https://www.faz.net/-gpf-a1d6a

Gerichtsentscheidung : Buch von Trump-Nichte darf erscheinen

  • Aktualisiert am

Donald Trump im Juli im Washington Bild: Reuters

Zu viel sei schon über das Buch berichtet worden, begründet der Richter seine Entscheidung. Es jetzt stoppen zu wollen, sei falsch und wäre zwecklos. Wegen seines neuen Buchs muss derweil Donald Trumps Sohn Spott ertragen.

          2 Min.

          Die Nichte des amerikanischen Präsidenten Donald Trump darf ihr Buch über die Familie Trump nun doch veröffentlichen. Der Oberste Gerichtshof in Poughkeepsie, New York, lehnte den Antrag auf Einstellung der Veröffentlichung ab und hob die einstweilige Verfügung gegen die Autorin Mary Trump und ihren Verleger Simon & Schuster vom 30. Juni auf. Der Bruder von Donald Trump, Robert Trump, hatte zuvor die Verfügung erwirkt, da die geplante Veröffentlichung von „Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf“ am 28. Juli gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoße, die an den Nachlass seines 1999 verstorbenen Vaters Fred Trump Senior gebunden sei. Mary Trump ist Fred Trumps Enkelin.

          Richter Hal B. Greenwald wies die Argumentation von Robert Trump mit dem Verweis auf die freie Rede zurück, wonach Mary Trump wegen einer Vereinbarung unter Familienmitgliedern nach dem Tod ihres Vaters nicht öffentlich über die Familie sprechen dürfe. Unter anderem habe Robert Trump nicht nachgewiesen, welche Schäden ihm oder der Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung entstehen würden, befand Greenwald. Er wird darin kaum genannt.

          Außerdem begründete der Richter seine Entscheidung mit der Tatsache, dass schon intensiv über das Buch berichtet worden sei. Außerdem seien schon mehr als 600.000 Exemplare gedruckt und versandt worden, es wäre seiner Einschätzung nach eine „unüberwindbare Aufgabe“, die Veröffentlichung jetzt noch stoppen zu wollen. Das Buch jetzt zu untersagen sei falsch und wäre zwecklos. Ein Sprecher Mary Trumps sagte, nun da das Buch erscheinen könne, würden das Land und das Weiße Haus sicher gespannt sein, was Mary Trump zu sagen habe.

          Simon & Schuster kündigte an, dass das Buch die „dunkle Geschichte“ der Familie Trump beleuchte, um zu erklären, wie Donald Trump „der Mann wurde, der jetzt die Gesundheit, die wirtschaftliche Sicherheit und das soziale Gefüge der Welt bedroht.“

          Das Buch von Mary Trump darf ab heute verkauft werden.

          Ein weiteres Trump-Familienmitglied hat ebenfalls ein Buch angekündigt. Donald Trumps Sohn Donald Trump jr. schrieb am Wochenende auf Twitter, sein Werk „Liberal Privilege“ werde im August im Selbstverlag erscheinen. Dazu veröffentlichte er ein Bild eines Teils des Buchtitels. Unmittelbar darauf musste er sich Hohn und Spott gefallen lassen, weil ein Apostroph im Untertitel falsch gesetzt war. Dort heißt es: „Joe Biden and the Democrat’s Defense of the Indefensible“ („Joe Biden und die Verteidigung des Unhaltbaren durch die Demokraten“). Das Apostroph bei „Democrat´s“ müsste eigentlich hinter dem „s“ stehen, da es sich um einen Plural handelt. Kurz darauf änderte Trump das Bild auf Twitter so, dass nur noch der Haupttitel zu sehen war.

          Nach Ansicht eines früheren Kampagnenberaters schaden die bisher erschienen Enthüllungsbücher – und auch das von Mary Trump – Trump aber politisch kaum. Entscheidend für den Ausgang der Präsidentenwahl am 3. November würden die Stimmen der Frauen werden, sagte der Kampagnenberater Julius van de Laar dem Portal t-online.de. Der Berliner Stratege hatte 2008 und 2012 für den Wahlkampf von Trumps Vorgänger Barack Obama gearbeitet.

          In den Büchern stehe nichts, was man Trump nicht ohnehin „zumindest zugetraut“ habe, sagte van der Laar. Die in Washington gewaschene „Schmutzige Wäsche“ interessiere viele Menschen in  der Provinz gar nicht. Wichtiger sei ihnen, was vor ihrer Haustür passiere. „Die Frage, die ich als Wahlkämpfer stellen würde, lautet: Gibt es Trump-Unterstützer, die nach all dem, was der Präsident in den letzten Jahren gesagt und getwittert hat, ihn plötzlich aufgrund der Behauptungen in den Büchern nicht mehr wählen würden?“

          Gefährlich könnte für Trump nach Einschätzung van de Laars die verfehlte Corona-Politik des Präsidenten werden. Die Zahl der Corona-Opfer geht in den Vereinigten Staaten steil nach oben und die Wirtschaft leidet. Gerade die Wählerschicht der Älteren ab 65 Jahren breche Trump weg und wandere zu seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden.

          „Frauen und vor allem Frauen in den Vororten, die sogenannten ,Suburban Moms‘, sind die entscheidende Zielgruppe in diesem Wahlkampf“, sagt van de Laar. Trump arbeite jetzt mit einer Schmutzkampagne gegen Biden, den er „müder Joe“ nenne. Biden sei im Land noch gar nicht so bekannt. „Er muss sich jetzt beeilen, sich selbst zu definieren – bevor Trump es tut.“

          Weitere Themen

          Das sagt Bayerns Gesundheitsministerin zur Testpanne Video-Seite öffnen

          Livestream : Das sagt Bayerns Gesundheitsministerin zur Testpanne

          Wegen der Fehler bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen steht Melanie Huml in der Kritik. Die Landes-SPD fordert ihren Rücktritt. Verfolgen Sie die Pressekonferenz der Ministerin im Livestream.

          Topmeldungen

          Eine alarmierte Fresszelle, die sich Viren einverleibt.

          Ur-Immunsystem unter Verdacht : Gift gegen das Virus

          Unser Immunsystem ist der Schlüssel gegen Covid-19. Und das steckt voller Überraschungen. Jetzt ist sogar die „schmutzige Bombe“ unserer Abwehr als mögliche Rettung für Corona-Patienten im Spiel.
          Eine Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt die roten Roben der Richter in Karlsruhe.

          NS-Vergangenheit von Richtern : Rote Roben, weiße Westen?

          Das Bundesverfassungsgericht will die Verflechtungen seiner ersten Richtergeneration mit dem nationalsozialistischen Regime erforschen lassen. Das ist überfällig – und eine gewaltige Herausforderung. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.