplin. Es geht dabei schließlich nicht nur darum, dem Bürger eine zufriedenstellende Antwort zu geben, sondern auch durch Gesten und Körpersprache zu signalisieren, dass man die Fragesteller und ihre Lebenswelt ernst nehme. Verständnisvolles Nicken sowie das Wiederholen des Vornamens des Fragenden sind die klassischen Skills.

Town-Hall-Großmeister wie Ohios Gouverneur John Kasich, der im Vorwahlkampf schon mal den ein oder anderen Fragesteller in den Arm nahm, schaffen es zudem, (vermeintlich) echte Gefühle zu zeigen. Die Kritik, dass es dabei vor allem um gespielte Nähe gehe, ist nicht von der Hand zu weisen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich das Format in den Vereinigten Staaten sowohl bei Medien als auch Wählern größter Beliebtheit erfreut.

Für Donald Trump ist die Tatsache, dass dieses womöglich entscheidende Duell im Town-Hall-Format ausgetragen wird, Fluch und Segen zugleich. Der milliardenschwere Steueroptimierer mit dem Sexismus-Skandal im Schlepptau, muss beweisen, dass er vielleicht doch ein aufrichtiger Mensch ist, der sich, wie zuletzt von ihm immer wieder beteuert, seit elf Jahren charakterlich geändert habe. Es könnte keinen passenderen Rahmen für einen solchen selbst vollzogenen Imagewechsel geben.

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