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Iowa macht den Anfang : So funktionieren die Vorwahlen

In Iowa beginnen traditionell die amerikanischen Vorwahlen. Bild: AFP

Elf Demokraten konkurrieren noch darum, wer Donald Trump herausfordert. Jetzt spricht die Basis, das hat sie sich erkämpft. Wir erklären den Prozess vom Caucus über Primaries bis zu den Superdelegierten.

          5 Min.

          In Iowa beginnen die Vorwahlen der amerikanischen Demokraten. Bis Anfang Juni müssen die bisher noch elf Kandidaten Staat um Staat Delegierte sammeln – fast 2000 sind nötig, um sich die Nominierung zu sichern. Wie funktioniert dieses System? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Warum gibt es Vorwahlen?

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Die moderne Form der Vorwahlen zur Bestimmung der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten gibt es seit den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Viele Parteimitglieder waren es leid, dass die regionalen Parteibosse die Kandidaten in den sprichwörtlichen Hinterzimmern auskungelten, und verlangten Veränderungen. Als erstes reformierte die Demokratische Partei daraufhin ihr System.

          Sie gab den Parteigliederungen in den Bundesstaaten die Aufgabe, die Delegierten, die auf einem nationalen Parteitag den Präsidentschaftskandidaten bestimmen, in einem offenen Prozess auszuwählen. Die Bundesstaaten entschieden daraufhin, das System der Vorwahlen einzuführen. Die Republikaner übernahmen es bald. In beiden Parteien entsendet jeder Staat eine bestimmte Anzahl von Delegierten, die sich an seiner Bevölkerungsgröße bemisst.

          Wann finden die Vorwahlen statt?

          Die Vorwahlen finden in den Jahren der Präsidentenwahl statt, auch wenn die ersten Bewerber ihre Kandidatur schon mehr als ein Jahr vor diesem Termin bekannt gemacht haben. Die ersten Staaten, in denen eine Vorwahl stattfindet, sind traditionell Iowa im Mittleren Westen, New Hampshire in Neuengland, Nevada im Südwesten und South Carolina im „Alten Süden“ der Ostküste.

          Da der amtierende Präsident Donald Trump zur Wiederwahl antritt, dürften die republikanischen Vorwahlen dieses Jahr, sofern sie überhaupt abgehalten werden, reine Formsache sein. Bei den Demokraten dagegen geht es um viel. Ihre Vorwahlen beginnen mit dem „Caucus“ in Iowa an diesem Montag. Die nächsten drei Staaten folgen noch im Februar. Die letzte Entscheidung kommt dann von den Virgin Islands, die ihre Vorwahl am 6. Juni abhalten. Der allergrößte Teil der Delegierten wird allerdings im März und April bestimmt. Danach folgen zwar noch zwölf weitere Vorwahlen, zusammen geht es bei ihnen aber nur noch um etwa 13 Prozent der Delegierten. Insgesamt gibt es 57 solcher Entscheidungen: in den 50 Bundesstaaten, im Hauptstadtbezirk Washington DC, in fünf Überseeterritorien und unter den Auslandsdemokraten.

          Wer darf abstimmen?

          Um an Wahlen in den Vereinigten Staaten teilnehmen zu dürfen, müssen sich die Wähler bei den Behörden des jeweiligen Bundesstaats registrieren. Sie können dabei eine Parteipräferenz angeben, stehen fortan also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger im Wählerverzeichnis – was sie natürlich nicht daran hindert, bei Wahlen für Kandidaten einer anderen Partei zu stimmen.

          An den demokratischen Vorwahlen dürfen in den meisten Bundesstaaten nur als Demokraten registrierte Wähler teilnehmen. Mancherorts dürfen Wähler ihre Parteizugehörigkeit aber noch unmittelbar vor der Stimmabgabe entsprechend ändern. In manchen Staaten ist es sogar möglich, dass „Unabhängige“ an einer partiinternen Vorwahl teilnehmen.

          Was unterscheidet „Caucus“ und „Primary“?

          Die Entscheidungen in den Bundesstaaten unterteilen sich in „Primaries“ und „Caucuses“. In den meisten Staaten werden Primaries organisiert: Wie bei gewöhnlichen Wahlen setzen die Wähler in geheimer Abstimmung ein Kreuz auf einem Wahlzettel. „Caucuses“ hingegen sind für die Bürger aufwendiger. Denn dabei handelt es sich um Nachbarschaftsversammlungen etwa in Turnhallen oder Gemeindezentren, bei denen die Wähler idealerweise miteinander über die Bewerber diskutieren und sich offen zu ihren jeweiligen Favoriten bekennen. In beiden Fällen werden anhand der prozentualen Verteilung die Delegierten für jeden Kandidaten bestimmt.

          In diesem Jahr gibt es nur drei Staaten – neben den Überseeterritorien – die einen „Caucus“ abhalten. Vor vier Jahren waren es noch 14. Die Gegner des „Caucus“-Systems sagen, dass die Versammlungen oft chaotisch verliefen und eine zu hohe Hürde für die Teilnahme bildeten, weil sie so lange dauerten. Anhänger halten dagegen, dass diese Form Wähler stärker motiviere, an Vorwahlen teilzunehmen. Das Umfrageinstitut Rasmussen Report ermittelte vor vier Jahren allerdings, dass es bei den „Nachbarschaftsversammlungen“ eine deutlich geringere Wahlbeteiligung gab.

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