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Wahlkampf in Amerika : Facebook-Daten, die ins Weiße Haus führen

Ein Zeichen für die junge Anhängerschaft von Bernie Sanders: „Students for Bernie“ Bild: AFP

Die Wahlkampfstrategen der Präsidentschaftsbewerber wollen ihre Wähler genau kennen, um den Wahlkampf auf sie zuzuschneiden. Die Facebook-Daten über die Anhänger der Kandidaten sind deshalb ein kleiner Schatz.

          4 Min.

          Die Vorwahlen in Amerika laufen seit dem ersten Februar. Nach den ersten Terminen hat sich das Bewerberfeld zwar gelichtet. Klarheit darüber, wer Ende Juli von den beiden großen Parteien ins Rennen um das Weiße Haus geschickt wird, gibt es allerdings nicht. Bei den Republikanern balgen sich immer noch fünf Kandidaten, von denen der Immobilienmilliardär Donald Trump in landesweiten Umfragen die besten Werte einfährt, und bei den Demokraten macht Bernie Sanders der eigentlichen Favoritin Hillary Clinton das Leben schwer.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Klar ist nur, dass die Wut den Wahlkampf regiert. Die Wähler zeigen deutlich, dass sie die Bewerber am meisten schätzen, die am lautesten auf das „System Washington“ schimpfen und versprechen, es abzuschaffen oder umzukrempeln. Politische Erfahrung scheint eher ein Bremsklotz zu sein.

          Darüber hinaus ist es nicht nur für die Kandidaten von Interesse, was ihre Wähler sonst noch bewegt, aus welchen Einkommens- oder Altersschichten sie stammen. Eine gute Quelle, an solche Daten zu kommen, ist das soziale Netzwerk Facebook. Sobald ein Nutzer dort angibt, Anhänger eines bestimmten Kandidaten zu sein, gibt er Daten von sich preis.

          Diese Wählergruppen können jedoch auch von außerhalb untersucht werden, wie es eine Forschungsgruppe von der Universität St. Gallen getan hat. Dafür haben die Wissenschaftler die Angaben von mehr als 120 Millionen amerikanischen Facebook-Nutzern untersucht, die einen der Kandidaten „geliked“ haben.

          Auf diese Weise haben die Wissenschaftler nicht nur Angaben wie Alter, Geschlecht und Bildungsstand erhalten, sondern konnte auch Einkommensschichten und Haushaltsgrößen definieren. Außerdem geben die Daten Einsicht in die Beschäftigungszweige und das Kaufverhalten. Aus diesen aggregierten Daten lässt sich ein Bild der Wählergruppe eines Kandidaten gewinnen und diese können mit dem amerikanischen Durchschnitt verglichen werden.

          Die Analysen von Bernie Sander´ und Hillary Clintons Anhängerschaft zeigen, dass die bisherigen Annahmen über die Wählerverteilung zwischen den beiden auch auf Facebook anzutreffen sind. Schon bei Sanders Wahlkampfauftritten war aufgefallen, dass sich besonders junge Wähler für die Ziele des selbst ernannten „demokratischen Sozialisten“ begeistern. Die Facebook-Daten unterfüttern diese These, so sind seine Wähler zu zwei Dritteln 34 Jahre alt oder jünger. Clinton findet dahingegen noch weit mehr als die Hälfte ihrer Wähler in Altersschichten, die darüber liegen.

          Ballung unter 34 Jahren

          Signifikante Unterschiede zeigen sich auch im Beziehungsstatus und Bildungsstand. Während die Anhänger von Hillary Clinton in den Kategorien „Alleinstehend“, „in einer Beziehung“, „verlobt“ und „verheiratet“ jeweils um den amerikanischen Durchschnitt herum gruppiert sind, sind Bernie Sanders´ Wähler überdurchschnittlich oft Alleinstehend und nicht verheiratet.

          Beim Bildungsstatus ergibt sich ein umgekehrtes Bild. Hier kreisen die Werte von Sanders´ Wählern um den amerikanischen Durchschnitt, während bei Clintons Wählern eine deutliche Hierarchie zu erkennen ist. Wähler mit sekundärem Schulabschluss sind bei Clinton unterdurchschnittlich vertreten und College-Absolventen sind in ihrer Wählerschaft ungefähr genauso stark wie in der amerikanischen Bevölkerung. Sie bekommt ihre Stimmen jedoch von überdurchschnittlich vielen Universitätsabsolventen.

          Richtig gegensätzlich wird sich beim Wert der Immobilien der Wähler. Sanders´ bekommt überdurchschnittlich viele Stimmen von Menschen deren Immobilie 100.000 Dollar oder weniger wert ist. Je mehr Wert die Immobilie ist, desto unterdurchschnittlicher werden Sanders´ Werte.

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