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Vor den Vorwahlen in Amerika : Die Demokraten und das Problem der Diversität

  • -Aktualisiert am

Haben ihr Waffenstillstandsabkommen aufgekündigt: die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Elizabeth Warren und Bernie Sanders am Mittwoch bei einer Fernsehdebatte Bild: Reuters

Vor dem Start der Vorwahlsaison haben die Demokraten noch keinen klaren Favoriten. Und viele staunen, dass nur noch weiße Kandidaten übrig sind.

          5 Min.

          Irgendwann musste es ja zur Konfrontation kommen. Lange waren sich Bernie Sanders und Elizabeth Warren nicht in die Quere gekommen. Demonstrativ nannten die beiden Vertreter des linken Flügels unter den Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten in Amerika einander gute Freunde. Von Konkurrenz wollten sie nichts wissen. Dass es bald krachen würde, hatte sich schon in den vergangenen Tagen angedeutet. Dass beide allerdings auf offener Bühne aneinandergeraten würden, war dann doch eine Überraschung.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die letzte Fernsehdebatte vor Beginn der Vorwahlen im Bundesstaat Iowa Anfang Februar war gerade vorüber, da gingen die sechs Diskussionsteilnehmer am Dienstagabend in Des Moines aufeinander zu. Sie reichten sich die Hand, tauschten ein paar Worte aus und lächelten freundlich – schließlich liefen die Kameras noch.

          Kein Handschlag zwischen Warren und Sanders

          Auch Warren wandte sich an Sanders, der Anzeichen machte, ihr die Hand reichen zu wollen. Obwohl beziehungsweise weil sie wusste, dass die Szene noch von der Regie eingefangen werden würde, verzichtete sie auf gute Miene zum bösen Spiel. Sie blickte zornig und aufgebracht. Sanders schien sie beruhigen zu wollen. Er hob die Hand, als wolle er sagen: Bitte, nicht hier! Ohne Handschlag gingen beide nach wenigen Sekunden auseinander. Was war passiert?

          Alles hatte damit angefangen, dass Warren sich vor ein paar Tagen beklagt hatte, aus Sanders’ Wahlkampfteam werde schlecht über sie gesprochen und fälschlicherweise gestreut, sie sei die Kandidatin von Besserverdienern und Leuten, die teure Universitäten besuchten. Sanders versuchte zunächst, die Vorwürfe abzutun: Er verfüge über ein großes Team. Warren auch. Da werde halt viel geredet – auf beiden Seiten. So leicht ließ sich die Angelegenheit aber nicht aus der Welt schaffen. Warren, aber auch viele politische Beobachter glaubten, der Zeitpunkt der Nadelstiche aus dem Sanders-Lager sei kein Zufall.

          Der Senator aus Vermont, dem im Herbst nach einem Herzinfarkt schon das politische Aus gedroht hatte, hat sich gut erholt. In nationalen Umfragen hat er den zwischenzeitlichen Vorsprung Warrens wettgemacht und sich – hinter Joe Biden – Platz zwei zurückerobert. Auch ist er derzeit der erfolgreichste Spendeneintreiber. Wichtiger noch: In Iowa, wo am 3. Februar die Vorwahlsaison beginnt, sehen ihn einige Umfrageinstitute knapp vorn. Angesichts der Fehlermarge der Demoskopen sollte man den Vorsprung nicht überbewerten. Vor wenigen Wochen führte schließlich noch Pete Buttigieg, der frühere Bürgermeister aus Indiana, in dem Bundesstaat im Mittleren Westen.

          Gleichwohl wurde gemutmaßt, die Umfragen könnten Sanders veranlasst haben, nunmehr die Frage klären zu wollen, wer der wirkliche Kandidat des linken Lagers ist: Er, der Sozialist, der immer schon für die Anliegen des kleinen Mannes gekämpft hat? Oder die Senatorin aus Massachusetts, die früher Republikanerin war, bevor sie sich von der Partei mit der Begründung abwandte, diese verrate die Interessen der Mittelschicht?

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