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Iowa macht den Anfang : So funktionieren die Vorwahlen

Wie funktioniert der Caucus in Iowa?

In den 1678 Bezirken des Bundesstaats Iowa – dazu in mehr als 90 „Satelliten-Caucuses“ in anderen Bundesstaaten sowie in Paris, Glasgow und Tiflis – werden am Montagabend Anhänger der Demokraten zusammenkommen, um die Delegierten für die Kandidaten zu verteilen. In Bibliotheken, Schulsporthallen oder Feuerwachen finden sich die Unterstützer der jeweiligen Kandidaten dann in Gruppen zusammen und werden gezählt. Diejenigen Kandidaten, die nicht mindestens auf 15 Prozent Unterstützung kommen, werden für den zweiten Wahlgang ausgeschlossen.

Die Anhänger der anderen Kandidaten geben ihr Votum schriftlich ab und dürfen nach Hause gehen oder sich den zweiten Wahlgang anschauen. Vor der weiteren Abstimmung dürfen sich die Anhänger von Kandidaten, die ausgeschlossen wurden, einem anderen Kandidaten anschließen. An diesem Punkt versuchen die örtlichen Vertreter der Bewerber möglichst viele der noch ungebundenen Wähler in ihre Gruppe zu locken; dabei kann es bei größeren Caucuses turbulent zugehen. Ist auch diese Phase abgeschlossen, werden die Delegierten anhand der erhaltenen Prozentzahlen verteilt.

Zum ersten Mal gibt jeder Wähler in Iowa dieses Jahr zum Schluss eine Stimmkarte ab. Nachdem Hillary Clinton im Jahr 2016 in Iowa nur einen hauchdünnen Vorsprung vor Bernie Sanders davongetragen hatte, war es zu Protesten an der Demokraten-Basis gekommen; in Iowa hatte sich die Partei darüber entzweit. Nun sollen die Ergebnisse überprüfbar werden.

Theoretisch steht die Delegiertenzahl allerdings auch am Dienstagmorgen noch nicht fest. Genau genommen werden nämlich zunächst nur Delegierte für Versammlungen auf Kreisebene gewählt. Dort werden dann die Abgesandten für Parteitage auf Bezirksebene ermittelt, wo wiederum jene für den Parteitag auf Bundesstaatsebene festgelegt werden. Erst dabei fällt die Entscheidung, welche 41 Vertreter den Staat Iowa auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Milwaukee vertreten. Kleine Verschiebungen sind daher nicht ausgeschlossen.

Wann steht der Nominierte fest?

Während die ersten vier Vorwahlen zwar schon einen Hinweis geben werden, welcher Kandidat bei den Wählern gute Chancen hat, werden im Februar nur fünf Prozent der Delegierten vergeben. Mehr Klarheit sollte in jedem Fall der März bringen, denn am Ende des Monats werden mehr als 60 Prozent der Delegierten bestimmt sein. Auch wenn bis dahin noch kein Kandidat eine Mehrheit der Delegierten sicher hat, so dürften nur noch wenige der derzeit elf Bewerber im Rennen sein – schon allein, weil den anderen Kandidaten die Geldgeber abspringen. Einzig der Multimilliardär Michael Bloomberg, der erst im März einsteigen will, könnte sich auch bei mäßigen Ergebnissen lange im Rennen halten.

Je früher der Sieger feststeht, desto früher könnte sich dieser auf den Wahlkampf gegen Donald Trump konzentrieren, anstatt sich aus dem eigenen Lager angreifen lassen zu müssen. Formal fällt die Entscheidung auf dem Nationalen Parteitag, der vom 13. bis 16. Juli in Milwaukee stattfindet. Spannend würde es dort vor allem dann, wenn kein Kandidat auf die absolute Mehrheit der Delegierten zählen könnte. Vorgekommen ist das seit 1952 nicht.

Wie viele Delegierte braucht der Sieger?

Im ersten Wahlgang sind beim Parteitag in Milwaukee 1990 Stimmen nötig, da 3979 Delegierte stimmberechtigt sein werden. Das sind jene, die die Kandidaten bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten errungen haben. In möglichen weiteren Wahlgängen erhöht sich die Zahl auf 2376, da nun auch 771 sogenannte automatische Delegierte ins Geschehen eingreifen dürfen. Diese sind aufgrund ihrer Funktion oder Position als Delegierte für den Parteitag gesetzt und – im Gegensatz zu den gewählten Delegierten – nicht an einen bestimmten Kandidaten gebunden.

Auf dem Parteitag vor vier Jahren gab es großen Ärger um diese „Superdelegierten“, denn sie hatten schon im ersten Wahlgang Stimmrecht. Das war ein Vorteil für Hillary Clinton, gegen den Bernie Sanders machtlos war. Unter scharfen Protesten der Clinton-Skeptiker hat die Partei die Regeln nach deren Niederlage gegen Donald Trump verändert.

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