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Präsidentenwahl in Amerika : Trumpismus ohne Trump?

  • -Aktualisiert am

Der Republikaner Joe Walsh Bild: AP

Der Republikaner Joe Walsh aus Illinois will Donald Trump herausfordern. Doch er kämpft mit seinen Fehltritten aus der Vergangenheit. Und die meisten Republikaner wollen auch gar nicht vor ihrem Präsidenten gerettet werden.

          5 Min.

          „Whatever“ (uns doch egal) – das soll die Antwort des Wahlkampfteams von Donald Trump gewesen sein, als der Fernsehsender ABC nach Joe Walsh fragte. Walsh, ein ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter aus Illinois, will Trump bei den Vorwahlen für die Präsidentenwahl 2020 herausfordern. Gegenüber ABC sagte er, Trump habe sich als ungeeignet für das Amt erwiesen. Jemand müsse die Sache anpacken. „Das Land hat genug von den Ausbrüchen dieses Mannes, er ist ein Kind“, glaubt Walsh. Er behauptete auch, die Trump-Anhänger wählten ihn nur, weil sie keine Alternative hätten. Innerparteilich werde er, Walsh, bald viele Unterstützer haben, weil seine ehemaligen Kollegen im Kongress „privat“ mit ihm einer Meinung seien, sagte Walsh. „Viele meiner einstigen Kollegen glauben, dass Trump im November (2020) verlieren wird“, versicherte der 57-Jährige.

          „Obama ist ein Moslem“

          Radio-Talkmaster Walsh ist ein ehemaliges Mitglied des rechten „Tea Party“-Parteiflügels. Er gehörte dem Repräsentantenhaus von 2011 bis 2013 an. Er unterstützte Trump lange enthusiastisch und gehörte zu den Republikanern, die zusammen mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten die „Birther“-Schmierenkampagne gegen Amtsinhaber Barack Obama befeuerten. Trump und viele seiner Anhänger verbreiteten damals die Lüge, Obama sei nicht in den Vereinigten Staaten geboren worden. Walsh machte vor der Wahl 2016 auch von sich reden, weil er twitterte, er werde sich im Falle von Trumps Niederlage eine „Muskete schnappen“. „Obama ist ein Moslem. Schönes neues Jahr!“, schrieb Walsh am 1. Januar 2017. Er sprach sich in seiner Zeit im Kongress und als Moderator für das Schleifen von Sozialleistungen aus, da diese nicht in der Verfassung genannt würden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Ursachen des Klimawandels hält Walsh, ähnlich wie Trump, für „nicht definitiv“. Einem größeren Publikum wurde der Politiker dadurch bekannt, dass er 2018 auf den Komiker Sascha Baron Cohen hereinfiel. Cohen brachte ihn in der Sendung „Who is America“ dazu, sich positiv über ein „Kinderguardians Program“ zu äußern, das angeblich Kleinkinder bewaffnen wollte. In weniger als einem Monat, so formulierte es Walsh, könne aus einem first grader (Erstklässler) ein „first grenadier“ (Grenadier) werden. Schließlich wünscht er den Kindern auch noch „happy shooting“.

          Mit dem ehemaligen Sozialarbeiter Walsh würden die Republikaner wohl auch keine Alternative zu Trumps Rassismus finden. „Wir haben die Maßstäbe gesenkt für Obama, man hat ihn an tieferen Standards gemessen, weil er schwarz war“, lautete einer seiner Tweets. Ein anderer: „Wenn Sie schwarz sind und eine Frau, dann können Sie dumme Sachen sagen. Heruntergeschraubte Standards.“ Dafür bitte er um Entschuldigung, sagte Walsh, als ihn ABC-Moderator George Stephanopoulos nun darauf ansprach. Trump habe ihn dazu gebracht, über seine eigenen Fehler nachzudenken. Bei Twitter hatte Walsh denen, die es hören wollten, diese neue Lesart bereits präsentiert: „@realDonaldTrump steht für das absolut schlechteste an uns: unehrlich, grausam, ignorant, unanständig, illoyal, unpatriotisch und feige. Und ich habe dabei geholfen, ihn zu erschaffen. Und dafür bitte ich um Entschuldigung“, versicherte er.

          Wie Walsh denken noch andere Republikaner an eine Gegenkandidatur. Alle haben gemeinsam, dass sie keine Ämter zu verlieren haben und in der Partei Außenseiter sind. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld, hatte bereits im April eine Vorwahl-Kampagne gegen Trump angekündigt. Der einstige Gouverneur von Ohio John Kasich plant im September einen Besuch in New Hampshire, wo Anfang Februar 2020 die erste Vorwahl stattfinden wird. Zudem sagte Mark Sanford, ehemaliger Gouverneur und bis zur vergangenen Kongresswahl Abgeordneter aus South Carolina, dass er darüber nachdenke, gegen den Präsidenten anzutreten. Er habe von Parteikollegen aus New Hampshire grünes Licht erhalten, sagte Sanford in dieser Woche. Nun plane er einen Besuch in Iowa. Bereits jetzt tauchen Trump-Fans bei öffentlichen Auftritten Sanfords auf und geben ihm einen Vorgeschmack auf eine Kampagne. „Geh und mach eine Wanderung!“, war kürzlich auf ihren Schildern zu lesen. Sanfords Karriere hatte einen erheblichen Dämpfer erhalten, weil der Gouverneur im Juni 2009 einige Tage abgetaucht war, später behauptet hatte, in den Appalachen gewandert zu sein, sich aber tatsächlich in Buenos Aires mit einer Geliebten traf. Seinen Sitz im Repräsentantenhaus verlor Sanford schließlich, weil Trump bei der Vorwahl 2018 Werbung für dessen innerparteiliche Gegnerin Katie Arrington machte.

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