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Präsidentenwahl in Amerika : Trumpismus ohne Trump?

  • -Aktualisiert am

Die Republikaner wollen nicht vor Trump gerettet werden

Die republikanische Partei hat nicht auf all diese selbst ernannten Retter gewartet, denn sie will bislang nicht vor Trump gerettet werden. Der Präsident ist unter republikanischen Wählern nach wie vor außerordentlich beliebt. Im Juli erreichte er in einer Ipsos-Umfrage 72 Prozent unter den Republikanern, andere Befragungen sahen ihn auch schon bei mehr als 80 Prozent Zustimmung. Die Vorhaben des Präsidenten wurden bislang von einer großen Mehrheit der Senatoren und Abgeordneten seiner Partei gestützt. Es war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kein innerparteilicher Widerstand, der Trump in den vergangenen Jahren teilweise ausbremste. Die wirksamsten Gegenkräfte waren Bundesrichter, die Vorhaben wie den Einreisestopp für Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern abschwächten – und die Wählerinnen und Wähler bei der Kongresswahl 2018, die die Dominanz der Republikaner im Abgeordnetenhaus beendeten. Der deutlichste Fall von innerparteilicher Opposition blieb die Abstimmung über die Abschaffung des Krankenversicherungssystems „Obamacare“ im Sommer 2017. Damals brachte der – inzwischen verstorbene – Senator John McCain aus Arizona gemeinsam mit Lisa Murkowski aus Alaska und Susan Collins aus Maine Trumps Plan zum Scheitern. Beide Senatorinnen zeigten sich jedoch seither bei vielen anderen Fragen loyal zum Präsidenten. Murkowski muss sich erst 2022 den Wählern stellen, Collins schon im kommenden Jahr.

Die „Never Trump“-Konservativen, die vor der Wahl 2016 gegen den Unternehmer aus New York kämpfen wollten, treten eher publizistisch als politisch in Erscheinung. Zu ihren prominentesten Köpfen gehört beispielsweise Max Boot, der schließlich die Demokratin Hillary Clinton unterstützte, um Trump zu verhindern. In der Partei spielen die „Never Trumper“ jedoch kaum eine Rolle. Neu-Kandidat Walsh will das ändern. Er soll sich bereits mit George Conway getroffen haben, dem Ehemann von Trump-Beraterin Kellyanne Conway, der ein konservativer Gegner des Präsidenten ist. Dabei sei es um eine mögliche Rolle George Conways in einem Kabinett Walsh gegangen, berichteten amerikanische Medien.

Die Partei arbeitet unterdessen daran, Vorwahl-Kampagnen auszubremsen. Es ist nicht unüblich, dass Parteien in Bundesstaaten ihre Vorwahlen absagen, um dem amtierenden Präsidenten zu helfen. Die Republikaner erwägen das Presseberichten zufolge in South Carolina und in Nevada. Und wer auch immer den Präsidenten herausfordern will, wird seinen Bekanntheitsgrad wohl nicht durch Fernsehdebatten steigern können. Das republikanische Nationalkomitee hat die entsprechende Organisationseinheit bis auf weiteres abgeschafft. Der Parteivorstand verabschiedete auch eine – allerdings nicht-bindende – Resolution, in der er seine „ungeteilte Unterstützung für Präsident Donald J. Trump und seine erfolgreiche Präsidentschaft“ erklärte.

Joe Walsh bekam unterdessen schon einmal zu spüren, was es heißt, gegen den beliebten Amtsinhaber anzutreten. Seine rechtskonservative Talkshow beim Sender „Salem Radio Network“ sei er los, berichtete Walsh am Montag gegenüber CNN. Er habe schon damit gerechnet, dass das passieren werde: „Ich bin gegen diesen Präsidenten, die meisten meiner Hörer unterstützen ihn. Es ist nicht leicht, ein konservativer Talkshow-Moderator und gegen diesen Präsidenten zu sein.“

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