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Der letzte Wahlkampf-Tag : Von letzten Angriffsversuchen und der „manipulierten“ Wahl

  • -Aktualisiert am

Endspurt: Hillary Clinton bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pittsburgh Bild: AP

Noch ein Tag, dann ist es vorbei. Während die politische Elite der Demokraten ein letztes Mal Wahlkampf für Clinton macht, versucht Trump Latinos zu gewinnen — und wittert Wahlbetrug. Eine Übersicht.

          An diesem Dienstag wählt Amerika, und Trump zieht sein letztes Ass aus dem Ärmel. In einem Video auf Facebook lässt er seinen privaten Fahrer zu Wort kommen. Man nehme einen Lateinamerikaner, eine schwere Kindheit in schlimmen Verhältnissen, dramatische Musik und fertig ist eine bewegende, persönliche Geschichte, die den Kandidaten der Republikaner als Retter und Kämpfer für die sozial Schwachen und Minderheiten zeichnet. 65.000 Menschen haben bisher auf „Gefällt mir“ gedrückt, fast 40.000 haben das Video geteilt. Es ist eine berührende Geschichte — und wohl Trumps letzter Versuch, noch ein paar Latinos von sich zu überzeugen, obwohl die mehrheitlich eigentlich seine demokratische Gegnerin Hillary Clinton unterstützen.

          Das könnte vor allem im „Swing State“ Nevada für Trump kritisch werden, denn hier ist die lateinamerikanische Bevölkerungsanteil in den letzten Jahren rapide angestiegen. Das macht sich auch in den Umfragen bemerkbar, in denen Trump zumeist knapp hinter Clinton liegt. Doch der Republikaner hat den Wüstenstaat im Westen in den vergangenen Tagen mehrere Besuche abgestattet und persönlich für sich geworben, zuletzt am Samstag. Clinton dagegen war vergangenen Mittwoch das letzte Mal in Nevada.

          Während Trump weiter versucht, dort anzugreifen, wo Clinton einen kleinen Vorsprung in den Umfragen hat, ist die Demokratin am Montag vor allem in Pennsylvania unterwegs. Holt sie am Dienstag diesen Staat, könnte sie Trump in die Ecke drängen, denn der muss dann viele andere, kleinere „Swing States“ gewinnen, um es auf die magische Zahl von 270 Wahlmännern bringen, die ein Kandidat für den Umzug ins Weiße Haus benötigt.

          Vor allem Clintons gemeinsamer Auftritt mit Tochter Chelsea, Ehemann Bill und den Obamas am Montagabend (Ortszeit) könnte ihr dort helfen, letzte unentschiedene Wähler zu überzeugen. In den Umfragen liegt sie in Pennsylvania nach wie vor vorne. Wo die Kandidaten am Montag genau unterwegs sind und wer für wen am letzten Tag nochmal Wahlkampf macht, lesen Sie hier.

          Republikaner wittern Wahlbetrug

          So kurz vor der Wahl häufen sich, vor allem auf republikanischer Seite, die Befürchtungen, dass es am Dienstag zu Wahlbetrug kommen könnte. Am Samstag sagte Trump bei seiner Rede in Reno, Nevada, abermals, dass die Wahl manipuliert werde. „Es wird berichtet, dass bestimmte, wichtige demokratische Wahllokale in Clark County Stunden nach den eigentlichen Öffnungszeiten noch offen waren, um demokratische Wähler reinzuholen,“ so Trump. Es sei ein „manipuliertes System“, fügte er an, und sagte weiter, dass „wir das System schlagen werden.“ Die Tatsache, dass das FBI Clinton inzwischen für die nächste Runde an untersuchten E-Mails abermals entlastet hat, sieht der Republikaner nur als Beweis dafür, dass er Recht hat.

          Aus Clark County, einem Bezirk im Bundesstaat Nevada, hieß es daraufhin, dass man lediglich die Wähler noch reingelassen habe, die bereits in der Schlange standen, wie die Zeitung „Las Vegas-Review Journal“ berichtete. Trump kauft den Behörden diese Erklärung wohl nicht ab. Auf seiner Internetseite ruft er seine Unterstützer dazu auf, als Wahlbeobachter auf Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe zu achten. „Helft mir, die betrügerische Hillary davon abzuhalten, die Wahl zu manipulieren!“ heißt es dort.

          Die Demokraten befürchten, dass diese freiwilligen Wahlbeobachter Wähler vor Wahllokalen einschüchtern könnten und so das Wahlrecht, vor allem von Minderheiten, einschränken könnten. Mehrere demokratische Organisationen versuchen nun, Trumps Aufruf nach Wahlbeobachtern gerichtlich anzufechten. In Ohio hat ein Richter den Demokraten am Freitag Recht gegeben und Trumps Kampagnenmitarbeiter angewiesen, Wahllokalen fern zu bleiben und Wähler nicht zu belästigen. Im Falle von Zuwiderhandlungen drohen Trumps Wahlbeobachtern nun sogar Gefängnisstrafen.

          Ob Republikaner dennoch versuchen werden, sich vor Wahllokalen zu positionieren und Wähler einzuschüchtern, wird sich am Dienstag zeigen. Eines ist jedoch sicher: Sollte Trump verlieren, wird er die gerichtliche Anordnung aus Ohio nur als weiteren Beweis sehen, wie „manipuliert“ das ganze System sei. Die Aussichten, dass Trump eine Niederlage akzeptieren wird, rücken damit weiter in die Ferne.

          Was Sie lesen sollten

          Ganz im Einklang mit Trumps Kampagne macht der rechtskonservative Meinungsmacher Milo Yiannopoulos Wahlkampf gegen Hillary Clinton, Frauenrechte und Flüchtlinge. Wer der Star am rechten Rand des amerikanischen Medienspektrums ist, erklärt Politikredakteur Oliver Georgi hier.

          Wie die Wahl tatsächlich manipuliert wurde, und wer dahinter steckt, hat „New York Times“-Autor Paul Krugman hier in einem Kommentar aufgeschrieben. Hinweis: Es ist eine lange Liste.

          In vielen Bundesstaaten dürfen verurteilte Straftäter auch nach Absitzen ihrer Gefängnisstrafe nicht wählen, wenn sie noch auf Bewährung sind. Ein 63 Jahre alter Mann erzählt auf der Nachrichtenseite „The Marshall Project“, was es heißt, nach Jahren hinter Gittern zum ersten Mal wählen zu dürfen — und für wen er stimmen wird.

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