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Videoanalyse des Duells : Axt im Wald gegen Vernunft

Die strahlende Gewinnern? Hillary Clinton geht nach Meinung vieler gestärkt aus der dritten und letzten TV-Debatte hervor. Bild: dpa

Auch diese Runde geht an Hillary Clinton: Trump beschimpft seine Kontrahentin als „fiese Frau“ und lässt offen, ob er ihren Sieg akzeptieren würde - doch Clinton bleibt gelassen. Das dritte TV-Duell in der FAZ.NET-Videoanalyse.

          2 Min.

          Hardliner, Provokateur, Verschwörungstheoretiker: Donald Trump gab sich im dritten und letzten Fernsehduell mit Hillary Clinton so streitsüchtig und unversöhnlich wie in den vorangegangenen Begegnungen. Nach der überwiegenden Meinung der Beobachter hat Clinton in Las Vegas mit Abstand die bessere Figur abgegeben - und Trump sich mit seiner ausweichenden Antwort auf die Frage, ob er einen Wahlsieg von Clinton akzeptieren werde, möglicherweise endgültig ins Abseits befördert.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Was waren die wichtigsten Attacken von Trump und Clinton im Duell, wo konnten sie punkten, wo nicht? FAZ.NET analysiert die wichtigsten Passagen im Video.

          Bad hombres

          Donald Trump baut seinen ganzen Wahlkampf darauf auf, dass er die Grenze zu Mexiko besser bewachen will und es sowohl illegalen Einwanderern als auch Kriminellen schwerer fallen soll, ins Land zu kommen. In der Debatte sprach er darüber, dass der Fluss von Drogen in die Vereinigten Staaten gestoppt und die Drogenhändler ausgewiesen werden müssten. Seine Bezeichnung „bad hombres“ kann jedoch so verstanden werden, dass er Lateinamerikaner pauschal als Drogenhändler abtut. Bei einer Wählerschicht, die sowieso schon mehrheitlich hinter seiner Rivalin Hillary Clinton steht, dürfte ihn das weitere Stimmen kosten.

          Clinton weicht Frage aus

          Hillary Clinton zeigte auch in der dritten Debatte, warum manche Amerikaner das politische Establishment in Washington ablehnen. Auf den Einwurf des Moderators, dass sie laut einem bei Wikileaks veröffentlichten Dokument gesagt habe, sie sei für offene Grenzen, antwortet sie nur kurz auf die eigentliche Frage, und auch das nur in sehr allgemein. Stattdessen nutzt sie die Gelegenheit, um die Frage gegen Trump zu wenden, indem sie den Eingriff von Wikileaks und Russland in den Wahlkampf thematisiert. Damit kann sie den Druck von sich ablenken und auf Trump richten, beantwortet jedoch die Frage nicht wirklich.

          30 Jahre Erfahrung

          Ein starker Moment von Trump in der Debatte war der Moment, als Trump auf Clintons Argument, sie könne auf 30 Jahre Erfahrung in der Politik zurückblicken, antwortete, sie habe doch nur „schlechte Erfahrung“. Das hat Trump Clinton schon in den vergangenen Debatten immer wieder vorgeworfen. Sein Argument: Viele der Dinge, die sie nun durchsetzen möchte, hätte sie in den letzten 30 Jahren längst verwirklichen können. Clinton zeigte sich auf den Angriff jedoch gut vorbereitet und zählte ihre Leistungen aus den vergangenen Jahrzehnten auf. Ihnen stellte sie Ausschnitte aus Trumps Ledben gegenüber, die seine Lebensleistung wesentlich schlechter als ihre aussehen ließen.

          Wahlanerkennung

          Der Moment, mit dem Trump seine Chancen auf das Amt des amerikanischen Präsidenten möglicherweise beerdigt hat, folgte auf eine lange Suada darüber, dass das politische System kaputt, die Medien gegen ihn eingenommen und die Wahlen manipuliert seien. Auf den Hinweis des Moderators, dass der Verlierer der Wahl dies bis jetzt immer eingestanden und dem Sieger gratuliert habe, antwortet Trump ausweichend: Er müsse sich das Ergebnis erst ansehen, bevor er es akzeptieren könne, sagt er. Das wird zwar seiner Kernanhängerschaft gefallen, doch Wechselwähler werden es kaum goutieren, dass er damit die Fundamente der amerikanischen Demokratie untergräbt.

          Nasty woman

          Obwohl Donald Trump stets behauptet, immensen Respekt vor Frauen zu haben, lässt er diesen oft vermissen - das offenbarte sich auch in dieser Debatte wieder. Seine Rivalin Clinton implizierte in einer Antwort, dass Trump sich um eine Verpflichtung herumdrücken könne. Darauf lehnte Trump sich nach vorne und sagte so in sein Mikrofon, dass es jeder mitbekommen sollte: „Was für eine fiese Frau.“ Nicht erst nach der Veröffentlichung eines Videomittschnitts, in dem Trump sexuelle Übergriffe auf Frauen als normal bezeichnet, wenn man berühmt ist, ist bekannt, dass er bei weiblichen Wählern nicht besonders hoch im Kurs steht. Fast zwei Drittel dieser Wählerschicht unterstützen Hillary Clinton. Eigentlich hätte Trump in dieser letzten Fernsehdebatte um verloren gegangene Stimmen bei der weiblichen Wählerschaft buhlen müssen. Mit dieser Äußerung dürfte er aber eher noch mehr Frauen verprellt haben.

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