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Amerikas Republikaner : Wer führt das Erbe John McCains weiter?

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Erinnerung an John McCain am Sonntag bei den US Open in New York Bild: EPA

In der republikanischen Partei war John McCains Position zuletzt die eines Außenseiters, wenn auch eines hoch geachteten. Wird es eine ähnliche Stimme innerhalb der Partei jetzt noch geben?

          „Das Amerika von John McCain muss nicht wieder großartig gemacht werden, denn Amerika war schon immer großartig!“ Es gab kaum jemanden, der die Trauerrede von Meghan McCain für ihren verstorbenen Vater nicht als Abrechnung mit Donald Trump empfand. Es dauerte am Sonntag nicht lange, da forderten Dutzende Twitterer, McCains Tochter solle in die Politik gehen.

          Und tatsächlich sind Dynastiebildungen in der amerikanischen Politszene nicht so unüblich. Meghan McCain lehnte solche Spekulationen bislang stets ab – sie sei für politische Posten „zu ehrlich“, sagte die konservative Fernsehkommentatorin einmal. Ihre Mutter Cindy McCain hält sich ebenso bedeckt – dabei ist ihr Name konkret im Gespräch, wenn es um die Nachfolge ihres Mannes geht. Immerhin 47 Frauen übernahmen in der Geschichte des Landes die Sitze ihrer Ehemänner im Kongress – dank einer in anderen westlichen Demokratien unüblichen Praxis, die sich „Witwennachfolge“ nennt.

          Der Gouverneur von Arizona, Doug Ducey, gilt als Trump-freundlich. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass er für die Nachfolge von John McCain auf ein Familienmitglied zurückgreift. Er will nach dem amerikanischen Feiertag Labor Day am Montag schnell einen neuen Senator benennen. Dieser wird dann bis zu einer Nachwahl 2020 McCains Sitz verwalten – und wer diese Wahl gewinnt, nimmt das Mandat dann bis 2022 wahr. Ein Senator bestimmt nicht die Linie der Partei – aber viele Kommentatoren warten trotzdem gespannt darauf, ob der oder die Neue eher McCains traditionelleren Konservatismus vertreten oder den lauten Nationalismus von Donald Trump stärken wird.

          Viele Konservative fragen sich auch, wer McCains „Erbe“ in der republikanischen Partei antreten wird. Es ist ein komplexes Erbe: Der Senator aus Arizona war jahrzehntelang ein verlässlicher konservativer Republikaner, bemühte sich als Teil der „Gang of Eight“ unter George W. Bush aber auch um einen Kompromiss bei der Einwanderungspolitik. Seine Nominierung von Alaskas ehemaliger Gouverneurin Sarah Palin zur Vize im Präsidentschaftswahlkampf 2008 gilt als ein Schlüsselmoment für den stets wachsenden Einfluss der rechten „Tea Party“-Bewegung innerhalb der Partei. Ein Schritt, der die Republikaner veränderte und den McCain später bereute: Obwohl Palin ihn nie öffentlich angegriffen hatte, lud er sie nicht zu seiner Beerdigung ein.

          McCains politisches Vermächtnis ist nicht nur komplex, es definiert auch jeder anders für sich. Senator Lindsey Graham aus South Carolina etwa, in manchen Einzelfragen ein Kritiker des Präsidenten, will besonders die interventionistische Außenpolitik des „Falken“ McCain weiterführen. Im vergangenen Jahr hatte McCain als Vorsitzender des Streitkräfteausschusses mehrfach versucht, Druck auf die Trump-Regierung auszuüben, damit diese eine offensivere Strategie in Afghanistan und Syrien verfolgen sollte. Graham sagte laut dem „Washington Examiner“, er wolle dessen Erbe fortführen, indem er Trump davon überzeuge, die amerikanische Präsenz in Afghanistan nicht zu verringern.

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