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Big Data : Trumps neues Menschenregister

  • -Aktualisiert am

Eine Installation auf der Messe SXSW soll die Massenüberwachung erlebbar machen. Bild: Reuters

In Amerika sammeln nicht nur die Online-Konzerne Daten, sondern auch der Staat legt riesige Register an. Wie gefährlich könnten sie in der Hand der Trump-Administration werden?

          „Wie viel Faschismus steckt in der künstlichen Intelligenz?“, fragt Kate Crawford. Bei der SXSW-Konferenz in Austin bekommt niemand so viel Beifall wie die australische Publizistin, die in New York arbeitet und als leitende Wissenschaftlerin in Diensten von Microsoft steht. In der texanischen Stadt debattierten 40.000 Teilnehmer nicht allein über Innovationen für die Zukunft, sondern auch über die Schattenseiten der technologischen Entwicklung.

          Crawford treibt zum einen die rasch wachsende Datenmacht staatlicher Institutionen um, die zu einer immer feingliedrigeren Katalogisierung der Bürger führt, zum anderen der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz, um aus den Daten Schlüsse über künftiges Verhalten von Menschen zu ziehen. „Wir folgen einem Mythos“, sagt Crawford, die ihrem Vortrag den Titel gab: „Dunkle Tage. Künstliche Intelligenz und der Aufstieg des Faschismus“.

          Crawford sieht einen Zusammenhang: Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich die Menschheit das intelligenteste Kommunikations- und Informationsnetz ihrer Geschichte webt, befindet sich die Demokratie auf dem Rückzug, gibt es in der gesamten Welt einen bedrohlichen Aufschwung von Totalitarismus, Autokratie und antidemokratischen Tendenzen. Selbst in den westlichen Demokratien werden die fundamentalen Grenzen zwischen Bürger und Staat nach und nach verschoben: die Schutzzäune gegenüber einem übermächtigen Staat; der Schutzbereich der bürgerlichen Privatsphäre; der Schutz davor, vorschnell vom Verdächtigen zum Täter gemacht zu werden.

          Die zunehmende Kategorisierung der Bürger sei stets eine Begleiterscheinung totalitärer Entwicklungen gewesen, sagt Crawford. Nazi-Diktatur und SED-Regime waren vereint in ihrem unbändigen Kontrollwahn, in ihrer Datensammelwut, im Sortieren von Menschen und im Aussortieren von missliebigen Bürgern. Ihre Menschenkataloge waren gigantische Filter, die die Bevölkerung in Freund und Feind einteilten, in nützlich und vermeintlich unnütz. Doch die Mittel waren begrenzt. Die Akten von damals muten heute archaisch an: „Das Problem der Faschisten des 20. Jahrhunderts war, dass ihre Technologie armselig war.“

          Die Technologie hat sich geändert, geblieben ist mancherorts aber das Denken: Die neuen populistischen Bewegungen eint der Wunsch nach Abgrenzung und nach der Dämonisierung von Fremdem. Selbstlernende Maschinen könnten dabei zum machtvollen Unterstützer im Wunsch nach Kontrolle und Abgrenzung werden. Vorurteile lassen sich nur allzu einfach in Algorithmen einbauen.

          Der Staat kommt seinen Bürgern immer näher

          Schneller und besser als je zuvor kann der Staat heute existierende Daten kombinieren. Mit Methoden der künstlichen Intelligenz, die längst im E-Commerce und in der digitalen Vermarktung zum Einsatz kommen, beginnt er, Vorhersagen über das Verhalten einzelner Gruppen zu treffen. So wie digitale Kaufhäuser und Medien eine immer engere Beziehung mit ihren Nutzern pflegen, so versucht auch der Staat, über die digitalen Kanäle immer näher an seine Bürger und ihre Persönlichkeit heranzurücken.

          Unterstützt wird er von den intelligentesten Köpfen der Datenindustrie und einigen der machtvollsten Firmen. Aber auch vom Bürger selbst, der in seiner Sucht nach Kommunikation und Selbstdarstellung und auf der immerwährenden Suche nach der perfekten Beziehung privateste Details in einem nie dagewesenen Ausmaß für jeden abrufbar exhibitioniert.

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