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Vereinigte Staaten : Weltmacht mit Handicap

Bridgeport, Connecticut: Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren hinterlassen.

Dem künftigen Präsidenten wird China nicht nur Kopfzerbrechen machen, weil es ein unbequemer Handelspartner ist, der Produktpiraterie betreibt und den Wert der eigenen Währung künstlich niedrig hält. Sondern China ist der Aufsteiger des 21. Jahrhunderts schlechthin. Er ist damit auch ein geopolitischer Rivale, der die Wirtschaftsbeziehungen zur Erlangung strategischer Vorteile benutzt (Aaron L. Friedberg); der eine robuste Interessenpolitik betreibt, die über die Region hinausreicht, über die aber Chinas Nachbarn besonders besorgt sind. Heute sieht auch die Regierung Obama in China einen, nein, den strategischen Konkurrenten.

Das war nicht immer so. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Präsident Obama wenig von Eindämmung wissen wollen, dafür umso mehr von Zusammenarbeit und „engagement“. Nach den allfälligen Enttäuschungen war dann mehr von Eindämmung und Gleichgewicht die Rede. Die Wende in Obamas China- und Asienpolitik kam im Herbst 2011. Was mittlerweile als „pivot to Asia“, als Hinwendung zu Asien, bekannt ist, bedeutet im Kern die Erneuerung und Intensivierung der Rolle der Vereinigten Staaten im asiatisch-pazifischen Raum als strategische Priorität. In diesem Raum wollen sie wirtschaftliche, diplomatische und strategische Investitionen tätigen. Die von Präsident Obama während eines Besuchs in Australien verkündete Stationierung von 2500 amerikanischen Soldaten im Norden des Landes sind ein Element in dem militärischen Investitionsfeld. Die chinesische Führung hat das sofort als Versuch der militärischen Eindämmung gedeutet.

Arbeitslosenquote, Stand 30.10.2012

Wird die Zukunft der Politik in Asien entschieden?

Die Gründe, warum die Vereinigten Staaten ihr Engagement in Asien verstärken - als pazifische Macht waren sie niemals abwesend -, sind vielfältig; der Hauptgrund ist aber eindeutig: der Aufstieg Chinas, die Verlagerung des Gravitätszentrums von Weltpolitik und Weltwirtschaft vom Atlantik zum Pazifik. So schrieb Außenministerin Hillary Clinton in der Zeitschrift „Foreign Affairs“: „Die Zukunft der Politik wird in Asien entschieden, nicht in Afghanistan oder im Irak, und die Vereinigten Staaten erden im Zentrum dieser Aktion stehen.“ Die asiatisch-pazifische Region ist heute ein Motor der Weltwirtschaft. Die Länder, die zum Beispiel dem losen Staatenverbund APEC angehören, erbringen zusammen eine Wirtschaftsleistung, die knapp sechzig Prozent der Weltproduktion entspricht; mit diesen Ländern wickelt Amerika nach Regierungsangaben 56 Prozent seines gesamten Handels ab. Die Region schließt zahlreiche aufstrebende Mächte ebenso ein wie traditionelle Industriestaaten und Verbündete der Vereinigten Staaten. Wichtige Handels- und Energierouten durchziehen die Region. Gleichzeitig wachsen die Militärausgaben; es gibt zahlreiche Territorialkonflikte, das nordkoreanische Desperado-Regime schürt Unruhe und bedroht die Nachbarn. Während Europa weitgehend befriedet ist - ganz frei und vollständig geeint ist es noch nicht -, macht die asiatische Gemengelage von Unsicherheiten, Risiken und Gefahren bei gleichzeitig großer wirtschaftlicher Dynamik eine neue Prioritätensetzung der amerikanischen Außenpolitik geradezu zwingend erforderlich. Wenn die Führung in Peking darin auch die Absicht erkennt, die Hegemonie Chinas in Asien zu verhindern, so ist das nicht falsch.

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