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Clinton gegen Trump : Auf in die Schlacht

Zeigt Entschlossenheit: die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton Bild: AFP

Hillary Clinton wird im Wahlkampf mit allem gegen Donald Trump kämpfen, was sie hat. Ob das am Ende reicht, ist unsicher. Denn viele Amerikaner sind für Argumente längst nicht mehr zugänglich. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Ob es die Rede ihres Lebens war, mit der Hillary Clinton zum Abschluss des Parteitags der Demokraten die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin angenommen hat, steht mal dahin. Aber sie hat sich auf eine Weise in die Auseinandersetzung mit ihrem Gegner Donald Trump geworfen, für die das Wort „kampflustig“ nicht ausreicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Was die amerikanischen Wähler und die Welt in den kommenden gut drei Monaten geboten bekommen werden, wird nichts anderes sein als eine Schlacht von epischer Qualität. Und in dieser Schlacht wird Clinton jeden Angriff parieren und mit einem Gegenangriff beantworten. Für Sensibilitäten wird dabei kein Platz sein.

          In Philadelphia steckte Clinton schon mal den Schlachtplan ab, der ihr den Weg ins Weiße Haus bahnen soll: Die frühere Außenministerin wird ihre Erfahrung in und mit einer komplizierten, interdependenten Welt und ihre Kompetenz als Krisenmanagerin in die Waagschale werfen – und das der außenpolitischen Ahnungslosigkeit Trumps gegenüberstellen. Von seiner irrlichternden Unbekümmertheit hatte der republikanische Kandidat der staunend-irritierten Öffentlichkeit zuvor eine Kostprobe gegeben, als er Russland dazu aufforderte, Clintons Emails zu hacken. Nachher soll das nur Spaß, nur Sarkasmus gewesen sein.

          Clinton wird Trump als Spalter zu entlarven versuchen

          Clinton wird bei jeder Gelegenheit Trumps charakterliche Eignung und seine Fähigkeit in Zweifel ziehen, das Amt des Präsidenten auszuüben. Und sie wird den selbsternannten Volkstribun als einen Demagogen zu entlarven versuchen, der eben nicht für „echten“ Wandel stehe, sondern nur leere Sprüche zu bieten habe; der die Spaltung Amerikas nicht überwinde, sondern vertiefe.

          „Mit Demut, Entschlossenheit und grenzenlosem Vertrauen in Amerikas Versprechen nehme ich Eure Nominierung für das Präsidentenamt an“: Hillary Clinton ist nun auch offiziell die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten Bilderstrecke

          Diese Spaltung, die über politische Gräben weit hinausgeht und in so viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hineinreicht, ist mittlerweile Amerikas große Malaise.

          Vielen Wählern ist es egal, wie viel Krisenerfahrung jemand mitbringt

          Vielen Wählern wird das alles einleuchten; sie werden das Risiko eines Egomanen im Weißen Haus nicht eingehen. Vielen anderen Wählern wird es allerdings egal sein, ob einer oder eine hinreichend internationale Krisenerfahrung mitbringt. Sie sehen ja, wie wenig die amerikanische Außenpolitik in den vergangenen Jahren damit erreicht hat oder wohin sie damit gekommen ist – Stichwort Libyen.

          Und so könnte es Trump sogar zum Vorteil gereichen, dass er, zum Beispiel, vom sunnitisch-schiitischen Schisma keine Ahnung hat. Diese Wähler, auf die sich Trump stützt und deren Unzufriedenheit er ausschlachtet, wollen Wandel in einer rückwärtsgewandten Radikalität, die Clinton natürlich nicht zu bieten hat. Sie wollen Rückzug, Abschottung, einfache Antworten. Mit Rückzug hatte übrigens schon Obama angefangen.

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